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Interview

Potz Blitz – wenn's kracht, ist dieser Mann glücklich

Andreas Schneeberger aus Ebikon ist «Stormchaser». Der 31-Jährige ist Abteilungsleiter bei einem Detailhändler. Er jagt mit dem Fotoapparat Gewitter. Vor den Naturereignissen hat er jedoch Respekt. Zu Recht, ein Blitzeinschlag kommt ihn teuer zu stehen.
Roger Rüegger
Stormchaser Andreas Schneeberger sucht dunkle Wolken – und findet diese meistens. (Bild: Eveline Beerkircher, Ebikon, 9. Mai 2019)

Stormchaser Andreas Schneeberger sucht dunkle Wolken – und findet diese meistens. (Bild: Eveline Beerkircher, Ebikon, 9. Mai 2019)

«Wilma» fegte 2005 über Playa del Carmen. Ich war in diesem Hurrikan eingeschlossen. Sie aber suchen solche Spektakel freiwillig. Sind Sie einer jener Verrückten, die so nahe wie möglich an Stürme und Tornados heranfahren?

Andreas Schneeberger: Daran denke ich nicht im Traum. Ich verfolge Gewitter nur, um sie zu fotografieren.

Was ist an denen spannend?

Ich glaube, atemberaubende Bilder von Gewitterwolken, Blitzen und Landschaften zu machen. Dazu fahre ich aber eben nicht ins Unwetter hinein. Denn dort regnet es und ist dunkel, wie Sie ja wissen. Das gibt keine guten Bilder und es ist gefährlich, das Auto zu verlassen. Im Idealfall befinde ich mich vor dem Gewitter. Ich suche nicht den Nervenkitzel.

Das Lieblingsbild des «Stormchasers» (Gewitterjäger): Ein Gewitter bei Darwin in Australien. Das Lieblingsbild des «Stormchasers» (Gewitterjäger): Ein Gewitter bei Darwin in Australien.
Düstere Stimmung bei Darwin in Australien.Düstere Stimmung bei Darwin in Australien.
Auch bei Tag eindrücklich: Gewitter bei Darwin in Australien.Auch bei Tag eindrücklich: Gewitter bei Darwin in Australien.
Der Stormchaser auf der Insel Ko Nang Yuan Thailand.Der Stormchaser auf der Insel Ko Nang Yuan Thailand.
Der Wind ist gut sichtbar auf der Insel Ko Nang Yuan in Thailand.Der Wind ist gut sichtbar auf der Insel Ko Nang Yuan in Thailand.
Gewitter auf der Insel Ko Nang Yuan Thailand.Gewitter auf der Insel Ko Nang Yuan Thailand.
Blitz und Donner über Luzern.Blitz und Donner über Luzern.
Über dem Golfplatz in Meggen braut sich etwas zusammen.Über dem Golfplatz in Meggen braut sich etwas zusammen.
Ein Gewitter naht in Darwin in Australien. Aufgenommen auf einer Brücke.Ein Gewitter naht in Darwin in Australien. Aufgenommen auf einer Brücke.
Gewaltige Gewitterwolken in Darwin.Gewaltige Gewitterwolken in Darwin.
Dunkle Vorzeichen eines Gewitters in Darwin.Dunkle Vorzeichen eines Gewitters in Darwin.
Die Natur demonstriert ihre Kraft in Darwin in Australien.Die Natur demonstriert ihre Kraft in Darwin in Australien.
Gewitterabend in Luzern.Gewitterabend in Luzern.
Die Stimmung ist geladen in Luzern.Die Stimmung ist geladen in Luzern.
Blitze über Luzern.Blitze über Luzern.
Für Stormchaser ein Glücksfall: Gewitter über Luzern.Für Stormchaser ein Glücksfall: Gewitter über Luzern.
Der Himmel entlädt sich in Luzern.Der Himmel entlädt sich in Luzern.
17 Bilder

Blitz und Donner: So fängt der Gewitterjäger die Naturereignisse mit seiner Kamera ein

Seltsam, dass dies ein Stormchaser sagt!

Finde ich nicht. Ich kenne mich aus und beobachte, was sich auf dem Wetterradar tut.

Waren Sie in der Schweiz schon in Schwierigkeiten?

Auf dem Stanserhorn wurde ich von einem Gewitter überrascht, als ich den Sonnenuntergang fotografieren wollte. Es war so heftig, dass ich in der Nähe des Murmeliparks Schutz unter einem Baum suchte.

Super Idee!

Die Alternative wäre gewesen, mit dem Stativ auf freiem Feld zu warten, bis der Blitz einschlägt.

Etwas in der Art muss wohl geschehen sein. Was genau?

In der Nähe des Baumes schlug ein Blitz ein. Die Kraft der Natur beeindruckte mich. Ich erschrak so sehr, dass mein Stativ gegen einen Schneidezahn schlug. Den muss ich nun ersetzen lassen.

Das ist nicht lustig, zumindest nicht für Sie. Bezahlt die Versicherung die Zahnarztrechnung bei einem Schaden durch einen Blitzeinschlag?

Nein, der Zahn war leider schon beschädigt. Es hat sich herausgestellt, dass er früher nicht richtig behandelt wurde.

Warum wurden Sie vom Gewitter überrascht, wenn Sie doch wissen, wie sich das Wetter verhält?

Das Wetter kann sich rasch ändern. 100-prozentig weiss man nie, was geht. Sehen Sie nur aus dem Fenster, wie sich die Wolken formieren. Es windet und jeden Moment könnte ein Platzregen losbrechen.

Müssen wir abbrechen, damit Sie auf Gewitterjagd können?

Nein, aber wir könnten nach draussen, um das Foto für das Interview zu machen.

Wir fürchteten, dass es nichts wird mit dem Foto, weil vor unserem Treffen die Sonne schien. Sie haben gewusst, dass das Wetter dreht?

Ja genau. Schreiben Sie das so in der Zeitung. Das gleicht die Peinlichkeit mit dem Zahn aus.

Sie machen nicht nur Bilder von Gewittern, sondern bieten auch Touren an?

Richtig, weil mich oft Leute beim Stormchasing begleiten wollen. Die nehmen ihre Fotoausrüstung mit, dann geht’s los.

Wie lange ist man unterwegs?

Unter Umständen lange. Kürzlich begleitete mich ein Bekannter. Das Wetterradar zeigte an diesem Abend einige Gewitterzellen im Fricktal. Als wir eintrafen, hatten die sich bereits aufgelöst. Also orientierten wir uns neu und fuhren ins Berner Seeland.

Das liegt nicht direkt auf dem Weg. Hatten Sie Erfolg?

Zwei Blitze.

Die Bilder auf Ihrer Website sind sehenswert. Trotzdem: Haben Sie es mit Wolken und Blitzen nicht irgendwann gesehen? Reizen Sie Tornados in den USA, die das Blut in Wallungen bringen, wirklich nicht?

Wie gesagt, Tornados nicht. Aber ich reise nächstes Jahr wirklich in die USA. Nach Oklahoma, das ist die Hochburg der Unwetter.

Wie planen Sie Ihre Safaris?

Ich orientiere mich an mehreren Wetterstationen im Internet und weiss daher recht schnell, wo sich etwas zusammenbraut. Dann plane ich eine Tour. Es kann auch sein, dass sich das Wetter ändert, wenn ich zu Hause bin und ich spontan aufbreche. Denn wenns blitzt und ich daheim bin, werde ich nervös, nehme meine Kamera und tigere von Fenster zu Fenster, um zu sehen, was passiert. Meine Freundin meint dann meistens, ich solle endlich losfahren, das sei ja nicht auszuhalten.

Abgesehen vom Vorfall auf dem Stanserhorn. Erlebten Sie auch prickelnde Momente, die Sie festgehalten haben?

Mehrere. In Thailand war ich mit einem Boot auf einer Schnorchel-Tour unterwegs zur Insel Ko Nang Yuan, als aus dem Nichts ein heftiges Unwetter hereinbrach. Und in Australien befand ich mich in Darwin auf einer Brücke, als ebenfalls gewaltige Gewitterwolken aufzogen. Man spürte richtig, wie sich die Kraft der Natur konzentrierte. Da hatte ich wirklich Angst und ich hätte mich längst von der Brücke entfernen sollen.

Sollen, taten Sie es nicht?

Ich musste ein Foto haben.

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