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PRÄMIEN: Eine Kasse ist Klassenbeste

Bis Ende November haben Versicherte Zeit für einen Wechsel der Krankenkasse. Das lohnt sich für Luzerner: Eine Versicherung ist im Vergleich um bis zu 150 Franken günstiger – pro Monat.
Alexander von Däniken
Die Leistungen der Grundversicherung – sei es in der Arztpraxis oder im Spital – sind bei allen Krankenkassen identisch.Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 1. Dezember 2015)

Die Leistungen der Grundversicherung – sei es in der Arztpraxis oder im Spital – sind bei allen Krankenkassen identisch.Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 1. Dezember 2015)

Jährlich grüsst der Prämienschock: 2017 werden die Krankenkassen die Prämien im Kanton Luzern durchschnittlich um 3,8 Prozent erhöhen. Das ist etwas weniger als der Schweizer Schnitt von 4,5 Prozent für die Standard-Grundversicherung mit einer Franchise von 300 Franken, wie der Bund kürzlich mitteilte.

Die Versicherten haben trotzdem die Möglichkeit, ihr Portemonnaie zu schonen: mit einem Wechsel der Krankenkasse. Bis Ende November kann der bisherigen Kasse gekündigt und bis Ende Dezember einer neuen Kasse beigetreten werden. Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung sind gesetzlich bei allen Kassen gleich. Das gilt aber nicht für die Prämien ab 2017, wie ein Vergleich unserer Zeitung zeigt.

Wer gesund ist, soll höchste Franchise wählen

Als Basis dienen die Angaben des bekannten Internet-Vergleichsdienstes Comparis. Bei der Franchise empfehlen Krankenkassenexperten für jene, die regelmässig medizinische Leistungen ­beanspruchen, das Minimum von 300 Franken und für jene, die selten zum Arzt oder ins Spital müssen, das Maximum von 2500 Franken. Noch ist die Franchise von 300 Franken am beliebtesten. Bei der CSS mit Hauptsitz in Luzern haben letztes Jahr rund 490 000 der knapp 840 000 Grundversicherten diesen Betrag gewählt. Die Tendenz ist aber sinkend. Dafür haben 2015 über 80 000 Versicherte eine Franchise von 2500 Franken gewählt – 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Höhe der Kosten hängt auch von den Prämienregionen ab: Einwohner von Gemeinden, in denen mehr medizinische Leistungen konsumiert werden, bezahlen höhere Prämien als Einwohner von Gemeinden, die geringere Arzt- und Spitalkosten ausweisen. Im Kanton Luzern sind die Gemeinden in drei Prämienregionen eingeteilt. Unabhängig von der Franchise und vom Versicherungsmodell (siehe Box) zeigt sich ein eindeutiges Bild: In den meisten Fällen fahren Luzerner nächstes Jahr mit der Krankenkasse Atupri mit Hauptsitz in Bern am besten (siehe Bilder). Nur in der Prämienregion 2 stösst die Groupe-Mutuel-Tochter Avenir die Atupri vom Thron. Die grösste Differenz bei gleicher Franchise und bei gleichem Modell zum teuersten Anbieter beträgt satte 149.40 Franken pro Monat.

Für Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte von comparis.ch, ist das keine Überraschung: «Atupri hat eine gute Kostenstruktur und muss nicht Reserven aufbauen. Das Bundesamt für Gesundheit ist bei der Prämiengenehmigung streng und würde der Atupri Auflagen machen, wenn diese zu knapp kalkuliert.» Allerdings sei die Prämiengenehmigung des Bundes nur auf sehr kurze Zeit ausgelegt, kritisiert Schneuwly. Mit dem neuen Gesetz über die Krankenkassenaufsicht steige das Risiko grosser Prämienschwankungen über die Jahre. Eigentlich müsste die Aufsicht dafür sorgen, dass die Prämien möglichst stetig und moderat steigen und grosse Kostenschwankungen mit den Reserven geglättet werden. Kolping, Visana und Helsana verlangen im Kanton Luzern die höchsten Prämien. Während Letztere im nächsten Jahr wie alle Versicherer für gesunde Kunden mehr Geld in den Risikoausgleich einzahlen müssen, ortet Schneuwly bei der Kolping einen anderen Grund: «Kolping ist von Sympany übernommen worden, weil die Kasse mit ihrer aggressiven Wachstumsstrategie gescheitert ist und ihre Prämien schon im letzten Herbst massiv erhöhen musste.»

Knapp 150 Franken Unterschied für die gleiche Leistung – das ist happig. Und dürfte wohl zum letzten Mal so hoch ausfallen. Denn die vom Bundesparlament beschlossene Verfeinerung des Risikoausgleichs hat laut Schneuwly zur Folge, dass sich die Prämien immer mehr angleichen. Der Risikoausgleich sorgt dafür, dass Kassen für ihre «gesunden» Kunden in einen Topf bezahlen und für die «kranken» Versicherten Geld bekommen. Das zeige sich konkret am Beispiel von Tochterfirmen grosser Krankenkassen mit vielen gesunden Kunden. Als attraktive Angebote für überwiegend junge und gesunde Versicherte gedacht, erlebten diese Kassen einen regelrechten Boom. Dieser ist jetzt bereits wieder rückläufig. «Mit dem neuen Risikoausgleich lohnt es sich kaum mehr, gute Risiken in Tochterfirmen auszulagern», sagt Schneuwly.

Mehr Leistungen – teurere Prämien

Für den Experten sind die Regulierungen der Politik Ausdruck eines Mittelwegs zwischen Einheitskrankenkasse und reguliertem Kassenwettbewerb. Vor der zum dritten Mal gescheiterten Einheitskassenabstimmung vor zwei Jahren habe die bürgerliche Mehrheit des Bundesparlaments «aus Angst vor einem Ja» den Handlungsspielraum der Kassen eingeschränkt. «Haupttreiber der steigenden Prämien sind aber nicht die Kassen, die 5 Pozent der Prämien für die Verwaltungstätigkeit brauchen, sondern der stetig wachsende Konsum medizinischer Leistungen, der 95 Prozent der Prämien verschlingt», stellt Felix Schneuwly klar. Diese Angebote, insbesondere von Spezialärzten und Spitälern, sorgten automatisch für eine höhere Nachfrage – mit entsprechender Kostenfolge.

Hinweis

Auf www.comparis.ch ist ein umfassender Krankenkassenvergleich möglich. Zudem gibt es auf dem Vergleichsportal einen Musterbrief zur Kündigung der bisherigen Kasse.

Alexander von Däniken

Das sind die Modelle

Das Standard-Modell hat für Patienten keine Einschränkungen, ist dafür aber am teuersten. Wer sich für das HMO-Modell entscheidet, muss sich im Krankheitsfall zuerst an ein Gesundheitszentrum wenden. Dort ist in der Regel ein Arzt erster Ansprechpartner. Bei Bedarf vermittelt er Spezialisten, die einem Netzwerk angeschlossen sind. Ersparnis gegenüber dem Standard-Modell: ein Prämienrabatt von bis zu 25 Prozent.
Beim Hausärzte-Modell ist der eigene Hausarzt die erste Anlaufstelle. Auch er verweist den Patienten bei Bedarf an einen Spezialisten. Ersparnis: 15 bis 20 Prozent. Wer sich weder auf ein Gesundheitszentrum noch auf einen Hausarzt festlegen will, kann sich für das Telmed-Modell entscheiden. Hierbei muss zuerst eine Hotline angerufen werden. Medizinisches Fachpersonal gibt Auskünfte und Empfehlungen und leitet Sie, falls notwendig, an Ärzte oder Spitäler weiter. Prämienrabatt gegenüber dem Standard-Modell: 15 bis 20 Prozent.
Diese Modelle gelten für die obligatorische Grundversicherung. Die Leistungen der Grundversicherung sind durch das Krankenversicherungsgesetz genau festgelegt und bei allen Krankenkassen gleich.

Bild: Grafik / LZ

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