Präsident des Verbands Chöre Innerschweiz sieht bei Männerchören Handlungsbedarf 

«Luzern singt mit» - so heisst die neue Kampagne des Kantons Luzern, welche das Singen bei der Luzerner Bevölkerung fördern will. Andreas Hofstetter vom Verband «Chöre Innerschweiz» erklärt, was Singen bewirken kann.

Lucien Rahm
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Andreas Hofstetter, Präsident des Verbands Chöre Innerschweiz. (Bild: PD)

Andreas Hofstetter, Präsident des Verbands Chöre Innerschweiz. (Bild: PD)

Bei der Kampagne «Luzern singt mit», mit welcher der Kanton in der Bevölkerung die Freude am Singen fördern möchte, wirken auch über ein halbes Dutzend Zentralschweizer Chöre mit. Der Präsident des Verbandes «Chöre Innerschweiz», Andreas Hofstetter, erklärt auf Anfrage, warum er die Aktion begrüsst, welche positive Wirkung das Singen haben kann, und warum Männerchöre Probleme haben, Nachwuchs zu finden.

Die Kampagne soll den Gesang in der Bevölkerung fördern. Was kann einem regelmässiges Singen geben?

Andreas Hofstetter: Für mich ist Singen eine Möglichkeit, den Alltag zu verarbeiten. Andere gehen dafür ins Fitnesscenter, ich singe. Das hält ebenfalls fit und gesund. Als Mitglied eines Chors hat man ausserdem viele kameradschaftliche Erlebnisse.

Die Aktion des Kantons soll den Leuten unter anderem genau das schmackhaft machen: einem Chor beizutreten. Haben die Chöre in der Zentralschweiz nicht mehr genug Mitglieder?

Wir stellen fest, dass insbesondere Männerchöre Probleme haben, neue Mitglieder zu finden. Weil keine jüngeren Leute hinzukommen, sind sie teilweise überaltert. Für Junge kann es ein Hindernis sein, wenn sie im Gesangsverein keine Gleichaltrigen antreffen. Weniger problematisch ist die Situation bei Frauen- oder gemischten Chören.

Wie könnten Männerchöre dieses Problem angehen?

Es gibt durchaus auch Männerchöre, die sich erfolgreich verjüngen konnten. Im einen Fall hat der Chor nicht mehr nur auf klassischen Männergesang gesetzt, sondern seine Auftritte mit Theatereinlagen angereichert. Um die eigentlichen Lieder wurde so eine zusätzliche Geschichte aufgebaut, die auch das Publikum miteinbezog. Von solchen Darbietungen fühlen sich junge Leute offenbar eher angesprochen.

Müssten die Chöre vielleicht auch ihr Liedgut etwas modernisieren?

Das würde sicher helfen. Man kann zum Beispiel auch Lieder von Mani Matter singen, oder von aktuellen Mundartkünstlern wie Trauffer oder Kunz. Viele Männerchöre scheinen das leider ein wenig verpasst zu haben.

In welchem Chor sind Sie selber aktiv?

Ich war 16 Jahre lang im Männerchor Hellbühl. Momentan suche ich nach einer neuen Möglichkeit, zu singen. Vielleicht in einem A-cappella-Chor oder bei einem anderen Projekt.

Was sind für Sie die eindrücklichsten Momente, die Sie während Ihrer Zeit beim Chor erlebt haben?

Für ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei anderen Chören sind wir zweimal im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum aufgetreten. Wenn man dann mit 300 anderen Leuten auf der Bühne singt, das ist schon eindrücklich. Aber auch die Erlebnisse abseits der Bühne sind bereichernd, wenn man beispielsweise Chilbianlässe durchführt.

Konnte Ihr Chor das Problem mit dem Nachwuchs lösen?

Es ist auch dort schwierig. Wir haben zwar Werbung gemacht, Leute angeschrieben und auch als Mitglieder versucht, neue Personen anzuwerben, aber einfach ist es nicht. Immerhin einen neuen Sänger konnte der 35-köpfige Chor mittlerweile gewinnen.