Interview
Präsident von Gastro Luzern über die Lockerungen des Bundesrates: «Ich bin masslos enttäuscht»

Ruedi Stöcklis schlimmster Albtraum ist wahr geworden. Die Zukunft der Gastronomie bleibt weiterhin ungewiss. Für den jüngsten Bundesentscheid hat der Präsident von Gastro Luzern kein Verständnis.

Livia Fischer
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Ruedi Stöckli ist Präsident von Gastro Luzern und führt den Landgasthof Strauss in Meierskappel. Er ist sauer auf den Bundesrat – und sagt, wie es um die Luzerner Wirte steht.

Als der Betrieb noch lief: Gastro Luzern Präsident Ruedi Stöckli in seinem Restaurant Strauss in Meierskappel.

Als der Betrieb noch lief: Gastro Luzern Präsident Ruedi Stöckli in seinem Restaurant Strauss in Meierskappel.

Bild: Dominik Wunderlin
(Meierskappel, 4. März 2015)

Vor einem Monat haben Sie gesagt, es werde «richtig schlimm», wenn die Restriktionen im Gastrobereich über den April hinauslaufen. Nun ist es so weit.

Ruedi Stöckli: Ja, jetzt ist das Worst-Case-Szenario eingetreten. Mit Anfang Mai hätte ich leben können. Aber noch einen Monat länger? Das ist verrückt, der reinste Horror.

Was ging in Ihnen vor, als Sie die jüngste Pressekonferenz des Bundes gesehen haben?

Das hat wohl jedem Gastronomen den «Nuggi» rausgehauen. Ich bin masslos enttäuscht. Wie kann man eine Branche mit 200'000 Angestellten einfach so vergessen? Das zeugt für mich nicht von Grösse.

Was hätten Sie erwartet?

Dass jeder Gastronom einen Vorschlag machen darf, wie er seinen Betrieb unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften wiederaufnehmen kann. Kein Geschäft überlebt es, drei Monate lang nicht aufzumachen.

Eine Alternative ist das Take-Away-Business.

Das ist zwar ein guter Service für die Stammkunden, seine Verluste kann ein Betrieb damit aber nicht wettmachen. Auch Lieferdienste sind mit einem grossen Mehraufwand verbunden und kaum rentabel.

Wie schlimm steht es um die Luzerner Wirte?

Für jeden, der knapp dran ist, ist es jetzt sehr schwierig. Konkurse gab es bisher keine, so schnell geht das nicht. Ich weiss nicht, wie es bei anderen aussieht, aber ich habe noch keinen Rappen von der Arbeitslosenkasse bekommen. In einigen Wochen wird es bestimmt zu Entlassungen oder gar Schliessungen kommen. Das wird die Konsequenz der grossen Unsicherheit sein.

Mietzinsreduktionen wären für viele Gastronomen eine grosse Erleichterung.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren sollte. Die Vermieter können ja auch nichts dafür und brauchen das Geld, um die Amortisationskosten zu decken. Meiner Meinung nach steht da ganz klar der Bund in der Pflicht, er muss jetzt «de Grind herehebe».

Werden Sie etwas unternehmen?

Alle kantonalen Gastroverbände schreiben einen offenen Brief an den Bundesrat mit konkreten Forderungen. Dann schauen wir, was passiert. Wenigstens hat er auf die erste Kritikwelle reagiert und überdenkt die Situation nochmals.

Ihnen gehört das Landgasthaus Strauss in Meierskappel. Wie schlagen Sie sich durch?

Meine zehn Mitarbeiter drehen zu Hause Däumchen und warten, bis der Bund grünes Licht gibt. Meine Frau und ich leben aktuell vom Ersparten. Beschäftigung habe ich genug – ich wurste, räume auf, putze und gehe mit dem Hund Gassi.

Dabei wäre bei diesen Temperaturen eigentlich Hochsaison für Ihre Gartenbeiz.

Das tut besonders weh. Normalerweise fänden jetzt viele Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstagsfeste oder Firmungen statt. Wir versuchen den Verlust mit Streichung der Sommerferien zu kompensieren. Aber je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es.