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PRÄSIDIUM: Pirmin Jung: «Mit einem Mandat wäre es einfacher»

Nach fünf Jahren gibt Pirmin Jung heute das Präsidium der kantonalen CVP ab. Der Unternehmer erzählt, worauf er besonders stolz ist. Und er erklärt, welche Wahlschlappe er auch auf seine Kappe nehmen muss.
Roseline Troxler
Pirmin Jung beim Eingang zu seinem Ingenieurbüro in Rain. (Bild: Nadia Schärli (26. April 2017))

Pirmin Jung beim Eingang zu seinem Ingenieurbüro in Rain. (Bild: Nadia Schärli (26. April 2017))

Interview: Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Im Oktober gab Pirmin Jung überraschend seinen Rücktritt als Präsident der kantonalen CVP bekannt. Als Grund gab Jung an, mehr Zeit für seine Firma zu brauchen (siehe Kasten). Die Parteileitung schlägt an der heutigen Delegiertenversammlung Christian Ineichen als Nachfolger vor.

Pirmin Jung, wie bereiten Sie sich auf die Übergabe vor?

Nach der Delegiertenversammlung werde ich mich mit Christian Ineichen austauschen. In meiner Präsidiumszeit haben sich rund dreissig Ordner zur Partei angesammelt. Aber Christian weiss, wie der Hase läuft. Daher wird vieles davon im Altpapier landen.

Christian Ineichen sitzt wie Sie nicht im Kantonsrat. Ist er eine Notlösung?

Nein. Ich hatte vorher nicht einmal parteiintern eine Aufgabe. Als Präsident geht es darum, die CVP zusammenzuhalten, alle zu integrieren. Dennoch habe ich immer gesagt, es wäre gut, sässe mein Nachfolger im Parlament.

Aus welchem Grund?

Auf den Kanton kommen grosse Aufgaben zu. Bezüglich der Finanzen schaut die ganze Schweiz auf uns. Um die Zusammenhänge zu sehen, wäre es mit einem kantonalen oder nationalen Mandat einfacher. Aber ich traue Christian zu, dass er den Puls dennoch spüren wird.

War es für Sie ein Nachteil ohne Kantonsratsmandat?

Es brauchte mehr Gespräche mit dem Fraktionschef, den Kantons- und Regierungsräten. Ich sah meine Aufgabe im Moderieren und habe weniger Einfluss genommen. Zeitlich wäre ein Mandat nicht dringelegen.

Als Folge wurden Sie öffentlich weniger wahrgenommen.

Dafür andere, etwa Fraktionschef Ludwig Peyer. Ich habe mich auf die Parteistrategie fokussiert.

Bei den kantonalen Wahlen konnte die CVP die Sitze fast halten. Wie ist das gelungen?

Wenn man vergleicht, wie die CVP andernorts abgeschnitten hat, haben wir es nicht schlecht gemacht. Wir haben Vereinigungen wie die JCVP, die AWG, die Gruppe 60plus, die Landwirtschaftskommission und die Ortsparteien gestärkt. Und wir sind mit 100 Kandidaten angetreten. Das war ein super Gefühl.

Eine Niederlage waren die nationalen Wahlen 2015.

Das Resultat war völlig enttäuschend, trotz guter Kandidaten. Auf meine Kappe nehme ich, dass wir mit der Kandidatensuche zu spät begonnen haben.

Wie gut stehen die Chancen, 2019 drei Sitze zu halten?

Gelingt uns das, arbeiten wir gut. Aber davon ich bin überzeugt.

Braucht es wieder Allianzen mit anderen Parteien?

Die Zusammenarbeit mit der FDP läuft sehr gut, gerade bei den Finanzen. Bei den nationalen Wahlen sind Gespräche nötig. Eine Verbindung wäre auch bei den kantonalen Wahlen eine Option.

Worauf sind Sie als Parteipräsident besonders stolz?

Die Partei ist heute breit abgestützt – von den Plakatierern der Ortsparteien bis zu den Parlamentariern. Und bei den Gemeinderatswahlen haben wir einmal mehr sehr gut abgeschnitten.

Die CVP hat im Kantonsrat oft Abweichler: Ein Nachteil?

Bei den entscheidenden Themen pochen wir auf Einheit. Unterschiedliche Meinungen sind aber auch eine Stärke der Partei.

Eines Ihrer Ziele war es, die Basis stärker anzusprechen. Mit Erfolg?

Innerhalb der Partei ist uns das gelungen. Ausserhalb der Partei waren wir an der Luga präsent und haben eine Zeitung herausgegeben. Nun wird analysiert, ob sich dies ausbezahlt.

Weshalb hat die CVP Mühe, Junge anzusprechen?

Das ist nicht ein CVP-spezifisches Problem. Wir haben eine aktive Jungpartei, vor allem in der Stadt, der Agglo und um Sursee. Bei den Bürgerlichen zu politisieren ist vielleicht weniger sexy. Doch wir haben gerade auch bei jungen Familien einen Zuwachs.

Was ist die grösste Herausforderung für den Kanton?

Das Finanzschlamassel. Als Unternehmer habe ich den Eindruck, der Kanton wird oft auf dem linken Fuss erwischt. Es fehlt ein Risikomanagement, eine Finanzstrategie – ernüchternd.

Christian Ineichen möchte, dass die CVP pointierter auftritt: Ist dies bisher zu wenig gelungen?

Wir sind oft Mehrheitsbeschaffer und haben viele Leute mit Fachkompetenz. Es gelingt uns zu wenig, diese Leistung zu betonen.

Welche Rolle wird die Politik bei Ihnen künftig spielen?

Ich bin nicht verdrossen und sage niemals nie. Doch ein politisches Amt ist heute und morgen kein Thema für mich.

Was nehmen Sie von der Zeit als Parteipräsident mit?

Neben vielem anderen half mir die Arbeit, das Funktionieren des politischen Systems zu verstehen.

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