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PRÄSIDIUM: Schärli will dem Caritas-Rad neuen Schub geben

Die frühere Justiz- und Sicherheitsdirektorin Yvonne Schärli soll am 13. Juni an die Spitze von Caritas Luzern gewählt werden. Damit gibt ihr ein ehemaliger Ratskollege das Zepter weiter.
Yvonne Schärli und Anton Schwingruber in der Velowerkstatt, einem Integrationsangebot der Caritas Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Littau, 26. April 2017))

Yvonne Schärli und Anton Schwingruber in der Velowerkstatt, einem Integrationsangebot der Caritas Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Littau, 26. April 2017))

Es naht das Ende einer «unheimlich steilen Karriere», wie Anton Schwingruber (66) gestern sagte: Vor vier Jahren meldete sich der alt Bildungs- und Kulturdirektor (CVP) bei der Freiwilligenarbeit der Caritas Luzern, wollte einem eritreischen Flüchtling die hiesige Kultur und Politik näherbringen. Ein halbes Jahr später wurde der Werthensteiner zum Präsidenten des Hilfswerks gewählt.

Nun soll die frühere SP-Regierungsrätin Yvonne Schärli (65) aus Ebikon an der Caritas-Vereinsversammlung vom 13. Juni Schwingrubers Nachfolge antreten. Als sie für das Amt angefragt worden sei, habe ihr das drei Reaktionen entlockt: Überraschung («Das Präsidium ist doch ein CVP-Job»), Freude («Die spannende aktuelle Entwicklung werde ich gerne begleiten») und Respekt («Wie bringe ich alle meine Aufgaben unter einen Hut?»).

Gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken

In der Geräuschkulisse von surrendem Werkzeug, ratternden Velonaben und hellem Geklingel – Caritas lud in der Velowerkstatt, einem beruflichen Integrationsprogramm, zur Medienkonferenz – erklärte Schärli, weshalb sie sich für das Hilfswerk stark machen will. In den 24 Jahren als aktive Politikerin sei die Non-Profit-Organisation stets «eine absolut verlässliche Partnerin für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gewesen.» Das Engagement für diesen Zusammenhalt habe sie seinerzeit in die Politik getrieben – und dieses wolle sie nun bei der Caritas weiterführen. Damit übernimmt Schärli ein weiteres Präsidium einer Organisation, die sich für Menschen am Rande einsetzt. Bereits steht sie dem Verein Lisa vor, der für eine Verbesserung der Situation der Sexarbeiterinnen in Luzern kämpft.

Mit dem Wechsel an der Spitze läutet die Caritas eine neu Ära ein. Seit Anfang 2016 kümmert sich der Kanton Luzern um die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern. Zuvor bestand dafür während 30 Jahren eine Leistungsvereinbarung mit der Caritas. Seit diesem Jahr betreut der Kanton zudem anerkannte Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene. Auch die dortige Freiwilligenarbeit führt er nun in Eigenregie. Waren Ende 2015 noch 371 Personen bei der Caritas angestellt, sind es derzeit rund 160. «Wir haben einen Teil unserer Geschichte verloren, aber nicht unsere Werte», sagt Geschäftsleiter Thomas Thali. Es sei eine «Ehre», dass sich mit Schärli eine Persönlichkeit für die Caritas einsetzen wolle. «Das zeichnet uns als Organisation aus.»

Schärli will für Leistungsaufträge kämpfen

In welche Richtung sie das Caritas-Rad lenken will, behält Schärli noch für sich. Nur so viel: «Ich will gestalten, nicht nur verwalten.» Klar ist: Schärli hat nun das Resultat jener Entscheide vor Augen, die sie bis 2015 als Teil der Regierung mittragen musste. «Es war eine schwierige Zeit», sagt sie rückblickend. Ob es richtig gewesen sei, das Asylwesen in Eigenregie zu führen, kommentiert Schärli nicht. Sie sagt aber: «Caritas ist eine sehr wichtige Institution. Ich werde dafür kämpfen, dass sie weiterhin Leistungsaufträge vom Kanton erhält.»

Auch Anton Schwingruber, der 2011 als Regierungsrat zurücktrat, blickt auf intensive vier Jahre zurück. Von allen schlechten Varianten sei das Vorpreschen des Kantons im Asylwesen «wohl die bestmögliche» gewesen. Denn ein Grossteil der Caritas-Crew konnte dort weiterarbeiten. «In dieser schwierigen Zeit blickten die Verantwortlichen stets nach vorne. Ich bin stolz, ebenfalls dazu beigetragen zu haben, dass nicht nur Katerstimmung geherrscht hat.» Schwingrubers soziale Ader soll künftig auch ohne Caritas-Amt spürbar bleiben: Nach wie vor sei er in Kontakt mit dem erwähnten Eritreer, der inzwischen eine Schreiner-Anlehre absolviere und «eine Bekanntschaft» gemacht habe. Diese habe ihn als Deutschlehrer abgelöst, sagt Schwingruber und lacht. «Verliebtsein ist viel die bessere Sprachförderung.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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