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PRÄVENTION: Hier ist es für Senioren gefährlich

Die Gefahren im Strassenverkehr verändern sich mit zunehmendem Alter. Markant angestiegen sind schwere Unfälle mit E-Bikes. Aber auch das Risiko, Opfer von Trickdieben zu werden, steigt.
Interview Susanne Balli
Bei den E-Bikes nahm die Anzahl schwerer Unfälle am stärksten zu. (Symbolbild: Tobias Hase)

Bei den E-Bikes nahm die Anzahl schwerer Unfälle am stärksten zu. (Symbolbild: Tobias Hase)

Interview Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Am Mittwoch hält ein Sicherheitsberater der Luzerner Polizei an der Buttisholzer Tagung ein Referat zum Thema Sicherheit im Alter (siehe Hinweis). Erwin Gräni (53), Chef Prävention der Luzerner Polizei, sagt, warum dieses Thema so aktuell ist.

Erwin Gräni, warum verändert sich die Sicherheitslage mit zunehmendem Alter?

In der Schweiz sind grosse Fortschritte in der Verkehrssicherheit erzielt. Die ältesten Verkehrsteilnehmer konnten davon aber nicht im gleichen Ausmass profitieren wie die jüngeren Altersgruppen. Ihr geändertes Mobilitätsverhalten und ihre hohe körperliche Verletzlichkeit dürften hierbei eine wichtige Rolle spielen. Und im Bereich der Kriminalität gibt es Deliktsbereiche, von denen die ältere Generation stärker betroffen ist, zum Beispiel der Enkeltrick oder der Trickdiebstahl.

Ältere Menschen sind heute oft länger mobil. Allerdings nimmt die Reaktionsfähigkeit ab, die Sehkraft, das Hörvermögen und die Gelenkigkeit verringern sich. Wie können sich Senioren auf der Strasse trotzdem sicher bewegen?

Ab dem 70. Lebensjahr ist alle zwei Jahre eine Kontrolluntersuchung beim Arzt obligatorisch. Er beurteilt, ob die Fahrtauglichkeit gegeben ist. Mit vorbeugenden Massnahmen wie Fahrkursen kann das Unfallrisiko verkleinert werden. Zudem können altersbedingte Nachteile zum Beispiel durch das Vermeiden von Fahrten während der Verkehrsspitzenzeiten sowie verkehrsreicher Strassen kompensiert werden. Dies gilt auch für Fahrten in der Nacht und bei Dämmerung sowie bei schlechtem Wetter. Und für Fussgänger gilt, sich sichtbar zu machen.

Senioren können auch ein Sicherheitsrisiko für andere werden. Das darf man aber fast nicht laut sagen. Warum ist das Thema so sensibel?

Das Thema Senioren als Autofahrer bewegt die Menschen. Einerseits die Senioren, die meist bis ins hohe Alter Auto fahren möchten. Mobilität ist Lebensqualität. Andererseits sind da die übrigen Verkehrsteilnehmenden, die Senioren teilweise als Behinderung oder Gefährdung im Strassenverkehr wahrnehmen. Mit unseren Informationen möchten wir zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen und gängigen Klischees entgegenwirken.

E-Bikes erleben einen Boom. Gibt es bei Senioren mehr E-Bike-Unfälle als früher?

Durch die höhere Geschwindigkeit besteht ein höheres Unfallrisiko bei allen Altersklassen. Mit zunehmendem Alter nimmt aber die Verletzlichkeit und damit das Risiko für schwere Unfälle zu. Bei den Senioren haben die Verkehrsunfälle in den letzten 10 Jahren insgesamt um 20 Prozent zugenommen. Am stärksten nahm die Anzahl schwerer Unfälle bei den E-Bikes zu, wo eine Zunahme um deutlich über 100 Prozent zu verzeichnen ist. Der Anstieg ist primär auf die gesteigerte Nutzung von E-Bikes zurückzuführen.

Was raten Sie Angehörigen, wenn diese sehen, dass ihre Eltern/Grosseltern auf der Strasse ein Sicherheitsrisiko werden könnten?

Autofahren hat viel mit Eigenverantwortung zu tun. Angehörige sollten das Thema schon frühzeitig ansprechen und Alternativen aufzeigen. Ziel sollte es sein, dass der Verzicht auf den Führerausweis freiwillig erfolgen kann.

Kommen wir zum Thema Kriminalität. Warum ist die ältere Generation stärker von Trickdiebstahl betroffen?

Mit zunehmendem Alter werden Menschen allgemein weniger kriminell und seltener Opfer. Aufgrund des zunehmenden Alters sind Senioren aber besonderen Gefahren ausgesetzt. Im Alltag gilt besondere Vorsicht, da Senioren von Kriminellen als «leichte Opfer» angesehen werden. Diebe und Betrüger nutzen ganz gezielt eine gewisse «Altersnachsicht» aus.

Vor welchen «Maschen» müssen sich ältere Personen in acht nehmen?

Zum Beispiel vor Taschendiebstahl, Trickdiebstahl – darunter fällt auch der «Enkeltrick», Haustürgeschäfte, Geldsammlungen, dubiose Kaffeefahrten oder Betrug im Internet.

Das sind aber viele Gefahren.

Die Schweiz gehört zu den sichersten Ländern der Welt. Angst ist keine gute Lebensbegleiterin, ängstliche Menschen werden oft eher zu Opfern als selbstbewusste. Man muss aber wachsam bleiben, auch und gerade im Ruhestand.

Hinweis

Die Buttisholzer Tagung von Mittwoch wird von der Vereinigung CVP 60+ Wahlkreis Sursee organisiert. Roland Just, Sicherheitsberater der Luzerner Polizei hält sein Referat «Sicherheit im Alter» um 14 Uhr im Gemeindesaal Buttisholz. Der Eintritt ist kostenlos.

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