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PRÄVENTION: Jeder achte Lehrling erleidet einen Berufsunfall

Jeder achte Lehrling verunfallt im Betrieb. Das ist der Suva zu viel. Mit Hilfe von zwei Luzerner Lehrern will sie die angehenden Berufsleute besser erreichen.
Alexander von Däniken
Die Lehrer Peter Wyss (links) und Rolf Bachmann, hier in der Berufsschule für Bau und Gewerbe Weggismatt in Luzern, haben eine Präventionszeitung entwickelt, um die Zahl der Berufsunfälle von Lehrlingen zu senken. (Bild Pius Amrein)

Die Lehrer Peter Wyss (links) und Rolf Bachmann, hier in der Berufsschule für Bau und Gewerbe Weggismatt in Luzern, haben eine Präventionszeitung entwickelt, um die Zahl der Berufsunfälle von Lehrlingen zu senken. (Bild Pius Amrein)

Alexander von Däniken

Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz rund 19 000 Lehrlinge in ihren Betrieben. Dazu kommen noch einmal etwa 5500 Unfälle aus Firmen, die nicht bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) versichert sind. Das entspricht jedem achten Lernenden, wie die in Luzern beheimatete Versicherung kürzlich mitteilte. Im langjährigen Durchschnitt enden drei Unfälle tödlich, 2014 waren es sogar sechs. Höhere Risiken gibt es in handwerklichen Berufen, etwa in der Baubranche oder bei den Forstwarten. Dort erleidet fast jeder zweite Lehrling ­einen Berufsunfall (siehe Kasten).

Häufig werden Lehrlinge von Fremdkörpern getroffen, oder sie schneiden und schürfen sich. Schnittverletzungen an der Hand sind denn auch die häufigste Verletzung, gefolgt von Splittern, die ins Gesicht fliegen, oder Flüssigkeiten, die ins Auge spritzen. Gemäss der Suva spielen hier Unerfahrenheit und Unachtsamkeit eine Rolle. Dafür sind die Unfälle meist weniger gravierend als bei ihren ausgelernten Kollegen.

Suva startet zweite Stufe

Die Suva hat deshalb vor rund drei Jahren den ersten Schritt einer Kampagne gestartet. Die Lehrbetriebe erhalten Arbeitshefte und Informationsmaterial. «Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv», bilanziert Erwin von Moos, Kampagnenleiter bei der Suva. Jetzt erfolgt der zweite Schritt. Nach den Berufsbildnern und Lehrmeistern will die Suva die Lehrlinge über die Berufsschulen erreichen. Dazu hat die Suva zwei Lehrer des Berufsbildungszentrums Bau und Gewerbe Luzern kontaktiert: Peter Wyss und Rolf Bachmann. Die beiden haben die Sicherheitsthemen so aufbereitet, wie sie bei der Zielgruppe wohl am besten aufgenommen werden: einerseits als Gratiszeitung und andererseits mit fünf zusätzlichen Lernmodulen, die den Rahmenlehrplan des Bundes abdecken. Das Präventionsmaterial soll im allgemeinbildenden Unterricht behandelt werden. Rund 150 der 320 Schweizer Berufsschulen haben die Zeitung «Top today» bereits bestellt. In einer ersten Serie sind 70 000 Exemplare für die Deutschschweiz gedruckt worden.

Dabei ist es nicht das Ziel, dass die Schulen mit den Lehrlingen alle Module behandeln, wie Peter Wyss, einer der involvierten Luzerner Berufsschullehrer, erklärt: «Es geht vielmehr darum, Themen zu behandeln, die der Selbstreflexion dienen.» Jeder Unfall sei einer zu viel, daran müssten alle arbeiten, die Suva, die Betriebe und die Schulen. Sein Lehrerkollege Rolf Bachmann ergänzt: «In einer Klasse mit 24 Lernenden verunfallen statistisch gesehen 3 Lernende bei der Arbeit; dies ist nicht nur für die Betroffenen und die Schule schlecht, sondern auch für die Volkswirtschaft.»

In den nächsten Jahren will die Suva die weiteren Schritte der Kampagne umsetzen. So sollen die überbetrieblichen Kurse und die angehenden Lehrmeister stärker sensibilisiert werden. Das Ziel ist laut Suva-Kampagnenleiter Erwin von Moos klar: «Wir wollen erreichen, dass Lernende in ihrer Branche nicht mehr ein höheres Risiko haben als ausgebildete Facharbeiter.» Aktuell gibt es bei den Lehrlingen rund 130 Berufsunfälle pro 1000 Beschäftigte, bei den übrigen Angestellten sind es weniger als 90. Der Unfall eines Lehrlings kostet die Suva durchschnittlich 1500 Franken, verunfallt ein Ausgelernter, kostet dies 5500 Franken. Hauptgrund sind die tieferen Löhne, verbunden mit tieferen Taggeldern. Im Vergleich dazu sind die Kosten für die aktuelle Kampagne gering. Die Gratiszeitung etwa ist dank Inseraten selbsttragend.

Auszeichnung für unfallfreie Lehrlinge

Die Suva hat 2009 an der Forstmesse in Luzern 40 Forstwart-Lehrlinge ausgezeichnet, die es unfallfrei durch die Ausbildung geschafft haben. Das mag sarkastisch klingen, hat aber einen ernsten Hintergrund: Fast jeder zweite Forstwart-Lehrling verunfallt im Verlauf eines Jahres. Generell zählt die Forstwirtschaft zu den unfallträchtigsten Branchen der Schweiz. Letztes Jahr hat die Suva 302 Forstunfälle pro 1000 Vollbeschäftigte verzeichnet. Dazu zählen allerdings auch Zeckenbisse und Verletzungen durch Dornen.
Was als Pilotprojekt gedacht war, will die Suva in ähnlicher Form weiterführen. «Wir überlegen uns, jährlich Auszeichnungen zu vergeben und auch die Betriebe miteinzubeziehen», sagt Erwin von Moos von der Suva. Er hält indes fest, dass die Branche in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt habe, was die Arbeitssicherheit betrifft. Ausserdem beschäftige und betreffe die Branche weniger Personal als etwa die Baubranche.

Die Suva-Kampagne «Sichere Lehrzeit» kommt beim Verband Schweizer Forstpersonal gut an, wie Patrick Hofer, Leiter der in Luzern domizilierten Geschäftsstelle, erklärt. Das Schulprojekt sollte sich indes auf allgemeine Themen beschränken, während konkrete Gefahren draussen vermittelt werden sollen. Regelmässige Auszeichnungen erachtet Hofer als sinnvoll. «Sie fördern die Lust und die Motivation am und im Job. Das hat auch positive Effekte für das Gefahren- und Unfallverhalten.»

avd

Bild: Grafik LZ

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