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PREISTRÄGER: Er hat den Durchblick behalten

Pascal Sidler (23) hat im Hotel Schweizerhof seine Lehre als Hotelfachmann abgeschlossen. Dies trotz eines Handicaps, das den Langnauer schon mal mit einer karierten Kochschürze kämpfen liess.
Raphael Zemp
Pascal Sidler in einem Zimmer des Hotels Schweizerhof. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 8. Juli 2017))

Pascal Sidler in einem Zimmer des Hotels Schweizerhof. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 8. Juli 2017))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Für den Fototermin ist Pascal Sidler (23) noch einmal zurückgekehrt in seinen Lehrbetrieb, das Hotel Schweizerhof. Eben noch ist der Langnauer durch seine langen, mit auffälligem Rosenteppich bespannten Gänge geschritten, hat grosszügig helle Hallos ans Personal verteilt. «Oh Pascal, wir haben dich schon vermisst!» Jetzt sitzt er draussen auf der Terrasse im Schatten eines Sonnenschirms, in der Hand eine eiskalte Cola mit Zitronenschnitz. Ein Knäuel Pedalos treibt vor der Seebrücke, am Pilatus stauen sich erste Gewitterwolken. Es ist drückend heiss.

Die letzten vier Jahre hat er in diesem Luxusetablissement gearbeitet bis zum Abschluss der Lehre Ende Juni. «Vier sehr gute Jahre waren das», sagt Sidler. Sie haben Spuren hinterlassen: Eine kurze Hose sucht man am frischgebackenen Hotelfachmann mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis vergebens. Der Hitze zum Trotz steckt er in einem makellos gebügelten weissen Hemd, trägt eine schwarze Faltbundhose und schwarze Lackschuhe. «Ich habe viel fürs Leben gelernt», sagt Sidler trocken.

Wer es nicht weiss, könnte dem jungen, in Aufmachung und Wortwahl gepflegten Mann noch lange gegenübersitzen und ihn nicht bemerken. Der Grund, warum gerade Sidler «baff» gewesen war, als ihm der Luzerner Gewerbeverband den mit 1000 Franken dotierten Paul-Hürlimann-Preis verliehen hat: «Pendelnystagmus», pariert Sidler die Frage nach seiner Krankheit wie einer, der sich schon zu oft hat erklären müssen. «Meine Augen bewegen sich ständig hin und her, ich kann kaum etwas fokussieren. Seit Geburt.»

Entweder Geschwindigkeit oder Genauigkeit

Das sind nicht die besten Voraussetzungen, um etwa Suiten penibel sauber zu putzen. «War ich schnell genug, dann hat es an Sauberkeit gemangelt, und wenn es sauber war, dann hat es mit der Geschwindigkeit nicht gepasst», beschreibt Sidler ein klassisches Dilemma. Auch mit der schwarz-weiss karierten Kochschürze wird sich Sidler wohl nie anfreunden. «Diese akkurat zu bügeln – das war der pure Horror für meine Augen.» Aber wie für alle praktischen Probleme – «schulisch hatte ich auch während meiner Lehre nie zu kämpfen» –, so hat man auch für dieses eine Lösung gefunden. «Für praktische Aufgaben sprach man mir aufgrund meiner Sehbehinderung 15 Extraminuten zu, bügeln musste ich dann schliesslich eine uniweisse Schürze.» Sidler aber betont: Abgesehen von diesen Kompromissen habe man ihn nicht geschont.

Auch wenn es schwierige und stressige Momente gab, auch wenn er mit seiner Sehbehinderung besonders anfangs auch auf Unverständnis bei Mitarbeitern stiess: «Das Kämpfen hat sich gelohnt», beteuert Sidler. Schön sei es, sich in einem Betrieb gut integriert zu fühlen. Erst einmal sei er froh gewesen, überhaupt etwas gefunden zu haben. Nachdem er nämlich die reguläre Sekundarschule absolviert hatte, folgte erst einmal die Ungewissheit. Gerne wäre Sidler im Detailhandel eingestiegen, «weil ich aber Mühe habe, Kassen zu bedienen, hat es letztlich nicht geklappt».

Über einen Umweg nach Basel, wo er während neun Monaten in einer spezialisierten Institution im Umgang mit seiner Krankheit geschult wurde, fand er schliesslich zum Ausbildungszentrum La Capriola. Dieses hat sich ganz der «beruflichen Integration von Menschen mit Handicap in die Hotellerie und Restauration» verschrieben und Sidler letztlich auch seine Stelle im Hotel Schweizerhof vermittelt. «Das war ein absoluter Glücksfall für mich.»

Nach zwei Jahren hatte er bereits sein erstes Lehrabschlussdiplom als Hotelangestellter in der Tasche. Und nun, nach zwei weiteren Jahren, seinen bereits zweiten Abschluss. An diesem Punkt trennen sich vorerst die Wege von Sidler und dem «Schweizerhof». «Ich möchte noch ein anderes Hotel kennen lernen.» Eine Stelle hat Sidler noch keine. Vorerst stehen sowieso erst einmal Ferien und vielleicht eine Reise an. Und nun hat er auch endlich Zeit für seine grosse Passion: Filme schauen – trotz Pendelnystagmus.

Hinweis Alle Lehrabsolventen der Zentralschweiz erscheinen am Samstag in einer Beilage unserer Zeitung.

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