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PREMIERE: Fremder Fötzel in Luzern

Ein Ostschweizer ohne Affinität zur Fasnacht besucht den Luzerner Urknall. Und? Es ist gar nicht so schlimm.
Stefan Schmid
Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts», mit einer Gruppe Flamingos auf dem Kapellplatz. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23.02.2017))

Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts», mit einer Gruppe Flamingos auf dem Kapellplatz. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23.02.2017))

Stefan Schmid

Da haben sie den Richtigen eingeladen, meine Kollegen von der «Luzerner Zeitung». Ein Ostschweizer ohne Bezug zur Fasnacht soll sich den Auftakt zur fünften Jahreszeit vor Ort am Luzerner Seebecken zu Gemüte führen. Du meine Güte. Das erste und letzte Mal, als ich mich verkleidete, war vor 30 Jahren – als Primarschüler. Seither geht es mir wie vielen in meiner Heimatstadt St. Gallen: Man schaut dem Treiben mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis zu. Vielleicht muss ich vorausschicken, ehe Sie mich des Wahnsinns verdächtigen, dass die Fasnacht bei uns nicht ansatzweise den gesellschaftlichen Stellenwert geniesst wie bei Ihnen. Nur eine Minderheit steht morgens um fünf in aller Kälte zusammen, um mit Pauken und Trompeten den Urknall zu bejubeln. Sind Fasnachtsmuffel in Luzern eher Aussenseiter, so sind sie bei uns in der Mehrheit.

Ich stehe also schlaftrunken auf der Luzerner Seebrücke, knapp vor fünf Uhr in der Früh, und warte auf Bruder Fritschi und seine Familie. Dann der Knall. Die Einheimischen sind in Eks­tase. Los gehts, auf zum Kapellplatz. Flurina Valsecchi, meine Begleiterin und stellvertretende Chefredaktorin der «Luzerner Zeitung», kündigt freudig ein weiteres Highlight an: den Fötzeliregen aus geschredderten Telefonbüchern und ein paar Gratis-Orangen. Ausgerechnet eine Bündnerin erklärt mir voller Leidenschaft und Überzeugung die Luzerner Fasnacht. Sie kommt mir zuweilen vor wie eine überangepasste Seconda, die jetzt für die SVP politisiert.

Luzerner sind genauso bünzlig wie Ostschweizer

Zu meiner eigenen Überraschung lasse ich mich anstecken. Langsam kommt auch bei mir so etwas wie Partystimmung auf. Vielleicht liegt es am exzellenten Zwetschgentee, den wir uns soeben gegönnt haben. Muss man als richtiger Fasnächtler eigentlich betrunken sein?

Die Becher werfen wir vorbildlich in eigens dafür vorgesehene Abfallkübel. «Sauberes Luzern» ist überall zu lesen. Immerhin eine Parallele zur Ostschweiz: So bünzlig sind auch wir. Apropos sauber: Männer, die sich als Zahnbürsten verkleiden, würden bei uns wohl belächelt. Nicht so hier zwischen Reuss und Rathaus. Weil fast alle verkleidet sind – sogar ich trage zur Tarnung einen Zylinder – wirkt die Fasnacht ganz natürlich. Fröhliche und entspannte Gesichter allenthalben.

Zeit für einen Kaffee – ohne Güx. Über der Rigi geht die Sonne auf. Ein Betrunkener will mich umarmen. Muss das sein? Die Party geht erst richtig los. Irgendwie schade, muss ich Luzern schon wieder verlassen, die Arbeit wartet. Das nächste Mal, liebe Zentralschweizer, bleibe ich länger. Meine Bündner Kollegin sagt, am Montag gebe es einen zweiten Urknall. Tönt viel versprechend. Ich wünsche allen weiterhin eine rüüdig verreckte Fasnacht.

Hinweis

Stefan Schmid ist Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts». Dieses gehört wie die «Luzerner Zeitung» zu den NZZ-Regionalmedien. Aufgrund dieser Verflechtungen war es klar, dass Schmid unserer Einladung an die Luzerner Fasnacht schwerlich widerstehen konnte. Er scheint keine bleibenden Schäden davongetragen zu haben.

Zwischen die Zange genommen: Stefan Schmid, Chefredaktor des St. Galler Tagblatt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2017))

Zwischen die Zange genommen: Stefan Schmid, Chefredaktor des St. Galler Tagblatt. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2017))

Bruder Fritschi im Fötzeliregen auf dem Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2017))

Bruder Fritschi im Fötzeliregen auf dem Fritschibrunnen. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 23. Februar 2017))

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