PREMIERE: Stimmiger Auftakt von «Wetterleuchten»

Beat Portmanns «Wetterleuchten» zeigt den Zerfall einer scheinbar intakten Gemeinschaft. Regisseur Volker Hesse hat das Stück über die Sprengkraft kollektiver Verdrängungen auf der Seebühne Tribschen in Luzern mit 25 Profi- und Laienschauspielern stimmig inszeniert.

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Szene aus den Proben des Freilichtspiels "Wetterleuchten" beim Tribschen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Szene aus den Proben des Freilichtspiels "Wetterleuchten" beim Tribschen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der See lädt nicht zum Bade. Zwar schimmert er in der Abendsonne lieblich, bietet den Fischern ein Auskommen und ermöglicht dem Dorf die Verbindung in die weite Welt. Doch immer wenn sich die Bewohner in das kalte Wasser stürzen, so tun sie es im Hader.

Der See fordert auch Tribut. «Der See hat Hunger», werden die am Ufer spielenden Kinder gewarnt. Eine Katastrophe, die sich vor Jahren auf dem Gewässer ereignet hat, lastet noch heute auf dem Dorf. Kriminell in das Unglück verstrickt sind die, die im Dorf das Sagen haben, die reiche Margrith und der Pfarrer, der ihrem Regime den Segen gibt.

Doch zunächst wähnt sich der Zuschauer im unverfänglichen Heimattheater. In der kleinen sandigen Bucht waschen und trocknen die Frauen die weisse Wäsche für die anstehende Hochzeit. Doch die Idylle dauert nur kurz. Schnell kommt es zum Streit, der in einem veritablen Ringkampf zweier Frauen mündet.

Die folgenden 17 Bilder stammen von der Hauptprobe. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
46 Bilder
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
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Bild: Keystone / Alexandra Wey
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Bild: Pius Amrein / Neue LZ
Probearbeiten Mitte Mai (Bild: PD / Georg Anderhub, Luzern)
Bild: PD / Georg Anderhub, Luzern
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In diesem Jahr wird zum ersten Mal auf einer Seebühne gespielt! (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Der Verein Luzerner Freilichtspiele folgt auch im Sommer 2013 seiner Tradition, auf Tribschen Theater unter freiem Himmel zu zeigen. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Gespielt wird auf einer einzigartigen Schräge, die direkt in den See reicht. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Das Wasser, die Bäume und der Himmel werden so zu einem Teil der Freiluftaufführung. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Von der halbrunden Tribüne, die weit ins Wasser hinausragt... (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
...bietet sich ein atemberaubender Panoramablick auf den Vierwaldstättersee. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Die ungedeckte Tribüne wird 495 Sitzplätze fassen. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Das Budget beläuft sich auf 800'000 Franken. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Premiere wird am 11. Juni sein. Insgesamt sind bis am 17. Juli 21 Aufführungen geplant. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
In der reizstarken Umgebung des Tribschener Parks entwickelt Volker Hesse eine Inszenierung, deren Erzählweise stark von der sinnlichen Realität des Ortes ausgeht. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Mit einigen Profischauspielern und über vierzig Laiendarstellern schafft er ein Freilichtspiel, das sensibilisieren möchte: für den Reichtum der Uferlandschaft sowie die immer noch aufwühlenden Geschichtserfahrungen, die an diesem Ort verankert sind. (Bild: Stephan Mannteuffel / Verein Luzerner Freilichtspiele)
Volker Hesse (links) und Beat Portmann bei der Vorstellung des neuen Freilichtspiels. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die folgenden 17 Bilder stammen von der Hauptprobe. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Kein Freudentag

Das Machtwort Margriths stellt den brüchigen Frieden wieder her. Ihr arroganter Sohn Niklaus ist es, der heiraten soll. Die Braut Sophia blickt der von ihrer Familie gewünschten Verbindung mit Bangen entgegen. Der Trost, dass Niklaus ja nicht viel zu Hause sein werde, muntert sie nicht auf.

Vollends gestört wird die Dorfidylle, als im fahlen Licht der jungen Nacht ein Boot mit drei grauen Gestalten anlegt. Es sind Söldner. Einer von ihnen, Paul, ist ein Sohn des Dorfes.

Doch Paul ist nicht mehr der kleine Pauli von einst. Die Frauen meiden ihn, weil ihm der Geruch des Blutes anhaftet, die Männer, weil er eine Konkurrent ist. Mit seinem Kumpanen Franz proletet und schändet und säuft er, um die Enge der Heimat, das «Leben unter Wölfen» und die Schmach der Fahnenflucht zu vergessen.

Noch verstörender für das Dorf und vor allem für Margrith und den Pfarrer ist der dritte Söldner: Jack spricht nicht, er singt nur in unheimlichen Tönen - und er gleicht frappant dem verschollenen Johann, der bei der Katastrophe auf dem See betrogen worden ist.

Dunkle Geschichte

Je mehr am Spielort der Tag der Nacht weicht, desto dunkler wird die Geschichte. Der von der untergehenden Sonne erhellte Heimatstilrealismus weicht einem düsteren Surrealismus: Wahnhaft tanzen die in Aufruhr geratenen Dorfbewohner im Fackellicht, der jüngste Tag scheint gekommen.

Beat Portmann («Durst», «Alles still») erzählt die Geschichte um das Dorfgeheimnis nicht als Krimi. Mit vielen Figuren, Geschichten und Themen breitet er ein Sittengemälde aus und illustriert die Verstrickungen im Dorf. Der Preis dafür ist, dass das Stück episodenhaft ausufert und im Fortgang etwas gebremst wird.

Trotz der Weite der Bühne, die sich von der kleinen Bucht über den weiten See nahtlos bis zu den verschneiten Bergen erstreckt, brachten Volker Hesse und sein Team (Bühne, Kostüme: Stephan Mannteuffel) eine für ein Freilichtspiel intime und konzentrierte Inszenierung zustande. Schade, dass die Musik (Christoph Baumann) kaum Akzente setzte.

«Wetterleuchten» wird bis am 17. Juli noch 20 Mal gespielt.

sda/nop