Presserat rügt Luzerner Pfarreiblatt

Ein Bild im Luzerner Pfarreiblatt sorgte im Abstimmungskampf um die Waffeninitiative für rote Köpfe. Nun hat der Presserat eine Beschwerde von drei CVP-Nationalräten teilweise gutgeheissen.

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So warb das Pfarreiblatt für die Waffenschutzinitiative. (Bild: Ausschnitt Pfarreiblatt)

So warb das Pfarreiblatt für die Waffenschutzinitiative. (Bild: Ausschnitt Pfarreiblatt)

Die Luzerner CVP-Nationalräte Ida Glanzmann, Ruedi Lustenberger und Pius Segmüller verstanden vor der Abstimmung über die Waffeninitiative die Welt nicht mehr. Ein Bild, das im Pfarreiblatt des Kantons Luzern die Gläubigen aufruft, für die Waffeninitiative zu stimmen, wühlte die Gemüter auf. Gezeigt wird ein rund zehnjähriger Bube, der sich eine Pistole in den Mund führt und damit einen Selbstmordversuch andeutet. Aus der Publikation war nicht ersichtlich, dass das Bild keine echte Pistole, sondern ein Glacé in Form einer Waffe zeigt.

Laut Presserat hätte das «Pfarreiblatt» zumindest darauf hinweisen müssen, dass es um einen Jux mit Wassereis handelt. Zudem gehe es nicht an, einen Artikel ohne Einwilligung des Betroffenen mit einem Personenbild zu illustrieren, das in ganz anderem Zusammenhang aufgenommen wurde. «Wer sich bereitwillig an einer öffentlichen Aktion einer Kunsthochschule fotografieren lasse und einwilligt, dass das Bild im Internet veröffentlicht wird, gebe damit nicht zwingend sein Einverständnis dafür, das gleiche Bild in einem anderen, politischen, Kontext zu verwenden», schreibt der Presserat weiter.

Nicht verletzt sieht der Presserat hingegen die Menschenwürde des abgebildeten Kindes sowie der Leserschaft des «Pfarreiblatt». Zwar erscheine die Illustration des Berichts im konkreten Fall verfehlt und geschmacklos. Das Bild des Kindes mit dem Wassereis dränge sich dem unbefangenen Betrachter jedoch nicht als Schockbild auf, sondern wirkt im Kontext der Meldung «Kirche für Schutz vor Waffen» bloss deplatziert.

Das Urteil des Presserates deckt sich mit der Einschätzung, die der Vorstand des Vereins Kantonales Pfarreiblatt in seiner Medienmitteilung bereits veröffentlicht hatte.

Innerhalb der Redaktion sind darauf einige Massnahmen ergriffen worden, unter anderem werden Texte und Bilder der Zentralseiten künftig durch den Vorstand des Pfarreiblatt-Vereins und die Pfarreiblatt-Kommission abgesegnet.

rem