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PRIMAR: Pilotprojekt Lernen im Wald ist ein Erfolg

Jede Woche verbringen in Wolhusen zwölf Kinder einen halben Tag draussen. Gerade verhaltensauffällige Schüler machen dadurch Fortschritte. Das Projekt könnte auch für andere Gemeinden wegweisend sein.
Niels Jost
Die Wolhuser Primarschüler können dank des Unterrichts in der Natur an ihren individuellen Zielen arbeiten. (Bild: PD/Rita Pauchard)

Die Wolhuser Primarschüler können dank des Unterrichts in der Natur an ihren individuellen Zielen arbeiten. (Bild: PD/Rita Pauchard)

Wald statt Schulzimmer, Bräteln statt Büffeln. Die Primarschule in Wolhusen geht seit andert­-halb Jahren einen alternativen Bildungsweg. Sie bietet jeweils zwölf Kindern der 1. bis 6. Primarstufe die Möglichkeit, jede Woche einen halben Tag in der Natur zu verbringen. Auch der Umgang mit Tieren, etwa auf einem Bauernhof, gehört dazu. Das Pilotprojekt «IF +» richtet sich insbesondere an Kinder, die Mühe in der Schule oder mit dem Schulsystem haben.

In der Natur können die Schüler ihre Persönlichkeit stärken, an ihren individuellen Zielen arbeiten oder einfach mal eine kleine Auszeit vom kopflastigen Unterricht nehmen, sagt Schulleiter Benedikt Küng. «Für manche Kinder gibt es Themen, die aufs Leben gesehen wichtiger sind als der Schulstoff. Da braucht es den Mut, lieber einen Test oder ein Thema wegzulassen und dafür zum Beispiel das Selbstvertrauen eines Schülers zu stärken.» Mit dem Projekt habe man positive Erfahrungen gemacht, wie das Beispiel eines Viertklässlers zeige. Dieser fiel im Unterricht wegen seiner Wutausbrüche auf. Jede neue Aufgabe löste bei ihm Angst und Aggressionen aus. «Inzwischen hat er im ‹IF +› gelernt, neue Aufgaben anzupacken – und auch einmal zu scheitern», sagt Lehrerin Monika Pfyl. «Am Anfang konnte der Junge kaum auf einem unebenen Waldweg gehen und wurde schnell wütend. Nun meistert er das ohne Probleme und wagt sich an immer neue Aufgaben. Und das schafft er auch im Unterricht.»

Kinder müssen Schulstoff nicht nachholen

Das Angebot steht allen 227 Primarschülern offen – nicht nur den Lernschwachen, sondern etwa auch Hochbegabten. Eine Anmeldung erfolgt durch die Klassenlehrperson und die Eltern in gegenseitiger Absprache. Wer am Naturunterricht teilnimmt, verpflichtet sich, mindestens drei Monate zu bleiben. Danach wird die Gruppe neu zusammengestellt. «Wenn wir aber merken, dass das Projekt einem Kind sehr gut tut, dann kann es natürlich auch das ganze Jahr daran teilnehmen», sagt Küng und fügt an: «Oft erübrigen sich damit aufwendige Abklärungen mit externen Fachleuten.» Den verpassten Unterrichtsstoff müssen die Schüler nicht nachholen. «Einige Kinder haben ohnehin ein indi­viduelles Lernprogramm.» Die Wochenstundentafel sowie den Lehrplan könne man aber einhalten, versichert Küng.

Den Unterricht betreuen zwei Lehrerinnen. Sie haben schon vor dem Pilotprojekt in Wolhusen unterrichtet – eine zusätzliche Stelle musste man also nicht schaffen, so Küng. «Die Lehrerinnen verfolgen lediglich andere schulische Schwerpunkte.» Einen Mehraufwand gibt es aber doch: So konnten nicht alle Stunden in der Natur durch die vorhandenen Mittel der Integrativen Förderung gedeckt werden. «Die Gemeinde finanziert fünf Lektionen zusätzlich. Das sind jährliche Kosten von rund 20000 bis 25000 Franken», sagt Küng.

Kanton warnt: Lehrplan einhalten

Beim Kanton stösst das Angebot auf offene Ohren. «Solange die Schule die Stundentafel und den Lehrplan einhält, ist gegen ein solches Projekt nichts einzuwenden», sagt Charles Vincent. Laut dem Leiter Dienststelle Volksschulbildung ist es durchaus sinnvoll, andere Lernmethoden an­zuwenden. Positive Erfahrungen habe man etwa mit Waldkindergärten oder Tieren im Unterricht gemacht. «Nachdem Kinder draussen waren, ist ihre Konzentration und Motivation im Schulzimmer grösser. Und durch den Umgang mit Tieren lernen die Kinder etwa, Verantwortung zu übernehmen.» Vincent betont aber auch, dass sich solch alternative pädagogische Ansätze nicht für jede Schule eignen. Und: «Das Hauptziel, allen Schülern den Schulstoff zu vermitteln, darf man nicht aus den Augen verlieren.»

Dessen ist sich auch Schulleiter Benedikt Küng bewusst. Er sagt, dass sich ein solches Projekt durchaus auf andere Schulen übertragen lässt, wenn Umfang und Inhalt auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden – «wie das bei uns der Fall ist». So können die Wolhuser Kinder ihr persönliches Verhalten und den Umgang mit Tieren beispielsweise gleich auf dem Bauernhof von Lehrerin Monika Pfyl stärken. Für den Schulleiter ist klar: «Wir möchten das Projekt weiterführen.»

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

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