Priska Wismer wird Nationalrätin – und die Landschaft gewinnt damit eine Vertreterin

Da CVP-Frau Andrea Gmür Ständerätin wird, rückt Parteikollegin Priska Wismer in den Nationalrat nach. Nun gilt es für die Bäuerin, Lehrerin und Familienfrau vieles zu organisieren.

Roseline Troxler
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CVP-Frau Priska Wismer engagiert sich künftig im Nationalrat für den Kanton Luzern. Im Bild ist sie auf dem Stierenberg in der Nähe ihres Bauernhofs zu sehen. (Bild: Philipp Schmidli, Rickenbach, 24. Oktober 2019)

CVP-Frau Priska Wismer engagiert sich künftig im Nationalrat für den Kanton Luzern. Im Bild ist sie auf dem Stierenberg in der Nähe ihres Bauernhofs zu sehen. (Bild: Philipp Schmidli, Rickenbach, 24. Oktober 2019)

Vom Stierenberg her schweift der Blick von Priska Wismer-Felder (49) über Rickenbach, die Luzerner Landschaft bis zu den Innerschweizer Alpen. Ab Dezember wird sie die Luzernerinnen und Luzerner im Nationalrat vertreten. Am vergangenen Sonntag wurde die Bäuerin, Familienfrau und Primarlehrerin mit 27597 Stimmen auf den ersten Ersatzplatz gewählt. Seit gestern ist klar: Priska Wismer ist Nationalrätin. «Darüber freue ich mich riesig», sagte sie gestern. «Ich war bereits am Sonntag sehr zufrieden mit dem Resultat und dem ersten Ersatzplatz.» Noch am Morgen des Wahltags hatte sie an einer Jodlermesse in Krumbach mitgesungen. «Das hat mich zum Glück etwas abgelenkt.» Bereits die ersten Hochrechnungen hätten positiv ausgesehen. Doch Wismer brauchte viel Geduld.

Schon 2015 landete sie auf dem ersten Ersatzplatz. Trotzdem war das Feiern letzten Sonntag ganz anders als vor vier Jahren, erinnert sich Tochter Arlette: «Andrea Gmür hat dich 2015 ganz am Schluss noch überholt. Das war schon eine Enttäuschung.» Priska Wismer pflichtet ihrer Tochter bei. Ihr sei klar gewesen, dass in der letzten Legislatur kein Bisheriger zurücktreten würde. Rückblickend meint sie aber:

«Vielleicht war es besser, dass ich damals nicht gewählt wurde.»

Ihre fünf Töchter, nun alle erwachsen und teils ausgeflogen, waren damals noch deutlich jünger. «Ausserdem konnte ich meiner Tochter Arlette bei der Aufnahme ihrer CD helfen. Das wurde zum Familienprojekt und wäre mit einer Wahl nicht möglich gewesen», erzählt die begeisterte Jodlerin.

Vor zehn Jahren begann ihre politische Karriere

Priska Wismers politischer Aufstieg ist steil. 2009 wurde sie in die Schulkommission der Kantonsschule Beromünster gewählt. Alt Kantonsrätin Erna Müller-Kleeb motivierte sie dann für eine Kandidatur für den Kantonsrat. «Sie hat mir das Türchen zur Politik geöffnet. Wir tauschen uns heute noch regelmässig aus.» 2011 wurde sie gewählt. Und im vergangenen März erzielte sie bei den kantonalen Wahlen das beste Resultat im Wahlkreis Sursee. Ihr politisches Profil zeigt eine klare Verortung in der Mitte. «Ich bin sehr konsensorientiert», unterstreicht sie. Wismer engagiert sich auch in der Christlichsozialen Vereinigung. Auf dem linken Flügel politisierend will sie sich aber nicht sehen. «Ökologische und soziale Themen sind nicht den Linken vorbehalten.»

Im Kantonsrat hat sich Wismer vor allem in Bildungsfragen engagiert. «Mein grösster persönlicher Erfolg ist, dass das Fach Hauswirtschaft in der 9. Klasse beibehalten wurde.» Dafür brauchte es mehrere Vorstösse. «Ich erhielt enorm viele Rückmeldungen hierzu.» Für ihren Erfolg brauchte es Beharrlichkeit. «Ich bin denn auch mit einer guten Portion Hartnäckigkeit ausgerüstet», meint die Neo-Nationalrätin. Das habe sich vor allem in der Fraktion gezeigt.

«Manchmal bohrte ich zig-mal nach – nicht immer zur Freude meiner Fraktionskollegen.»

Während acht Jahren hat Wismer in der Bildungskommission politisiert. «Es war meine Wunschkommission. Als Mutter von fünf Kindern und ausgebildete Lehrerin konnte ich mich gut einbringen.» Leider gab es in der Bildung aufgrund von Sparmassnahmen wenig Spielraum zum Gestalten. Als spannende Themen der letzten Jahre bezeichnet Wismer die Fremdspracheninitiative, und sie lobt die Zusammenarbeit mit CVP-Regierungsrat Reto Wyss. Ein Entscheid, der Wismer geärgert hat, war die Auslagerung der Musikschulen von den Gymnasien an die Gemeinden wegen der Aufgaben- und Finanzreform 2018. «Dieser Entscheid war falsch und hat mich beschäftigt. Gewisses lasse ich manchmal zu nahe an mich ran», resümiert sie.

Wo sie nun als Nationalrätin Schwerpunkte setzen will, sei abhängig von der Zuteilung der Kommission. «Als Neuling kann ich kaum auswählen. Ich bin aber überzeugt, dass jedes Thema spannend ist, wenn man sich länger damit beschäftigt.» Fakt sei, dass ihr die Bildungs-, Landwirtschafts- und die Energiepolitik besonders am Herzen liegen. «Diese haben einen grossen Bezug zu meinem eigenen Leben.» Dass Wismer nicht nur darüber redet, sondern auch umsetzt, zeigt sich bei den erneuerbaren Energien. Vor zehn Jahren installierte sie mit Mann Roland auf dem ersten Dach des Bauernhofs Photovoltaikanlagen, inzwischen sind alle Dächer damit ausgerüstet. «Da es auch in den Wintermonaten nachhaltige Energie braucht, planen wir auf dem Stierenberg drei Windräder. Wir wollen unseren Kindern keine Altlasten überlassen», betont sie. Derzeit liegt das Dossier zur Vorprüfung beim Kanton.

Priska Wismer freut sich über den gestiegenen Frauenanteil in Bern. «Wir Frauen müssen kandidieren, dann werden wir auch gewählt.» Von Quoten hingegen halte sie nichts.

Plakate mit Kuh und Sturmfrisur fielen auf

Bei Wismers auf dem Stierenberg wird regelmässig am Familientisch politisiert – «auch wenn sich nicht alle Mädchen gleich gerne mit Politik beschäftigen». Sie selber sei vor allem durch ihren Vater, der zwar kein politisches Amt ausübte, aber sehr interessiert war, oder ihren Onkel, der im Grossrat sass, politisiert worden. Mit einem Schmunzeln meint die CVP-Frau: «Dieses Haus hier ist eigentlich ein liberales.» Sie verweist auf die ehemalige Parteizugehörigkeit ihres Mannes, der für die FDP in der Schulpflege sass. Dies hinderte ihn nicht daran, seine Frau im Wahlkampf tatkräftig zu unterstützen. «Während dreier Wochen hat er in fast allen Gemeinden Plakate gestellt.» Wismers Plakate, die sie unter anderem eine Kuh küssend oder mit Regenschirm und Sturmfrisur zeigten, fielen auf. «Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen dazu erhalten. Auch wenn mein Schwiegervater zuerst meinte, dass ich mich doch nicht so zeigen kann.»

Der Familienzusammenhalt ist Wismer, welche im Dezember erstmals Grossmutter wird, besonders wichtig. Sie kann auch auf eine gewisse Entlastung durch ihre Kinder und Schwiegereltern zählen, wenn sie während der dreiwöchigen Session jeweils in Bern weilen wird.

«Wir werden uns jetzt organisieren müssen. Das wird schon eine Herausforderung.»

Künftig werde sie daher auf Stellvertretungen an Schulen verzichten und einige Aufgaben abgeben. «Das Singen aber ist mir heilig.» So wird es auch künftig Auftritte mit dem Familienchor Wismer geben, und Priska Wismer will weiterhin im Jodlerchörli Geuensee mitsingen. Nun wartet aber vor allem die nationale Polit-Bühne auf die Rickenbacherin.