Die Pulte erinnern noch an den Schulunterricht. Demnächst wird auch dieser Raum im Gebäude der Schule S&Co. zum Atelier. (Bilder: Patrick Hürlimann, Ebikon, 18. November 2019)

Die Pulte erinnern noch an den Schulunterricht. Demnächst wird auch dieser Raum im Gebäude der Schule S&Co. zum Atelier. (Bilder: Patrick Hürlimann, Ebikon, 18. November 2019)

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Ebikoner Schulhaus wird zum Gross-Atelier

Die Privatschule S&Co. in Ebikon hat zu viele Räume. Nun vermietet sie ein ganzes Stockwerk an 43 freischaffende Künstler. Für beide Parteien ist es eine Win-win-Situation.

Beatrice Vogel
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Im obersten Stockwerk der Privatschule SchülerIn & Co. GmbH in Ebikon – kurz S&Co. – ist einiges im Umbruch. Umzugskisten stehen herum, manche Räume sind leer, andere schon fast vollständig eingerichtet. Derzeit entstehen in den Schulräumlichkeiten Ateliers. 43 freischaffende Künstler, die sich auf sieben Ateliers verteilen, beziehen hier ihren neuen Arbeitsplatz.

Die Schule S&Co. (ehemals Rey-Schule) vermietet ein Stockwerk an Freischaffende. Noch sind nicht alle Ateliers bezogen. (Bilder: Patrick Hürlimann, Ebikon, 18. November 2019)
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Der Umzug läuft, die Einrichtung sieht teils noch etwas spärlich aus.
Unter den Mietern sind hauptsächlich Illustratoren, Grafiker und Künstler.
Andreas Kiener, Illustrator aus Luzern, ist Präsident des Vereins «Grosse Pause», der die Räume von der Schule mietet.
In allen Ateliers stehen ausgestopfte Tiere. Sie sind ein Überbleibsel der Schule und werden nicht mehr für den Unterricht benötigt.
Auch die «Grosse Pause» macht einmal Pause – dafür trifft man sich gern zum «Töggele».

Die Schule S&Co. (ehemals Rey-Schule) vermietet ein Stockwerk an Freischaffende. Noch sind nicht alle Ateliers bezogen. (Bilder: Patrick Hürlimann, Ebikon, 18. November 2019)

Die Schule S&Co. befindet sich in Ebikon direkt an der Grenze zur Stadt Luzern. Sie wurde 2018 gegründet und übernahm die Lernenden von der Rey-Schule, die damals ihren Betrieb einstellte. «Der Grossteil des zweiten Obergeschosses wird seit rund 15 Jahren nicht mehr benutzt, weshalb wir uns entschieden haben, dieses Stockwerk zu vermieten», sagt Mischa Boesiger, Co-Schulleiter der S&Co. Bereits seit einer Weile ist auch das Tanzstudio TanZdas in zwei Räumen im ersten Stock eingemietet. Auf das Miet-Inserat haben sich laut Boesiger auch Personen gemeldet, die Lagerräumlichkeiten suchen. «Wir wollten aber ein belebtes Schulhaus.» So habe sich die Atelier-Vermietung ergeben.

Die Freischaffenden – darunter Illustratorinnen, Grafiker, eine Tätowiererin und ein Schneider – haben sich als Mieter im Verein «Grosse Pause» formiert. Vereinspräsident ist Andreas Kiener, der zusammen mit Anja Wicki und Luca Bartulovic ein Atelier belegt. Die drei Illustratoren sind Herausgeber des Luzerner Comic-Magazins Ampel. «Wir hatten in den letzten Jahren kein gemeinsames Atelier und wollten wieder enger zusammenarbeiten», sagt Kiener. Die Schulräume kämen deshalb wie gerufen.

Andreas Kiener und Anja Wicki vom Ampel-Magazin in ihrem Atelier.

Andreas Kiener und Anja Wicki vom Ampel-Magazin in ihrem Atelier.

Sich auf das Inserat gemeldet hat sich ursprünglich auch das Atelier Kanapé. Die 14 Personen haben sich die letzten Jahre ein Atelier an der Güterstrasse geteilt. Der Güterschuppen wird jedoch schon bald für die Rösslimatt-Überbauung der SBB abgerissen, kürzlich haben die Mieter die definitive Kündigung erhalten. «Weil wir wussten, dass wir nicht mehr lange an der Güterstrasse bleiben können, haben wir intensiv nach neuen Räumlichkeiten gesucht», sagt Line Rime vom Atelier Kanapé. Für 14 Personen ein Atelier zu finden, sei nicht ganz einfach. Nun teilen sie sich den grössten Raum im obersten Schulhaus-Stockwerk, der bereits gemütlich eingerichtet ist.

Illustratorin Line Rime im neuen Atelier Kanapé.

Illustratorin Line Rime im neuen Atelier Kanapé.

Die Freischaffenden im Umfeld von Kunst und Kultur in Luzern sind gut vernetzt: Man kennt sich, auch von der Kunsthochschule. Und viele von ihnen sind auf der Suche nach zahlbaren Ateliers. «Es war einfach, so viele Leute zusammenzubringen», sagt denn auch Andreas Kiener. So wird auch ein Atelier von mehreren Personen bezogen, die erst im Sommer ihren Abschluss an der Hochschule Luzern – Design & Kunst gemacht haben.

Wer nun glaubt, dass mit so vielen Künstlerinnen und Künstlern auf einem Raum Chaos herrscht, der irrt. Die bereits eingerichteten Ateliers sind ordentlich aufgeräumt. Damit die Miete zuverlässig gezahlt werden kann, gibt es für jedes der sieben Ateliers einen Verantwortlichen, der die Kostenverteilung regelt. So ist auch jedes Atelier selbst für Aus- und Zuzüge zuständig, manche haben innerhalb ihrer Gruppe Untermietverträge abgeschlossen. Für alles Organisatorische wurden zudem «Ämtli» unter den Vereinsmitgliedern verteilt.

Alles ist klar geregelt: Der «Leer-Raum» steht für Projekte zur Verfügung, muss aber reserviert werden.

Alles ist klar geregelt: Der «Leer-Raum» steht für Projekte zur Verfügung, muss aber reserviert werden.

Zu den Ateliers sagt Schulleiter Mischa Boesiger: «Wir freuen uns sehr über die sympathische Gruppe von Freischaffenden. Die Zusammenarbeit mit ihnen hat sich von Anfang an gut angefühlt.» Das Gebäude erhalte dadurch eine vielfältige Nutzung, aus der Synergien entstehen. So ist angedacht, dass die Illustratoren und Künstlerinnen dereinst Kurse für die Schüler anbieten. Sobald alle eingezogen sind, soll es zudem einen Tag der offenen Tür geben.