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Pro Senectute braucht neue Geldquelle

Die Sozialberater von Pro Senectute des Kantons Luzern leisten immer mehr Arbeit, die finanziell nicht gedeckt ist. Deshalb nimmt die Organisation nun die Gemeinden in die Pflicht – doch gewisse sträuben sich.
Evelyne Fischer

Franken: So gross war das Loch, das die Pro Senectute des Kantons Luzern letztes Jahr bei der Finanzierung der Sozialberatung stopfen musste. Dazu geführt hat unter anderem die demografische Entwicklung: Mit der Bevölkerung, die stets wächst und älter wird, steigt auch die Zahl der Beratungen. Mit dem Erreichen des AHV-Alters weisen Sozialberatungszentren wie auch fast alle kommunalen Sozialdienste ihre Klienten an Pro Senectute weiter.

Deren Sozialberater helfen Senioren etwa beim Beantragen von Ergänzungsleistungen oder Prämienverbilligungen, aber auch beim Umzug ins Heim. «Pro Jahr werden mehr als 2700 Einzelpersonen und Paare beraten», sagt Ruedi Fahrni, Geschäftsleiter von Pro Senectute. «Meist geht es um Unterstützung in finanziellen Belangen.» Über das Anzapfen von Drittmitteln könne etwa ein Mietzinsdepot übernommen oder ein Zustupf ans ÖV-Abonnement geleistet werden. «Unsere Sozialberater beugen mit ihrer Arbeit zugleich problematischen Entwicklungen vor und bewahren Gemeinden vor unnötigen Kosten wie wirtschaftlicher Sozialhilfe.» Die Summe dieser sogenannten individuellen Finanzhilfe belaufe sich kantonsweit auf eine Million Franken.

Luzern, Emmen und Kriens hatten bereits Verträge

Bisher wurde die Sozialberatung mit Bundesmitteln, Spendengeldern und einem Beitrag des Zweckverbands für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung (Zisg) – an den auch Gemeinden zahlen – gedeckt. Hinzu kamen Leistungsvereinbarungen mit Luzern, Emmen und Kriens, wo mit 1400 Personen rund die Hälfte aller Klienten lebt. Weil sich der Zisg künftig nicht mehr an der Sozialberatung beteiligt und die Finanzierung durch die drei Leistungsverträge nicht mehr zeitgemäss war, musste Pro Senectute handeln. «Wir brauchten eine neue, transparente Lösung», sagt Fahrni. «Es geht hier auch um Gleichbehandlung gegenüber den drei grössten Luzerner Gemeinden.»

Drei Gemeinden sind skeptisch

Von den 83 Luzerner Gemeinden haben Meggen, Gettnau und Alberswil keine Leistungsvereinbarung mit Pro Senectute abgeschlossen. «Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung fehlten uns Daten und Statistiken, um den finanziellen Umfang prüfen zu können», begründet Sozialvorsteher Olivier Class den Entscheid von Meggen, die Beratung für Senioren vorläufig weiterhin durch kommunale Sozialarbeiter abzudecken. «Die Daten der ersten fünf Monate werden nun analysiert und mit Pro Senectute abgeglichen. Danach wird Meggen für 2019 die Unterzeichnung der Leistungsvereinbarung erneut prüfen.» Für «überregionale Dienstleistungen» seien solche Verträge «oft sehr sinnvoll», sagt Gemeinderat Olivier Class. Es müsse aber «kritisch hinterfragt werden, ob eine externe Organisation wie Pro Senectute zur kommunalen Situation betreffend Wohnraum, Spitex oder stationärer Pflege Antworten erteilen kann».

Aufgrund ähnlicher Bedenken ist Buttisholz erst nach Zögern eingeschwenkt. «Für uns stimmte zunächst das Verhältnis von Preis und Leistung nicht», sagt Gemeindepräsident Franz Zemp. 7500 Franken hätte Buttisholz nach einer ersten Berechnung zahlen müssen. «Konkrete Auswertungen haben dann aber gezeigt, dass externe Beratungen praktisch nicht in Anspruch genommen werden.» Das habe sich «positiv» auf die Neuberechnung ausgewirkt, sagt Zemp, ohne näher darauf einzugehen. Die Vereinbarung sei ein «Solidaritätswerk», das mithilft, die Dienstleistung aufrechtzuerhalten. «Wir waren und sind aber noch immer überzeugt, mit der Altersarbeit in der Gemeinde auf gutem Wege zu sein. Daher soll sie auch weiterhin die erste Anlaufstelle sein.»

Thomas Lehmann, Sozialdirektor von Emmen, hat als Vertreter des Verbands der Luzerner Gemeinden in der Projektgruppe mitgearbeitet. Die Kritik an den Kosten kann er ein Stück weit nachvollziehen. «Über Beiträge an den Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung haben sich die Gemeinden zwar schon heute an der Mitfinanzierung beteiligt. Luzern, Emmen und Kriens, die bereits Leistungsvereinbarungen besassen, sogar doppelt. Die Gemeinden kannten jedoch die effektiven Kosten nicht. Daher ist das neue System transparenter und gerechter.» Bei Pro Senectute sei das Know-how in allen Belangen rund ums Alter gebündelt. «Es macht Sinn, dass davon alle Gemeinden profitieren können. Und dies auf einer kostengünstigen Basis.» Entscheide sich eine Gemeinde gegen die Vereinbarung, habe sie die Dienstleistungen selber zu erbringen. «Dazu ist sie per Gesetz verpflichtet.» (fi)

"Es muss hinterfragt werden, ob eine externe Organisation wie Pro Senectute zur kommunalen Situation Antworten erteilen kann" - Olivier Class, Sozialvorsteher Meggen

Neu sollen nun Leistungsvereinbarungen mit allen Gemeinden abgeschlossen werden. Eine Kurzberatung bis maximal 3,5 Stunden pro Einwohner ist damit weiterhin kostenlos und wird künftig mit Bundes- und Spendengeldern finanziert. Alles, was darüber hinaus geht, soll über Beiträge des Bundes und der Gemeinden gedeckt werden. Pro Beratungsstunde, die 140 Franken kostet, hat sich eine Gemeinde künftig mit 78 Franken zu beteiligen. Für die Gemeinde Adligenswil beispielsweise, die im Schnitt 109 Beratungsstunden pro Jahr bezieht, heisst dies: 31 Stunden werden gratis erbracht, 78 verrechnet. Kostenpunkt: rund 6000 Franken. «Zugleich profitiert die Gemeinde im Schnitt von jährlich 8000 Franken, die als individuelle Finanzhilfe für bedürftige Senioren erschlossen werden konnten», sagt Fahrni.

80 Gemeinden machen voraussichtlich mit

Derzeit haben 78 Gemeinden die Vereinbarung rückwirkend per 1. Januar unterzeichnet. Wikon und Malters dürften demnächst noch folgen (siehe Kasten). «Dies entspricht 96,4 Prozent der Gemeinden und ermöglicht 98 Prozent der Bevölkerung im AHV-Alter weiterhin den Zugang zur Sozialberatung von Pro Senectute», sagt Stefan Brändlin, Projektleiter des Luzerner Modells 65 plus von Pro Senectute.

Brändlin hat die sechsköpfige Projektgruppe geleitet, die das Finanzierungsmodell entwickelt hat. Zu dieser gehörten SVP-Kantonsrätin Angela Lüthold (Nottwil), Thomas Lehmann, Sozialdirektor von Emmen, als Vertreter des Verbands der Luzerner Gemeinden, sowie Experten aus der Sozialberatung, der Ökonomie und dem Vertragswesen.

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