«Problem-Gipfel» der Fasnächtler findet statt

Die Einladungen wurden am Aschermittwoch verschickt - das Gipfeltreffen ist aufgegleist. Ziel: Auch kleine Gruppen sollen in Sachen Lozärner Fasnacht mitreden.

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Silvio Panizza, Initiant Fasnachtsgipfel. (Bild: Eveline Bachmann/Neue LZ)

Silvio Panizza, Initiant Fasnachtsgipfel. (Bild: Eveline Bachmann/Neue LZ)

Depotgebühr, Vignetten für Fasnachtswagen oder intensivierte Kafi-Schnaps-Kontrollen – diese Themen haben bei vielen Fasnächtlern schon bevor es losging für Kopfschütteln gesorgt. Das Depot für Wegwerfgeschirr ist auch nach den rüüdigen Tagen umstritten geblieben, die Vignetten und die Kafi-Patrouillen kamen gar nicht erst zum Einsatz.

Damit «Megaflops» – wie Silvio Panizza, Herausgeber des «Rüüdigen Fasnachtsfüerers», das Depotsystem bezeichnet – nicht mehr als Schnellschuss von der Stadt durchgeboxt werden, wird jetzt ein Fasnachtsgipfeltreffen ins Leben gerufen. Initiant Panizza hat bereits im November die Idee aufgeworfen, eine Art «G-20-Gipfel» der Fasnacht zu gründen.

Probleme in Ruhe diskutieren

Just am Aschermittwoch hat der Ur-Fasnächtler nun also Einladungen an verschiedene grosse und kleinere Zünfte und Organisationen und Vertreter der Stadt verschickt. Am 9. April wird der 1. Lozärner Fasnachtsgipfel im grossen Saal des Hotels Anker, Luzern, stattfinden. «Ziel des Gipfels ist, dass man nach der Fasnacht verschiedene Probleme, die während der rüüdigen Tage aufgetreten sind, in Ruhe untereinander diskutieren kann», erklärt Panizza auf Anfrage seine Idee.

Auf der Traktandenliste stehen unter anderem folgende Punkte.

Vignette
Depotgebühr
Gebühren für Getränke an Wagen
Sperrung Reusssteg
Brauchtum «Intrigieren» fördern

Panizza schätzt oder hofft, dass zwischen 20 und 50 Personen der Einladung folgen werden. Die Kult-Ur-Fasnächtler werden auf jeden Fall vertreten sein, wie deren Präsident Seppi Fässler sagt: «Ich werde sicher hingehen und zuhören, was da geredet wird.» Er sei gespannt, ob man etwas auf die Beine stellen könne. Auch Vertreter der Vereinigung Luzerner Maskenfreunde werden daran teilnehmen. «Natürlich sind wir als kleinere Gruppe interessiert. Wir sind mit einigen Situationen an der heutigen Fasnacht auch nicht so glücklich», sagt Spitzwart Alois Häcki.

Vorfreude herrscht beim Lozärner Fasnachtskomitee LFK. «Wir sind mit offenem Herzen und Geist dabei. Bis jetzt wurde viel theoretisch und ins Blaue geplant. Nun sind die Probleme sichtbar und die Erfahrungen eindeutig», sagt LFK-Sprecher Andréas Härry. Die Emotionen seien verflogen. Jetzt könne man über Fakten reden. Es könne, so Härry, richtig fruchtbar werden – «solange es ein offenes Forum bleibt und nicht eine neue Fasnachtsorganisation werden soll. Das brauchts nämlich definitiv nicht.»

Fasnächtler in der Mehrheit

Der Fasnachtsgipfel will die Fasnacht laut Silvio Panizza nicht neu erfinden. «Es werden auch keine Entscheidungen getroffen», sagt er. Man wolle einzig miteinander diskutieren, Meinungen entgegennehmen, allenfalls Konsultativ-Abstimmungen vornehmen und die Erkenntnisse an die verantwortlichen Stellen weiterleiten.

Im Gegensatz zu den seit einigen Jahren stattfindenden Runder-Tisch-Gesprächen der Stadtbehörden, Sicherheitskräfte und Gewerbetreibenden sind am Fasnachtsgipfel die Fasnächtler in der Mehrheit. Somit können deren Interessen breit thematisiert werden. Dennoch sollen auch Vertreter des Stadtrats und/oder der Stadtverwaltung dabei sein. Wer genau, das ist derzeit noch nicht klar, hiess es auf Anfrage.

Zwei Mal jährlich?

Eine Idee Panizzas ist, dass ein Fasnachtsgipfel im Frühling und ein weiterer im Herbst stattfindet. «Nach der Fasnacht sind die Themen noch heiss. Aber je mehr Zeit vergeht, desto weniger brennen die Themen und sind mangels Aktualität weniger wichtig», sagt er. Wenn aber im Herbst die Themen neu aufgenommen würden, könnte man sich rechtzeitig Gedanken machen und vernünftige Lösungen ausarbeiten.

Daran sollen übrigens nicht nur die eingeladenen Zünfte und Organisationen mitarbeiten, sondern auch kleinere Gruppierungen und Fasnächtler, die aktiv an der Lozärner Fasnacht beteiligt sind und diese bereichern. «Jeder Fasnächtler ist dazu eingeladen, jederzeit an mich eine Eingabe via E-Mail (panizza@hispeed.ch) zu machen – bis spätestens am 4. April», so Panizza.

Er selber ist der Vorsitzende des Fasnachtsgipfels. Dass Silvio Panizza gleichzeitig Mitglied der Zunft zu Safran ist, sieht er nicht als Problem. «Ich bin in der Eigenschaft als Vorsitzender neutral, das bin ich auch als Herausgeber des ‹Fasnachtsfüerers›.»

Roger Rüegger