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Kanton Luzern reagiert auf Hilferuf der Sportvereine

Die Bereitschaft für Freiwilligenarbeit sinkt, die Vereine verlieren immer mehr Leiter im Nachwuchsbereich. Der Kanton Luzern gibt nun Gegensteuer – mit einer neuen Ausbildung für 14- bis 18-Jährige.
Stephan Santschi
Ein «1418coach»-Kurs im Kanton Zürich, an welchem man sich in Luzern orientiert. (Bild: PD)

Ein «1418coach»-Kurs im Kanton Zürich, an welchem man sich in Luzern orientiert. (Bild: PD)

Die Problematik ist bekannt: Seit über 20 Jahren nimmt in der Schweiz die Zahl der Sportvereine ab. Gab es im Jahr 1996 noch über 27000, waren es 2016 weniger als 20'000 – dies errechnete das nationale Observatorium für Sport und Bewegung vor zwei Jahren in einer Studie. «Die Hauptsorgen sind die Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften und ­Ehrenamtlichen», sagte damals der Sportsoziologe Markus Lamprecht zu unserer Zeitung. Seine Begründung: «Ab 12 Jahren treten Kinder vermehrt aus dem Vereinssport aus. Sie werden schulisch und beruflich stärker gefordert, erkunden ihre neuen Freiheiten, möchten mit Kollegen zusammen sein.»

Potenzielle Ehrenamtliche und damit die künftigen Träger der Klubs gehen so verloren. Der Kanton Luzern hat nun auf diese negative Entwicklung reagiert und lanciert ab 2020 das Projekt «1418coach». Hierbei handelt es sich um eine zweitägige Hilfsleiterausbildung für 14- bis 18-Jährige. Auf diese Weise soll eine Lücke in der Förderung des Leiternachwuchses geschlossen werden, da eine J+S-Leiterausbildung erst ab 18 Jahren möglich ist. «Einerseits wird sportartspezifisches Wissen vermittelt. Andererseits kommt es zum Aufbau der Leiterpersönlichkeit, wenn zum Beispiel erklärt wird, wie man vor eine Gruppe treten sollte», erklärt Caroline Hodel, Projektleiterin von «1418coach».

«Endlich kommt dieses Angebot auch in Luzern»

Sie hatte sich vorgängig nach dem Bedarf erkundigt und erhielt von rund 700 J+S-Leitenden ein überwältigendes Feedback: «Überall besteht Leitermangel. Im Alter zwischen 14 und 18 Jahren treten überdurchschnittlich viele Jugendliche aus Sportvereinen aus. 87 Prozent der Vereine zeigen deshalb grosses Interesse an unserem neuen Projekt.» Besonders prekär sei die Situation im Turnen, Geräteturnen, in der Leichtathletik, sowie im Fussball, Handball und Volleyball.

Der Kanton Luzern orientiert sich am Vorbild Zürichs, das dieses Programm seit vier Jahren anbietet und damit sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Bisher wusste man sich mancherorts in Luzerner Vereinen mit internen Weiterbildungen zu helfen oder man schickte Jugendliche an bereits bestehende Hilfsleiterkurse in Zug, Nidwalden oder der Sport Union. Nicole Luternauer, die im Ski-Club Luzern und im BMX-Verein «SpeedPower Luzern/Littau» gleich doppelt als J+S-Leiterin engagiert ist, sagt:

«Genial, dass dieses Angebot nun endlich auch in Luzern kommt. Es ist wirklich nötig.»

Für sie ist klar: «Egal, wo Sie nachfragen, das Problem ist überall gleich gross. Freiwilligenarbeit wird immer weniger geleistet, die Jugendlichen sind nicht mehr bereit, sich regelmässig und gratis zur Verfügung zu stellen.» Oft gewähre nur noch ein harter Kern das Verschwinden von Traditionsklubs.

Diplom und kleiner Entgelt sorgen für Wertschätzung

Ähnlich sieht es Thomas Furrer, der im STV Rickenbach für das Kunst- und Geräteturnen zuständig ist. «Es geht nun darum, die Jugendlichen vor dem Eintritt in die Lehre abzuholen. Ihnen muss ein Anreiz geboten werden, damit sie als Ehrenamtliche im Klub bleiben.» Im letzten Frühling habe man fünf Mitglieder an den «1418coach» nach Zug entsendet, die Rückmeldungen seien positiv gewesen. Und Martin Suter, der Präsident des TV Inwil, hält fest: «Bei uns helfen im polysportiven Bereich Eltern aus, in der Leichtathletik ist das jedoch schwieriger. Dort soll für jugendliche Helfer auch finanziell etwas herausschauen.»

Ein kleiner Entgelt ist im Projekt «1418coach» des Kantons Luzern denn auch vorgesehen, sichergestellt durch Gelder aus dem Swisslos-Sportfonds. Über konkrete Zahlen kann Hodel von der Sportförderung des Kantons Luzern noch keine Auskunft erteilen, weil «das Umsetzungskonzept noch in Erarbeitung ist. Die Entschädigung wird sich an der Handhabung in anderen Kantonen orientieren.» In Zürich gibt es für den Hilfsleiter pro Wettkampf fünf Franken, pro Training sieben und pro Lagertag zehn Franken. Caroline Hodel sagt:

«Auf diese Weise und mit dem Diplom, das den Teilnehmenden nach dem Kurs überreicht wird, erhalten sie Wertschätzung und Selbstvertrauen.»

Hilfsleiter haben unterstützende Funktion

Im Vereinsalltag können sie mit dem erworbenen Wissen dann unterstützende Funktionen einnehmen, «die Hauptverantwortung tragen aber weiterhin erfahrene J+S-Leitende, die als Göttis oder Gottis die ‹1418coaches’ begleiten», so Hodel. Geplant seien im nächsten Jahr drei Kurswochenenden für total rund 90 Interessierte. Anmelden könne man sich voraussichtlich ab dem kommenden Herbst.

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