PROJEKT: Luzerner Lehrlinge unterrichten in Sri Lanka

Elektronik-Schulung neben Tuk-Tuk-Fahren und scharfem Curry: Luzerner Berufsschullehrlinge erlebten ein besonderes Hilfsprojekt.

Dominik Weingartner
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Der Elektroinstallateur-Lehrling Mike Leu aus Luzern unterrichtet in Sri Lanka junge Tamilen. (Bild: PD)

Der Elektroinstallateur-Lehrling Mike Leu aus Luzern unterrichtet in Sri Lanka junge Tamilen. (Bild: PD)

«Ich hätte nicht gedacht, dass man in Sri Lanka so gute Werkzeuge hat», sagt Fabian Wicki aus Wolhusen. Er ist einer von fünf Elektroinstallateur-Lehrlingen im vierten Lehrjahr von der Berufsschule Luzern, die seit Ende September im Rahmen eines Schulprojekts in Sri Lanka weilen. Sie helfen dort bei der Ausbildung einheimischer Elektroinstallateure. Begleitet werden sie von ihrem Lehrer Adrian Wirz, der das Projekt initiiert hat und während eines Jahres für die Entwicklungshilfeorganisation Stiftung Tamils Aid (STA) in Sri Lanka ein Berufsbildungsangebot aufbaut.

In dem von einem 26-jährigen Bürgerkrieg gebeutelten Inselstaat ist es vor allem die tamilische Minderheit, die von Armut betroffen ist. Ausbildung soll ihnen dabei helfen, ihre Existenz zu sichern. Mit dabei vor Ort sind zurzeit auch zwei weitere Lehrer der Berufsschule Luzern, Reto Lampart und Felix Herger, sowie Adrian Wirz’ Ehefrau Amanda Hunkeler.

Start in einstiger Rebellenhochburg

Die fünf Luzerner Lehrlinge starteten in der einstigen Rebellenhochburg Kilinochchi im Norden der Insel mit der Ausbildung ihrer angehenden sri-lankischen Berufskollegen. «Wir haben auf Englisch kommuniziert», erzählt Cédric Dillier aus Sursee auf unsere Video-Telefonie-Anfrage per Skype. Übersetzer hätten dann das Gesagte wenn nötig ins Tamilische übersetzt. «Der Unterricht ist sehr gut verlaufen», sagt Cédric.

«Die Schüler haben bestens mitgemacht», bestätigt Mike Leu aus Luzern. «Sie waren extrem motiviert und lernwillig.» Einige der einheimischen Schüler hätten zwar teilweise schon vorher praktische Erfahrung gehabt; Theoriewissen sei allerdings bei allen so gut wie nicht vorhanden gewesen. Doch auch Haarsträubendes haben die Lehrlinge in Sri Lanka gesehen wie etwa Sicherungskästen ohne Abdeckung.

Um den Unterricht gut gestalten zu können, besuchten die fünf Luzerner Lehrlinge im Vorfeld an der Berufsschule Luzern einen Englisch-Intensivkurs. Sie gehören zudem einer sogenannten Bi-Li-Klasse an. Bei dieser Schulform wird ein Drittel des Berufsschulunterrichts im Fach Allgemeinbildung auf Englisch erteilt. Ihr Lehrer Adrian Wirz war beeindruckt: «Ich staunte, wie gut sie auf Englisch unterrichten konnten.»

«Sehr grosse Gastfreundschaft»

Wirz ist auch positiv überrascht davon, wie gut die jungen Männer den Kulturschock verkrafteten. «Die Gruppe hat eine sehr gute Dynamik», sagt er. «Obwohl die Armut gross ist, sieht man sie auf den ersten Blick nicht so gut», sagt Benjamin Holubetz aus Buchrain. Er fügt hinzu: «Mir ist die sehr grosse Gastfreundschaft aufgefallen. Das ist anders als in der Schweiz.» Die Einheimischen hätten immer grosse Freude, wenn sie bei ihnen vorbeikämen. «Es fällt schon auf, wenn eine Gruppe aus der Schweiz kommt», sagt dazu Lehrer Adrian Wirz.

Eindrücklicher fremder Alltag

Nach dem Unterricht in Kilinochchi bereiste die Gruppe weitere Orte in Sri Lanka. Sie besuchte dabei auch andere Projekte der Stiftung Tamils Aid wie etwa Kinder-, Alters- und Behindertenheime. «Mir hat die positive Stimmung in den Waisenheimen Eindruck gemacht», erzählt Alexander Schürch aus Rothenburg. «Die Kinder haben sich sehr über unseren Besuch gefreut», fügt er hinzu. Eindruck macht den Lehrlingen auch der fremde Alltag: «Tuk-Tuk fahren, Affen am Strassenrand und scharfes, aber auch sehr feines Curry», sagt Fabian Wicki.

Morgen Sonntag kehren die fünf Luzerner Lehrlinge in die Schweiz zurück. «Es ist eine Erfahrung fürs Leben, die wir aus Sri Lanka mitnehmen können», sagt Mike Leu. Einen Teil dieser Erfahrungen werden die fünf Lehrlinge auch für ihre Abschlussarbeit für die Lehre nutzen können. Fabian, Alexander und Mike werden Kinderheime in der Schweiz und in Sri Lanka vergleichen und darüber eine Arbeit schreiben. Cédric und Benjamin machen den Vergleich zwischen den Berufsschulen in der Schweiz und in Sri Lanka.

Projekt soll wiederholt werden

Adrian Wirz möchte das Projekt im nächsten Jahr ausbauen. Dann soll wieder eine Gruppe Berufsschüler aus Luzern nach Sri Lanka reisen und angehende Berufskollegen unterrichten. «Es wäre aber super, wenn man das Projekt für das nächste Jahr auf drei Wochen ausdehnen könnte», sagt Wirz.