PROJEKT: Senioren kochen für Kinder und Jugendliche

Ältere schenken jüngeren Menschen Zeit, Erfahrung – und ein feines Mittagessen. Die Idee dazu hatten Studenten.

Hugo Bischof
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Die Senioren-Köchin Antoinette (Toni) Walker mit den zufriedenen Essern Noemi, Gabriella, Beyoncé (von links) beim Mittagessen. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Die Senioren-Köchin Antoinette (Toni) Walker mit den zufriedenen Essern Noemi, Gabriella, Beyoncé (von links) beim Mittagessen. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Diesen Mittwoch war beim Mittagstisch des Schulhauses Moosmatt am Neuweg 10 alles etwas anders. Die zwei Betreuerinnen erhielten beim Vorbereiten und Kochen des Mittagessens für die rund 20 Schülerinnen und Schüler Hilfe von vier Bewohnern der Alterssiedlung Guggi. Die zwei Seniorinnen Beatrice Mattmann und Antoinette (Toni) Walker und die beiden Senioren Norman Stoll und Noldi Röthlin legten sich am Herd gekonnt ins Zeug. Zuvor hatten sie liebevoll den Raum dekoriert.

Besuch in der Altersheim-Cafeteria

Lanciert hat die Aktion ein Team von vier Studentinnen und einem Studenten der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern, unter ihnen Roger Bürli (33). Er erzählt: «Es ist eine Projektarbeit zum Thema Alter im Rahmen unseres dritten Studienjahrs.» Um Teilnehmer für ihr Projekt zu gewinnen, gingen sie in die Cafeteria der Alterssiedlung Guggi und sprachen mit den Leuten. Mit Erfolg. «Vier Bewohner entschieden sich, mitzumachen», sagt Bürli. Die Betreuung Neuweg wählten sie als Partner, da eine der Studentinnen dort einst ein einjähriges Praktikum gemacht hatte.

Der erste Mittagstisch im Neuweg mit Seniorinnen und Senioren der Alterssiedlung Guggi fand im Februar dieses Jahres statt. «Es war ein voller Erfolg», sagt Bürli. «Sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Senioren waren begeistert.» Auch Heinz Brunner, Betreuungsleiter im Neuweg, zieht eine positive Bilanz: «Die Kinder und Jugendlichen gingen sehr offen auf die älteren Personen zu, das Treffen war geprägt von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung.» Er sei auch überrascht gewesen, «mit welch grosser Kreativität die Senioren den Raum dekorierten und das Essen zubereiteten», betont Brunner.

«Gegenseitige Achtung»

Ziel des Projektes sei es, «junge und ältere Menschen zusammenzubringen», so Brunner: «Davon können beide profitieren. Die jungen Menschen lernen von der Erfahrung und den erworbenen Fähigkeiten der Senioren; für diese wiederum ist es eine Möglichkeit, wieder im Leben zu stehen und der drohenden Einsamkeit zu entfliehen.» Es mache in unserer heutigen langlebigen Gesellschaft «immer mehr Sinn, dass ältere Menschen ihre Erfahrung und ihr Wissen jüngeren Generationen weitergeben, anstatt dass dieses einfach brachliegt». Die Aufwendungen für die Organisation des Projekts werden durch Sponsoren und Freiwilligenarbeit gedeckt.

Zum Essen gabs diesmal «Sheperd’s Pie», eine Spezialität aus Kartoffeln, Hackfleisch und Gemüse. «Den Kindern mundete es vorzüglich», sagt Brunner.

Weitere Mittagstische für Kinder mit Senioren sind von den Studenten der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern nicht geplant. «Wir sind aber sehr daran interessiert, dass das Projekt weitergeführt wird, und möchten es nun in andere Hände geben», sagt Roger Bürli. Sie seien dazu bereits im Gespräch mit der Altersorganisation Pro Senectute sowie der Alterssiedlung Guggi. Bürli: «Es braucht für ein solches Projekt eine feste Struktur und fixe Ansprechpartner.» Auch Heinz Brunner möchte, dass das Projekt weitergeht: «Wichtig ist, dass es nicht nur sporadisch stattfindet. Es soll vorbereitet und fachlich begleitet werden, damit es allen Beteiligten positive Erlebnisse schafft.» Mit Vertretern der Pro Senectute wird es demnächst ein Gespräch geben. Pro-Senectute-Sprecher Stefan Brändlin betont: «Wir werden das sicher anschauen und genau prüfen.»

Erfahrung aus erster Hand

Nach dem Mittagstisch diesen Mittwoch fand die Begegnung zwischen Jung und Alt unter dem Motto «Auf hoher See» eine Fortsetzung. Die Kinder und Jugendlichen gingen gemeinsam mit den Senioren auf das SGV-Motorschiff «Brunnen» auf dem Vierwaldstättersee. Einer der Senioren war früher als Seemann zwölf Jahre auf hoher See gefahren. Er konnte so den Kindern und Jugendlichen allerhand Spannendes aus erster Hand erzählen. So geht Erfahrung wie selbstverständlich von einer Generation zur nächsten weiter.