PROJEKT: Weggis setzt auf See-Energie

Die Korporation Weggis will aus Seewasser Wärme gewinnen und dafür drei Millionen investieren. Dereinst könnte die halbe Gemeinde davon profitieren.

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Morgensonne in Weggis. (Bild: Leserbild Peach Kälin)

Morgensonne in Weggis. (Bild: Leserbild Peach Kälin)

Yasmin Kunz

Nach Luzern Süd – dem Gebiet zwischen Eichhof, Schlund und dem Horwer Seebecken (Ausgabe vom 1. Dezember) – plant jetzt auch die Korporation Weggis eine Seewasser-Wärmepumpe.

Von der neuen Heizmethode (siehe Box) profitieren könnten die 18 Wohneinheiten, die auf dem Grundstück Spycherweg neu gebaut werden. Gemäss der Korporation Weggis könnten jedoch weitere Liegenschaften folgen. Wie viele Häuser von dieser Heizmethode letztlich Gebrauch machen, ist noch offen. Korporationsverwalter Josef Küttel schätzt, dass man etwa 30 bis 50 Prozent der rund 1300 Weggiser Gebäude an der Seewasser-Wärmepumpe anschliessen wird. «Wie eine Umfrage zeigt, sind die umliegenden Liegenschaftsbesitzer offen für die Seewasser-Wärmepumpe.»

Wärmepumpe schützt Natur

Der Hauptvorteil einer Wärmepumpe liegt darin, dass die fossilen Brennstoffe wie Erdöl, Kohle und Erdgas ersetzt werden und damit die CO2- und Feinstaubimmissionen verhindern. Dieser Umweltaspekt steht bei der Korporation im Fokus. Küttel: «Die Ausbeutung der Natur sowie der Import aus Übersee und Kriegsländern sind nicht mehr zu verantworten und können in den nächsten Jahren zu noch mehr Konflikten führen.» Weiter argumentiert der Korporationsrat damit, dass die Preise für die fossilen Brennstoffe künftig wieder steigen werden.

Derzeit werden in Weggis noch 68,3 Prozent der Wohnbauten mit Öl geheizt, die restlichen 31,7 Prozent verwenden entweder Holz oder Strom. Mit der Umstellung auf die Wärmepumpe kann etwa bei Elektroheizungen drei Viertel des Strombedarfs eingespart werden.

Korporation zahlt 500 000 Franken

Das Umstellen auf die ökologische Variante ist allerdings nicht billig: 3 Millionen Franken kostet die geplante Anlage inklusive Fernleitungsnetz. Am 1. Februar werden die 350 Stimmberechtigten der Korporation Weggis über die Kreditaufnahme von 2,5 Millionen Franken befinden. Den Restbetrag, der unter anderem durch die Anschlussgebühren generiert wird, kann die Korporation selber tragen. Küttel erklärt, dass die Anschlussgebühr je nach Liegenschaft variiert. Er macht ein Beispiel: Für ein Vier- bis Fünf-Familien-Haus muss man für den Anschluss etwa mit einem einmaligen Betrag von 20 000 Franken rechnen. Wer keine Anschlussgebühr zahlen will, kann das. Dann steigen jedoch die Verbrauchskosten.

Die Korporation sieht der Abstimmung in rund zwei Wochen zuversichtlich entgegen. Küttel: «Das Projekt stösst grundsätzlich auf positive Resonanz.»

Baustart für Herbst geplant

Die Firma Cofely AG in Kriens hat bereits letztes Jahr in Immensee SZ eine solche Anlage installiert. Reinhard Imhasly, der Leiter des Projekts, bestätigt, dass man einen Grossteil der Weggiser Gebäude einst mit Energie von der Seewasser-Wärme abdecken könnte. Er räumt aber ein, dass einige Liegenschaften mit Elektroheizung – davon gibt es 222 in Weggis – höhere Investitionskosten tragen müssten als andere. Bei einigen Häusern, die mit einer Einzelraumelektroheizung ausgestattet sind, wäre es nötig, ein Warmwasser-Heizverteilsystem zu installieren.

Zum groben Fahrplan des Baus sagt Imhasly, dass man bei einer Zustimmung voraussichtlich im Herbst 2016 mit dem Bau beginnt. Ab Frühling 2017 könnten die angeschlossenen Gebäude erstmals mit Seewasser-Wärme heizen. Weil Weggis ein Touristenort ist und man während der Hochsaison nicht bauen könnte, kann nicht im Sommer gestartet werden.