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PROJEKT: Zentralschweizer Sturmholz hilft Sturmopfern in der Karibik

Mit Sturmholz aus der Zentralschweiz will der Luzerner Förster Hans-Rudolf Hochuli Sturmopfern in der Karibik helfen. Zu diesem Zweck sammelt er im Internet Geld – und vor Ort Erfahrungen.
Raphael Zemp
Betriebsförster Hans-Rudolf Hochuli hat mit diesem Holz viel vor. (Bild: Nadia Schärli (Geiss, 3. Februar 2018))

Betriebsförster Hans-Rudolf Hochuli hat mit diesem Holz viel vor. (Bild: Nadia Schärli (Geiss, 3. Februar 2018))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

«Hier war unser Haus, und dann war alles weg.» So schildert ein Bewohner des karibischen Inselstaates Dominica lapidar, wie ihm der Hurrikan Maria am 18. September 2017 unvermittelt das Dach vom Kopf fegte. «Alles war weg, Haus, Kleider, Ofen – nichts war mehr.» Mit über 300 Kilometern pro Stunde peitschten Winde über die Insel, zerstörten 6000 Häuser komplett und weitere über 10 000 zumindest teilweise.

Betroffen von den Folgen des Tropensturms sind rund 90 Prozent der über 70 000 Insulaner. «Ganze Dörfer hat der Sturm komplett verschwinden lassen», weiss Hans-Rudolf Hochuli, der bereits einen Augenschein vor Ort genommen hat. «Auch fast ein halbes Jahr danach leben viele Leute noch unter provisorisch aufgespannten Planen.

Projekt aus eigenem Antrieb lanciert

Hochuli ist Betriebsförster und Vorstandsmitglied von Wald Luzern, dem Verband der Luzerner Waldeigentümer. Er ist auch Mitglied im Korps für Humanitäre Hilfe der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und wird als solcher in Notsituationen aufgeboten. Vor allem aber ist Hochuli eine sozial engagierte Person, die Leid aus eigener Initiative bekämpfen will. «Ich habe vieles gesehen, aber was der Hurrikan Maria an Zerstörung zurückgelassen hat, übersteigt alles Bisherige.» Deshalb ist er aktiv geworden, hat das Projekt «Sturm Burglinde hilft Hurrikan-Maria-Opfern» ins Leben gerufen. Seit kurzem sammelt er dafür im Internet Geld, auf einer karitativen Crowdfunding-Seite, wo auch der eingangs erwähnte Inselbewohner in einem Kurzvideo zu Wort kommt. Das Ziel: Spenden in der Höhe von 10 000 Franken.

Dieses Geld soll den sturm­sicheren Rohbau zweier Häuser finanzieren. Weitere 10 000 Franken und somit den Bau zweier weiterer Häuser hat Hochuli schon einmal selbst ins Projekt eingeschossen. Für die Grundkonstruktion will Hochuli Sturmholz aus der Zentralschweiz in die Karibik verschiffen – und damit gleich zwei Fliegen auf einen Schlag treffen: Sturmholz sinnvoll weiterverwenden und Bedürftigen – wortwörtlich – ein Dach über den Kopf zimmern. Geplant ist vorerst die Verschiffung eines Containers, was der Menge von etwa 50 Kubikmetern Rundholz entspricht. Das ist zwar nicht viel und zudem nicht besonders ökologisch, das weiss auch Hochuli.

Denn eigentlich gibt es auf der knapp 750 Quadratkilometer grossen Insel Holz im Überfluss: Mehr als 70 Prozent des Eilands sind bewaldet. Bis dieser Rohstoff aber dereinst genutzt und weiterverarbeitet werden kann, wird es wohl noch Jahre dauern: Eine Holzverarbeitung muss erst noch aufgebaut werden. Das ist denn auch das erklärte Fernziel von Hochuli: «Die Inselbewohner sollen sich in Zukunft selber helfen können.» Bis es so weit ist, will er aber nicht bloss zuschauen und auf später vertrösten, sondern mit den Sturmholzhäusern die grösste Not zumindest ein wenig lindern. «Oder sollen die Leute etwa auf Jahre hinaus in behelfsmässigen Verschlägen hausen?»

Stand letzten Freitagmittag sind bereits 1750 Franken ge­sammelt. Hochuli, «von Haus aus Optimist», ist zuversichtlich, dass auch die restlichen 8250 Franken in den nächsten knapp 40 Tagen noch zusammenkommen. Aber selbst dann sind die Transportkosten für das Holz ebenso wenig gedeckt wie der Ausbau der Häuser. All das wird weitere zehntausend Franken verschlingen – nichts, was Hochuli aus der Ruhe bringen könnte.

Rohbau soll Ende Mai beginnen

Seit einer Woche weilt er auf der sturmgeplagten Insel, sucht nach geeigneten Standorten für «seine» Häuser, gibt den Bau von Fundamenten in Auftrag. Zurück in der Schweiz will er dann den Frachtcontainer bestellen, damit das Holz bis Ende März in die Karibik verschifft wird. Spätestens Ende Mai will er Dominica ein weiteres Mal anfliegen, um in zwei bis drei Wochen die Häuser im Holzrohbau zu errichten. «Ich habe einen verständnisvollen Arbeitgeber», erklärt er, noch bevor man ihn danach hätte fragen können. Unterstützt wird er von zwei, drei jungen Zimmerleuten. «Für sie bestimmt eine unvergessliche Erfahrung, aber auch die lokale Bevölkerung kann vom Know-how der jungen Schweizer profitieren.»

Woher überhaupt rührt dieses grosse Engagement für die so weit entfernten Insulaner? «Eine lange Geschichte», sagt Hochuli, um doch noch eine Erklärung nachzuschieben. Geschuldet ist seine besondere Beziehung zu Dominica letztlich einem puren Zufall. Als Jubiläumsgeschenk bereisten Hochuli und seine Frau vor zwei Jahren die Karibikinsel. Bei einer Wanderung verstauchte sich seine Frau so stark den Fuss, dass sie im nächsten Guesthouse einkehren mussten. Dort entwickelte sich mit der Besitzerin eine solch enge Freundschaft, dass nach dem Sturm ein Anruf in die Karibik reichte, um Hochuli zu überzeugen: «Da muss ich selbst mitanpacken.»

Hinweis

Mehr Infos zum Projekt «Sturm Burglind hilft Hurrikan-Maria-Opfern» sowie die Möglichkeit zum Geldspenden finden Sie auf www.icareforyou.ch.

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