Projektwoche
Luzerner Schüler machen mit Podcasts und Liedern auf Umweltschutz aufmerksam

Der Musiker und Lehrer Stefan Bregy besucht mit seinem «fahrenden Tonstudio» Schulklassen. Im Kanton Luzern hat er nun sein neues Projekt «Umweltschutz im Ohr» lanciert. Ein Augenschein.

Niels Jost
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Es ist eine Frage, die Lehrpersonen tagtäglich beschäftigt: Wie kann ich den Schülerinnen und Schülern ein Thema so vermitteln, dass auch etwas hängen bleibt? Stefan Bregy hat darauf eine Antwort gefunden. Der Musiker und ausgebildete Gymnasiallehrer setzt auf eigenständiges und spielerisches Lernen. An sich nichts Neues. Doch Bregys Ansatz ist vielversprechend.

Stefan Bregy ist Gymilehrer, Musiker und hat sich nun mit «Das fahrende Tonstudio» selbstständig gemacht.

Stefan Bregy ist Gymilehrer, Musiker und hat sich nun mit «Das fahrende Tonstudio» selbstständig gemacht.

Bild: Manuela Jans-Koch (Reussbühl, 20. Mai 2021)

Der gebürtige Walliser, der schon mit Florian Ast, Fabienne Louves oder DJ Antoine musizierte, hat sich vor rund vier Jahren selbstständig gemacht und sich eine Unmenge an technischen Geräten angeschafft: Mikrofone, Kopfhörer, Keyboards, Gitarren, Laptops und vieles mehr. Mit seinem Equipment verwandelt er ein Klassenzimmer im Handumdrehen in ein modernes Tonstudio.

Im Kanton Luzern war er schon in zahlreichen Ortschaften unterwegs, sowohl in den Zentrumsgemeinden Luzern, Hochdorf, Sursee und Willisau als auch beispielsweise in Rickenbach, Schötz oder Ettiswil. Die Schüler haben je nach Projekt zwischen einem Tag und einer Woche Zeit, einen Song, Podcast oder ein anderes Audio-Produkt zu kreieren. «Das Thema wählen sie selber», erklärt Bregy, der sieben Jahre am Gymnasium St.Klemens in Ebikon unterrichtete. «Es soll möglichst nahe an ihrer persönlichen Erlebniswelt liegen. Das macht es greifbarer und einfacher für die Umsetzung.»

Projekt erhält Unterstützungsgelder

Frei wählen können die Schüler das Thema auch bei Bregys neuem Projekt «Umweltschutz im Ohr», welches von der Albert-Koechlin-Stiftung sowie Schule und Kultur im Kanton Luzern unterstützt wird. Einzige Vorgabe: Das Thema muss mit dem Umweltschutz zu tun haben.

Keine leichte Aufgabe für die Klasse 2f der Kanti Reussbühl, mit denen Bregy das Projekt erstmals durchführt. Zwar haben die 13- bis 14-Jährigen schon viel über CO2 und die Umwelt gehört, wie sie sagen. Inwiefern sie aber selber von der Verschmutzung betroffen sind und was sie dagegen tun könnten, darüber müssen sie schon länger grübeln.

So lauten die ersten Themenideen denn auch ganz allgemein «Plastikverschmutzung der Weltmeere» oder «Massentierhaltung». Erst nach reiflicher Überlegung – und dem einen oder anderen Input von Stefan Bregy oder Kantilehrerin Martina Erzinger – fokussieren sich die Schülerinnen und Schüler schliesslich auf Themen wie das herumliegende Plastik auf dem Schulareal oder die Nachhaltigkeit der Mensaküche.

Stefan Bregy tüftelt mit Kauan (links), Jonas und Ayda von der Klasse 2f der Kanti Reussbühl an einem Song.

Stefan Bregy tüftelt mit Kauan (links), Jonas und Ayda von der Klasse 2f der Kanti Reussbühl an einem Song.

Bild: Manuela Jans-Koch (Reussbühl, 20. Mai 2021)

«Die Schüler müssen keine Musikprofis sein»

Doch die Themenwahl ist nicht die einzige Herausforderung. Schliesslich geht es darum, die Idee zu vertonen. In der ersten Wochenhälfte haben die Zweitklässler Podcasts, in der zweiten Hälfte eigene Raps und Songs produziert. «Die Schüler müssen keine Musikprofis sein», sagt Bregy. Die einen hätten ihre Stärken beim Musikalischen, die anderen beim Schreiben der Texte.

Ohnehin sei es nicht das Ziel, ein massentaugliches Endprodukt zu machen, sondern als Gruppe zu einem Resultat zu kommen, die Kreativität auszuleben – und natürlich inhaltlich etwas mitzunehmen. Bregy hebt die interdisziplinären Lerneffekte hervor: «Der Umweltschutz betrifft die Biologie, Chemie und Geografie, das Produzieren der Podcasts und Songs die Fachbereiche Musik, Medien und Informatik sowie die Sprachen.» Das «fahrende Tonstudio» nehme somit direkten Bezug auf den Lehrplan 21.

Von positiven Lerneffekten ist auch Lehrerin Martina Erzinger überzeugt. «Es tut den Schülerinnen und Schülern gut, ihre alltägliche Strukturen durchbrechen und kreativ sein zu können.»

Lieder und Podcasts erscheinen auf Youtube

Und die Schüler? Sie scheinen sich generell über eine Woche ohne konventionellen Unterricht zu freuen. Das Thema beschäftige sie aber schon, sagt etwa Lihnida (14). «Beim Einkaufen sollte man sich mehr darauf achten, weniger Plastiktüten zu brauchen», meint sie. Jonas (13) wiederum sagt: «Am meisten Spass macht mir, den Beat zu produzieren.» Dennoch geht er das Thema differenziert an. Zusammen mit Kauan (13) und Eelavan (14) rappt er über Pro- und Contra-Argumente des Umweltschutzes.

Die fertigen Beiträge werden schliesslich allesamt auf dem Youtube-Kanal von «Das fahrende Tonstudio» veröffentlicht. Dort werden sich bald auch Dateien der Sekundarschule Hochdorf finden. Denn die Seetaler Schüler besucht Stefan Bregy diese Woche – weitere werden folgen.