Uni Luzern
Prominente Köpfe gründen Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik an der Universität Luzern

Die Uni Luzern will der Bevölkerung Wirtschaftspolitik näherbringen. Auch Liftpatron Schindler engagiert sich.

Christoph Bernet
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Das neue Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik wird seinen Sitz an der Uni Luzern haben.

Das neue Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik wird seinen Sitz an der Uni Luzern haben.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 13. Oktober 2020)

Es war ein überraschender Sesselwechsel, den die NZZ am Mittwoch in einer Medienmitteilung verkündete. Nach knapp fünf Jahren als Feuilletonchef der «Neuen Zürcher Zeitung» verlässt René Scheu im Frühsommer die Zeitung – und damit einen der begehrtesten Posten im deutschsprachigen Journalismus. Scheu zieht es vom Zürich- an den Vierwaldstättersee. Ab Juli wird er Geschäftsführer des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) an der Universität Luzern.

Noch existiert das IWP lediglich auf dem Papier. Doch die Verpflichtung Scheus lässt auf grosse Ambitionen schliessen – ebenso wie die bekannten Personen, die beim Aufbau des Instituts dabei sind. Treibende Kraft hinter dem Projekt ist Christoph Schaltegger, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und Professor für Politische Ökonomie an der Universität Luzern.

Brückenfunktion zwischen Wirtschaft und Gesellschaft

Hinter dem Institut steht die Stiftung Schweizer Wirtschaftspolitik. Sie fungiert als «universitätsexterne Trägerschaft» des unabhängigen Instituts, das mit der Uni Luzern eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen hat. Der Stiftung steht Alfred N. Schindler als Stiftungsratspräsident vor, der Patron, langjährige CEO und Ex-Verwaltungsratspräsident des gleichnamigen Lift- und Rolltreppenbauers aus Ebikon. Auf Anfrage erklärt Christoph Schaltegger, der die wissenschaftliche Leitung innehaben wird, das Ziel des neugegründeten Instituts:

«Wir wollen den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern mit Fakten und dem Aufzeigen von wirtschaftlichen Zusammenhängen bei der Meinungsbildung helfen.»

Dies solle in verständlicher Sprache, auf wissenschaftlicher Basis und in parteipolitisch neutraler Art und Weise geschehen. «Gerade in einer direkten Demokratie ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung für wirtschaftspolitische Fragen interessiert und sich umfassend darüber informieren kann», findet Schaltegger. Das Institut soll eine Brückenfunktion zwischen Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen. Die Forschung zu volkswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Fragen befinde sich in einem internationalen Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Publikationsmöglichkeiten: «Das führt dazu, dass unsere Arbeit oft nur innerhalb eines kleinen akademischen Kreises wahrgenommen wird.»

Viele fühlen sich nicht ausreichend kompetent

Mit dem IWP wolle man grundsätzliche und politische wichtige Wirtschaftsthemen einer breiten Öffentlichkeit näherbringen– etwa, wie das Steuersystem oder die Sozialversicherungen funktionierten. Denn leider stehe es um das Wissen über solche fundamentalen volkswirtschaftlichen Zusammenhänge nicht zum Besten: «Untersuchungen zeigen, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in der Schweiz, wie auch in anderen Ländern, sich bei diesen Themen nicht ausreichend kompetent fühlt», sagt Schaltegger.

Im April will das IWP seine Pläne an einer Medienkonferenz im Detail vorstellen. Eher nicht zu rechnen ist dabei mit einem Auftritt von Stiftungsratspräsident Alfred N. Schindler. Der 71-Jährige gilt als äusserst öffentlichkeitsscheu.