PSYCHOTERROR: Unzählige Male am Telefon belästigt

Was tun, wenn man anonym am Telefon belästigt wird? Die Opfer fühlen sich oft machtlos. Man kann sich aber dagegen wehren.

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(Symbolbild Guido Röösli/Neue LZ)

(Symbolbild Guido Röösli/Neue LZ)

A. L.* ist beunruhigt. Seit Ende August erhält sie jedes Wochenende mysteriöse Anrufe. «Jeden Samstag oder Sonntag ruft mich ein Mann mit unterdrückter Telefonnummer aufs Natel an. Nehme ich ab, sagt er nichts – ich höre ihn nur atmen.» Der Unbekannte ruft stets mehrmals hintereinander an. A. L. ist deswegen auch schon bei der Polizei gewesen, und von der Swisscom erhielt sie die Empfehlung, ihre Rufnummer zu wechseln. A. L. geht davon aus, dass der Unbekannte ihre Rufnummer zufällig entdeckt und anschliessend Gefallen daran gefunden hat, sie zu plagen. Allerdings: Auf einer Website eines Vereins war A. Ls Nummer bis vor kurzem aufgeschaltet.

Eigentlich könnte A. L. Hilfe von ihrem Telekommunikationsanbieter Swisscom erwarten. Denn dieser ist in der Lage, auf einen schriftlichen Antrag von A. L. hin den anonymen Anrufer zu identifizieren. Warum also hat die Swisscom A. L. geraten, die Nummer zu wechseln? «Unsere Mitarbeiter wissen eigentlich, wie man in so einem Fall vorgehen muss. Wahrscheinlich hat er der Kundin den schnellstmöglichen Weg aufzeigen wollen, um den Belästigungen ein Ende zu setzen», sagt Mediensprecherin Myriam Ziesack.

Das Hauptmotiv für Telefonterror ist Machtausübung
Ist der anonyme Anrufer erst einmal identifiziert, dann kann das Opfer eine Strafklage einreichen. Das Strafmass beläuft sich auf maximal 10'000 Franken zuzüglich bis zu 6000 Franken Untersuchungsgebühr sowie Schadenersatz für den Kläger. Laut Amtsstatthalter Peter Meuli kam es 2007 zu 26 Strafbefehlen; weitere 24 wurden eingestellt mangels Beweisen oder wegen Rückzug der Strafklage.

Für Thomas Spielmann, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, handelt es sich im geschilderten Fall um Stalking (engl.: nachstellen). «Hier übernimmt jemand ganz klar die Macht über jemand anderen und findet das gut.» In den meisten Fällen wisse der Anrufer, um wen es sich beim Opfer handle. Machtausübung sei stets das Hauptmotiv für solchen Telefonterror, so Spielmann. «Wenn man das Opfer schon nicht ansprechen kann, dann soll es zumindest Angst vor einem haben oder an einen denken.»

Simone Hinnen

*Name der Redaktion bekannt

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Luzerner Zeitung.