Public Viewing
Hier kommt im Kanton Luzern Fussballstimmung auf ‒ und so jubelt man coronakonform

Grosse Public Viewings finden wegen der Pandemie nicht statt. Grossleinwände und Liveübertragungen findet man trotzdem. Nicht nur in Restaurants.

Christian Glaus
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Public Viewing in der «Ufschötti» während der WM 2018.

Public Viewing in der «Ufschötti» während der WM 2018.

Bild: Jakob Ineichen

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat das Zeug dazu, Europameister zu werden. Trainer Vladimir Petkovic versucht im Vorfeld der verschobenen EM 2020, Euphorie zu entfachen. Doch Stimmung ist bisher nicht so recht aufgekommen. Das mag daran liegen, dass grosse Public Viewings im öffentlichen Raum nicht möglich sind. Oder aber, dass die Leute andere Prioritäten haben, vermutet Marco Liembd, Leiter des Konzerthauses Schüür in Luzern: «Im Moment haben viele noch eher ihren Impftermin als den ersten Match der Nati im Kopf. Doch das wird sich noch ändern.»

Denn es gibt sie schon, die Public Viewings. Einfach im kleineren Rahmen. Nicht nur in der Schüür, sondern beispielsweise auch im «Lido Beach House» in Luzern sowie in zahlreichen Restaurants. Auf einen Aufruf unserer Zeitung wurden einige Public Viewings gemeldet:

Mit den gelockerten Coronamassnahmen wittern die Wirte nun die Möglichkeit, den Fans Fussballstimmung im kleinen Rahmen bieten zu können. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen der Stadt Luzern, sagt: «Aktuell liegen uns einige kurzfristig eingegangene Gesuche für Public Viewings auf Boulevardflächen zur Prüfung vor.» Weitere dürften auf privaten Flächen stattfinden. In den Restaurants gelten die üblichen Regeln: Sitz- und Registrierungspflicht, am Tisch darf die Maske abgelegt werden, Konsumation ist nur im Sitzen erlaubt. Menschenansammlungen um die Boulevardflächen müssen vermieden werden. Bei nicht bewilligungspflichtigen privaten Veranstaltungen sind 30 Personen erlaubt. Für die Einhaltung der Regeln sind die Veranstalter verantwortlich. Die Luzerner Polizei wird im Rahmen ihrer normalen Patrouillentätigkeit Kontrollen durchführen.

Wird die Schüür von Fussballfans überrannt?

Ein Public Viewing mitten in der Stadt Luzern veranstaltet das Konzerthaus Schüür. Wie bei den letzten Endrunden wird eine grosse LED-Wand aufgebaut. Und trotzdem wird vieles anders sein: Im Garten gibt es zirka 36 Tische mit Platz für sechs Personen; im Saal stehen als Puffer 25 4er-Tische bereit. Der Eintritt ist frei, es gibt aber in der Pause eine Kollekte. Hat «Schüür»-Chef Liembd keine Angst, dass sein Lokal überrannt wird? «Angst nicht, aber Respekt. Wir hoffen auf das Verständnis der Gäste, dass die Kapazitäten beschränkt sind.» Dennoch habe man sich gegen eine Reservationspflicht entschieden, weil diese schwierig umzusetzen sei.

Marco Liembd, Leiter «Schüür», im Garten des Konzerthauses.

Marco Liembd, Leiter «Schüür», im Garten des Konzerthauses.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 10. Oktober 2017)

Mehr Bedenken hat Liembd aber, ob die Coronaregeln eingehalten werden. Diese seien «in den Köpfen der Leute immer weiter weg». Er appelliert an die Vernunft der Gäste und an den gesunden Menschenverstand, wenn es ums Durchsetzen geht. Dank Contact-Tracing und Schutzmassnahmen fänden öffentliche Public Viewing in einem vergleichsweise sicheren Rahmen statt. Marco Liembd ist überzeugt: «Auch mit den Schutzmassnahmen kann in unserem Garten Fussballstimmung aufkommen.»

Beromünster: Matches statt Hochzeiten im Chalet

Das Chalet der Galfri GmbH in Beromünster.

Das Chalet der Galfri GmbH in Beromünster.

PD

Ein Public Viewing ausserhalb von Restaurants findet sich auch in Beromünster. Die Galfri GmbH, spezialisiert auf Catering und Events, betreibt dort ein Fussball-Chalet. Insgesamt stehen 150 Plätze zur Verfügung, davon 80 im Chalet selber. «Im Chalet hat es eine Grossleinwand, draussen stellen wir Bildschirme auf», sagt Inhaber und Geschäftsführer Rosario Galliker. Da kann durchaus Stimmung wie in guten alten Zeiten aufkommen. Dass das Fussball-Chalet von Besuchern überrannt wird, glaubt Galliker nicht. «Wir müssen realistisch sein: Das Chalet befindet sich in Beromünster und nicht mitten in einer Stadt.» Sollte der Ansturm trotzdem grösser sein als erwartet, wäre die Einführung einer Reservationspflicht denkbar.

Rosario Galliker, Inhaber und Geschäftsführer der Galfri GmbH

Rosario Galliker, Inhaber und Geschäftsführer der Galfri GmbH

PD

Das mobile Chalet der Galfri GmbH wird normalerweise für Geburtstage oder Hochzeiten verwendet. Seit einem Jahr stehe dieses «vor unserer Haustür», sagt Galliker. Dass er dieses nun für das Public Viewing nutzen kann, kommt Rosario Galliker gelegen: «Seit 15 Monaten steht unser Betrieb mehr oder weniger still. Wir freuen uns, dass wir nun wieder etwas machen können und sind sehr dankbar um jeden Gast.»


Torjubel trotz Coronaregeln – so geht's

  • Urs Wigger, Luzerner Polizei: «Aufstehen und jubeln kann man schon. Auf den Sieg anstossen darf man hingegen nur im Sitzen.»
  • Marco Liembd, Konzerthaus Schüür: «Wer kann schon sitzen bleiben, wenn ein Tor fällt? Stehend jubeln sollte möglich sein, solange man an seinem Platz bleibt.»
  • Rosario Galliker, Fussball-Chalet Beromünster: «Jubeln und wieder absitzen. Emotionen lassen sich nicht vollständig unterdrücken.»
  • Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen: «Die Rahmenbedingungen sind sehr restriktiv. Aufstehen und klatschen bei einem Tor der Schweiz scheint mir aber – trotz Sitzpflicht – durchaus drinzuliegen.»

Möchten Sie Ihr Public Viewing auch in unserer Übersicht sehen? Dann melden Sie sich bei uns unter: online@luzernerzeitung.ch oder per Whatsapp 079 292 59 17 mit Angaben zu Adresse, Öffnungszeiten, Platzbeschränkung, Reservationen und Angebot.