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PYROVORFÄLLE: Oberster Polizeivorsteher setzt auf Videoüberwachung

Für Hans-Jürg Käser, Präsident der kantonalen Polizeidirektoren, kommt eine Legalisierung von Pyros nicht in Frage. Und er nimmt den FCL in Schutz.
Interview Alexander von Däniken
Ein Fan mit Pyro in der Swissporarena in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Ein Fan mit Pyro in der Swissporarena in Luzern. (Bild: Philipp Schmidli)

Das Sündenregister der Fussball-Hooligans war schon länger: Im Kalenderjahr 2015 rapportierten die Schweizer Polizeikorps 207 Vorfälle in und um Stadien – 30 weniger als im Vorjahr. Trotzdem fällt auf, dass Chaoten – in Luzern, aber auch anderswo – regelmässig Pyrofackeln und Böller zünden (Ausgabe vom 21. Juli). Was will die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) dagegen unternehmen? Wir haben bei deren Präsidenten, dem Berner FDP-Regierungsrat Hans-Jürg Käser, nachgefragt.

Hans-Jürg Käser, die Zahl der polizeilich registrierten Ereignisse in und um Fussballstadien ist rückläufig. Worauf führen Sie das zurück?

Hans-Jürg Käser: Dies ist auf mehrere Fakten zurückzuführen: Zum einen entfaltet das revidierte Hooligan-Konkordat sicher eine präventive Wirkung, und zum anderen ist die Zusammenarbeit unter den Behörden sowie zwischen den Behörden und den Klubs heute intensiver und professioneller als früher.

Bei Fussballvereinen wie dem FC Luzern ist allerdings keine rückläufige Tendenz feststellbar. Warum ist es beim FCL schwieriger als anderswo?

Käser: Die Anzahl der Ereignisse ist für sich allein nicht aussagekräftig. Es gilt auch die Schwere der Ereignisse zu berücksichtigen. Angriffe zwischen Fangruppen oder Gewalt gegen Sicherheitskräfte wiegen schwerer als leichte Verstösse gegen die Stadionordnung. Ich sehe es nicht so, dass es in Luzern unter Berücksichtigung dieser Aspekte schwieriger ist als anderswo.

Der meistgenannte Begriff in der Liste ist «pyrotechnisches Material». Wie nimmt die KKJPD das Pyro-Problem wahr?

Käser: Es ist nach wie vor ungelöst. Pyros gehören leider zur Fankultur der Ultras, die alles tun und ständig neue Wege finden, um Fackeln, Rauchpetarden oder Böller einzuschleusen. In erster Linie gilt es Personen zu verfolgen, die Pyros werfen und damit Menschen ganz unmittelbar in ihrer Gesundheit gefährden. Das gleiche gilt für die Böller, die in den letzten Jahren leider immer häufiger wurden und schwere Ohrenschäden hervorrufen.

Fasst die KKJPD weitere Massnahmen ins Auge, um das verbotene Pyromaterial aus den Strassen und Stadien zu verbannen?

Käser: Am effektivsten ist es, die betreffenden Personen inner- und ausserhalb der Stadien per Videoüberwachung zu ermitteln und zu sanktionieren, was aufgrund der Vermummung zwar einen hohen Aufwand bedingt, aber trotzdem häufig gelingt.

Wie kann das Pyroproblem vollständig gelöst werden?

Käser: Das gelänge wohl nur mit einschneidenden Massnahmen wie Aufhebung von Fankurven, Sitzplatzpflicht und Identifizierung der Besucher nach englischem Vorbild. Das ist in der Schweiz heute nicht mehrheitsfähig.

Würde umgekehrt eine Aufhebung des Pyroverbots Sinn machen, da wohl einige Chaoten gerade wegen des Verbots Pyros zünden?

Käser: Eine Aufhebung des Pyroverbots kommt nicht in Frage, weil immer die Gefahr besteht, dass Pyros geworfen werden, wenn Alkohol und Emotionen im Spiel sind. Es widerspräche dem Rechtsempfinden, wenn eine akute Gefährdung von andern Matchbesuchern straffrei bleiben würde.

«Einzelfälle von Einzeltätern»

FCL-Fanarbeit avd. Die Zahl der polizeilich registrierten Vorfälle rund um die Schweizer Fussballstadien ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr zwar zurückgegangen – nicht aber die Zahl der Ereignisse von Chaoten aus dem FCL-Umfeld (Ausgabe vom 21. Juli). Diese stieg von 27 im Jahr 2014 auf 32 im letzten Jahr. Besonders Pyrotechnik wird oft eingesetzt, wie aus der Liste des Bundesamts für Polizei hervorgeht. Zu einem anderen Fazit sind der FCL, die Fanarbeit, die Stadt und der Kanton anlässlich eines runden Tischs in diesem Juni gekommen. Die Saison 2015/16 sei ruhiger und sicherer gewesen als im Vorjahr. Der FCL will weiterhin auf die Selbstregulierung setzen. Pyros blieben aber ein Dauerthema, erklärte Mediensprecher Max Fischer. Das Problem könne höchstens mit Sicherheitsmassnahmen wie am Flughafen ganz gelöst werden.

Thomas Buchmann von der FCL-Fanarbeit, sagt auf Anfrage: «Es handelt sich um Einzelfälle, verursacht von Einzeltätern.» Diese zu identifizieren, sei nicht die Aufgabe der Fanarbeit, sondern des FC Luzern und der Polizei. Die Fanarbeit setze weiterhin auf den Dialog mit den Fanclubs und Fans.

«Erfolg ist schwer messbar»

Dass dieser gerade beim Thema Pyros nicht funktioniert, will Buchmann nicht unterschreiben: «Erfolg ist bei der Prävention schwer messbar. Trotzdem sind wir überzeugt, dass wir unseren Beitrag im Verbund mit unseren Partnern – FCL, Stadt und Kanton – leisten.» Buchmann weist darauf hin, dass die Zahl der Ausschreitungen von FCL-Anhängern zurückgegangen ist, was die Partner laut Buchmann am runden Tisch übereinstimmend konstatiert haben. «An weiterführenden Massnahmen zur Lösung des Pyroproblems beteilige sich die Fanarbeit mit der Förderung des Dialogs unter den involvierten Partnern.»

Interview Alexander von Däniken

Hinweis

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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