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QUARTIERE: Stadtpolitik lässt viele Littauer kalt

Die Stimmbeteiligung im neusten Stadtteil ist seit Jahren deutlich tiefer als in anderen Quartieren. Sind die Littauer noch nicht in der Stadt Luzern angekommen?
Im Luzerner Stadtteil Littau ist die Stimmbeteiligung deutlich tiefer als in den anderen Stadtteilen. (Symbolbild Neue LZ)

Im Luzerner Stadtteil Littau ist die Stimmbeteiligung deutlich tiefer als in den anderen Stadtteilen. (Symbolbild Neue LZ)

Der vergangene Abstimmungssonntag hat es einmal mehr deutlich gezeigt: Die Littauer machen in geringerer Anzahl von ihrem Stimmrecht Gebrauch als Bewohner der übrigen Stadtluzerner Quartiere. In Reussbühl etwa lag die Stimmbeteiligung bei der einzigen kommunalen Abstimmung, der SVP-Initiative «Für einen flüssigen Verkehr», bei nur 19,1 Prozent. Der Durchschnitt im gesamten ehemaligen Littauer Gemeindegebiet betrug gerade mal 21,6 Prozent. In innerstädtischen Quartieren, wie etwa dem Tribschenquartier mit 33,2 Prozent, war die Beteiligung erheblich höher. Einzig im Kreis Untergrund/Fluhmühle war die Stimmbeteiligung mit 16,1 Prozent noch tiefer als in Littau. Über die gesamte Stadt hinweg lag die Stimmbeteiligung am Sonntag bei 39,1 Prozent.

Markanter Rückgang seit Fusion

Ins Auge fällt ein weiterer Vergleich, und zwar derjenige zwischen der eigenständigen Gemeinde Littau und dem Luzerner Stadtteil Littau. Am 1. Januar 2010 fusionierte Littau mit der Stadt Luzern. Noch vor dem Zusammenschluss war die Stimmbeteiligung in Littau bei vielen Abstimmungen deutlich höher als nachher. So etwa bei der Abstimmung zur Einführung von Abfallsackgebühren 2004, als sie bei 38,6 Prozent lag. Bei der Fusionsabstimmung 2007 lag die Stimmbeteiligung gar bei 60,4 Prozent (siehe Grafik).

Bild: Quelle: Gemeinde Littau, Stadt Luzern / Grafik: Oliver Marx

Bild: Quelle: Gemeinde Littau, Stadt Luzern / Grafik: Oliver Marx

Was sind die Gründe für diese frappanten Unterschiede? Peter With, Präsident der Stadtluzerner SVP und in Reussbühl wohnhaft, meint: «Es gibt wohl Leute, die mit der Fusion unzufrieden sind und sich deshalb komplett zurückgezogen haben.» With, der am Sonntag auch in Littau mit seiner Initiative «Für einen flüssigen Verkehr» gescheitert ist, nennt als Beispiel die Verkehrspolitik: «Alle reden immer von der Seebrücke. Doch die Littauer haben beim Verkehr ganz andere Bedürfnisse und orientieren sich in andere Richtungen, etwa nach Emmen zum Shoppingcenter», glaubt er. Auch kulturell spiele die Musik mit KKL und Luzerner Theater halt vor allem in der Innenstadt. «Die Politik der Stadt Luzern ist für viele Littauer zu weit weg. Es gibt immer noch viele, die sich mit der Stadt Luzern nicht identifizieren können», so With. War denn die Fusion ein Fehler? Peter With geht nicht so weit, die Frage mit Ja zu beantworten, sagt jedoch: «Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Strukturen möglichst überschaubar sein sollten, damit die Politik nahe an der Bevölkerung dranbleibt.»

«Interesse an der Politik verloren»

Eine andere Littauer Sicht vertritt die CVP-Grossstadträtin Agnes Keller-Bucher. Sie wohnt auf dem Littauer Berg, dem von der Landwirtschaft geprägten Teil Littaus. Sie sagt: «Hier auf dem Berg gibt es viele, die gegen die Fusion waren. Vielleicht haben diese jetzt ein bisschen das Interesse an der Politik verloren.» Die Anliegen der Leute auf dem Littauer Berg beträfen vor allem die Landwirtschaft, so Keller, und die werde in Bern diskutiert. Demgegenüber sei der Verkehr in der Innenstadt «nicht das brennende Thema bei uns», sagt sie. Dennoch ist Agnes Keller eine überzeugte Fusionsbefürworterin: «Ich denke nicht, dass Littau innerhalb der Stadt Luzern zu kurz kommt. Wir haben viel von der Fusion profitiert.» Als Beispiele nennt sie die Sanierung des Betagtenzentrums Staffelnhof oder die Angleichung an die vielfältigeren Angebote im Schulbereich.

Der Luzerner Politologe Olivier Dolder bestätigt, dass die fehlende nahe Bindung an die Lokalpolitik ein Grund für die gesunkene Stimmbeteiligung in Littau sein könnte. «Die Littauer sind jetzt Teil einer viel grösseren Gemeinde als vor der Fusion», sagt er. Doch es gäbe noch weitere Ursachen. «Die tiefe Stimmbeteiligung lässt sich auch mit soziodemografischen Merkmalen erklären», sagt Dolder. Je höher beispielsweise das Ausbildungsniveau sei, desto höher sei in der Regel auch die Stimmbeteiligung, erklärt er. «Deshalb gehen im Quartier Wesemlin normalerweise mehr Leute an die Urne als im Untergrund.» Doch gibt es irgendwelche Rezepte, mit denen man die Leute wieder mehr an die Urnen locken könnte? «Es ist wichtig, möglichst einfach zu informieren», sagt Olivier Dolder. Die Texte in den Abstimmungsunterlagen sollten nicht zu kompliziert sein, denn das schrecke viele Leute ab. «Die Hürde, um abstimmen zu gehen, muss möglichst tief gehalten werden», glaubt Dolder. Doch das Wichtigste sei eindeutig die politische Bildung.

Vereine nach wie vor tragend

Der einzige Luzerner Stadtrat aus Littau, Stadtpräsident Stefan Roth (CVP), sagt: «Die Stimmbeteiligung in der Gemeinde Littau war auch in den Jahren vor der Fusion fast immer tiefer als in Luzern.» Ein Grund dafür könnte das tiefere Durchschnittsalter in Littau sein, meint er. Dass es für Littauer Probleme gäbe, sich als Luzerner zu identifizieren, glaubt Stefan Roth nicht: «Die Bevölkerung des Stadtteils Littau fühlt sich politisch durchaus als Luzerner.» Jedoch seien gesellschaftlich die Littauer Vereine und Traditionen «nach wie vor tragend». Speziellen Handlungsbedarf sieht der Stadtpräsident nicht. «Der Stadtrat ist bestrebt, die Stadtbevölkerung in die politischen Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Dabei legen wir kein besonderes Augenmerk auf die Quartierherkunft», so Roth.

Dominik Weingartner

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