RADIO: Ein Luzerner gibt in Berlin den Ton an

Der deutsche Sender FluxFM hat den Echo-Preis erhalten – auch dank Ueli Häfliger. Dieser hat in Berlin mit Peperonischneiden begonnen.

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Radiomann Ueli Häfliger auf der Terrasse des Berliner Kultur- und Konzerthauses Fluxbau. Hinten die Spree und die Oberbaumbrücke. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt)

Radiomann Ueli Häfliger auf der Terrasse des Berliner Kultur- und Konzerthauses Fluxbau. Hinten die Spree und die Oberbaumbrücke. (Bild: Rudi-Renoir Appoldt)

Vor elf Jahren hat Ueli Häfliger (35) Luzern in Richtung Berlin verlassen. Es war ein Aufbruch in ein unbekanntes Abenteuer. Auf seinem Konto war kaum Erspartes, in Berlin hatte er keinen Job in Aussicht. Doch das war nicht entscheidend. Denn in Berlin lebte Häfligers damalige Freundin. Was braucht man zum Leben mehr als Luft, Wasser und Liebe?

Gut, ein bisschen Geld vielleicht. Irgendwie, dachte er, würde er sich dann schon durchschlagen. Heute ist diese Liebe erloschen, aber der in Hitzkirch aufgewachsene Primarlehrer hat längst Fuss gefasst und ist in der Berliner Musikszene zu einer festen Grösse geworden. Seit sieben Jahren ist er Musikchef beim Radiosender FluxFM. Plattenfirmen, Promotoren, Bands, alle beliefern sie den Luzerner mit neuer Musik in der Hoffnung, dass der Sound Ueli Häfligers Geschmack trifft.

Denn er entscheidet, welche Musik über den Äther läuft. Es gab schon Bands, die kannte in Berlin keine Menschenseele, doch Häfliger nahm die Musik in sein Programm auf, und Monate später füllte die Band ganze Konzerthallen in der Hauptstadt. Passenger ist so ein Beispiel. Der noch vor kurzem völlig unbekannte britische Songwriter Mike Rosenberg führt heute die Single-Charts in Berlin an.

Häfliger war der Erste in Berlin, der Rosenberg ins Repertoire aufnahm. Häfliger spielt auch immer wieder Schweizer Bands. Die Luzernerin Heidi Happy hört man in Berlin genauso wie Sophie Hunger, Bonaparte oder Alvin Zealot.

Am Buffet mit den Stars

Das Projekt FluxFM ist inzwischen derart erfolgreich, dass die Radiomacher vor wenigen Wochen die höchste Auszeichnung entgegennehmen durften, die es für einen Radiosender in Deutschland zu holen gibt. Bei der Echo-Verleihung wurde FluxFM mit dem Publikumspreis ausgezeichnet, und das mit Verdienst des erfolgreichen Luzerner Musik-Scouts.

Häfliger sass bei der Preisverleihung im Berliner Palais plötzlich der deutschen Prominenz gegenüber, Max Rabe schlemmte am Buffet, die Scorpions waren da, der Blondschopf von Scooter, Chartstürmerin Lana Del Rey und noch viele mehr. «Das Buffet war grossartig», sagt Häfliger mit einem verschmitzten Lächeln. Die Anfangszeit in Berlin war nicht wirklich leicht.

Er tingelte von Wohngemeinschaft zu Wohngemeinschaft, von Bezirk zu Bezirk, machte Praktika bei MTV für kein oder wenig Geld, jobbte mal im Callcenter oder präparierte in einer Imbissküche Peperoni, Gurken und Tomaten. Doch dann heuerte Häfliger beim Vorgängersender von FluxFM an. Es war der Beginn einer erfolgreichen Zeit.

Tochter macht ihn ruhiger

Inzwischen, sagt Häfliger, hat er in Berlin Wurzeln geschlagen. «Hier bin ich inzwischen mehr zu Hause als damals in Luzern.» Das hängt nicht nur mit seinem Erfolg im Job und seinem grossen Freundes- und Bekanntenkreis zusammen. Es liegt auch am privaten Glück. Im Oktober 2011 wurde Häfliger Vater der kleinen Lou-Tida, seit sieben Jahren ist er mit der Oldenburgerin Petra zusammen, sie wohnen in einer Friedrichshainer 3-Zimmer-Wohnung.

Seither ist es auch etwas ruhiger geworden im Leben des Luzerners, der vor der Geburt seiner Tochter ein oft und gern gesehener Gast bei Konzerten und auf Partys war. «Nach der Arbeit gehe ich immer direkt nach Hause, damit ich noch ein bisschen Zeit mit Lou-Tida verbringen kann.» Geblieben sind die Probleme mit seinem Namen: Ueli Häfliger. Undeutscher gehts nicht. Ülli Hänflinger, Ülli Häflinger, Ülli irgendwas. Was er sich da schon alles anhören musste.

Doch wenn ihm heute einer mit «Ülli» kommt, dann reagiert er gar nicht mehr. «Ich heisse weder Ülli noch Urli noch Willi, ich bin UÄLI», bedeutet er seinen deutschen Bekannten dann recht unmissverständlich. Und er lässt dann das «Ä» in seinem Vornamen so lange üben, bis es mit dem Ueli klappt.