RADIO PILATUS: Osternest-Suche stresst Wildtiere

Heidi Frey, CVP-Kantonsrätin aus Sempach, staunte nicht schlecht: Am Ostersonntag kurz nach 14 Uhr strömten plötzlich Dutzende Personen in den Steinibüelwald oberhalb des Dorfs.

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Hörer auf der Suche nach einem Nest. (Bild: Screenshot Website)

Hörer auf der Suche nach einem Nest. (Bild: Screenshot Website)

rt. Grund für den Auflauf: das Ostergewinnspiel von Radio Pilatus, das der Sender seit rund 25 Jahren in der Zentralschweiz durchführt. Hunderte Personen gehen jeweils auf die Jagd nach den versteckten Osternestern. «Die Autos stauten sich während fast einer Stunde auf der Hauptstrasse von der Autobahnausfahrt Sempach bis zum Restaurant Schlacht und versperrten einander die Zu- und Wegfahrt auf den Nebenstrassen», erzählt Frey. «Gewisse Autofahrer haben sogar auf der Hauptstrasse gewendet, andere fuhren ohne Rücksicht auf Verluste über die Wiesen. Zwischen zwei Autos kam es zu einem Blechschaden.»

Trächtiges Reh verendet

Tödlich endete der Ostersonntag für eine Rehgeiss. Vermutlich durch die Suchenden aufgeschreckt, rannte das Tier vom Wald Richtung Hauptstrasse – geradewegs in ein Auto, wie Frey schildert. «Das Reh floh danach verletzt in den Wald.» Laut Fabian Bieri, Jagdleiter des Reviers Sempach, musste das Reh mit einem Schweisshund nachgesucht werden: «Die Rehgeiss verendete im nahe liegenden Wald qualvoll mit zwei ungeborenen Kitz.»

Bieri und Frey kritisieren das Gewinnspiel. Bieri sagt: «Die Tiere wurden in ihrem Einstandgebiet durch die Menschenmasse extrem gestresst – dies im Wald anliegend an ein Naturschutzgebiet.» Frey erklärt: «Unseren Ärger teilten wir der Radiostation mit. Wir hoffen, dass diese zur telefonischen Rückmeldung steht und zukünftige Aktionen solcher Art kritisch überdenkt.»

Radio bedauert Unfall

Radio Pilatus hat den Wildunfall gestern bestätigt. Ein Nest sei zwei Kilometer von der Unfallstelle entfernt versteckt gewesen. «Ob der Unfall in direktem Zusammenhang mit dem Spiel steht, ist zurzeit Gegenstand der Abklärungen», schreibt der Sender und ergänzt, dass er den Unfall bedauere. Die Aufarbeitung werde aktiv begleitet. Ob und allenfalls wie der Sender sein Suchspiel überdenkt, wollte CEO Joachim Freiberg gestern nicht sagen.