Räbedibäms aus Hochdorf lanciert Guugger-Tetris-Challenge – Rätschbäse und Rossbomele legen nach

Räbedibäms aus Hochdorf lanciert Guugger-Tetris-Challenge – Rätschbäse und Rossbomele legen nach 

Zahlreiche Guuggenmusigen aus Luzerner Landgemeinden feiern heuer Jubiläum. Wie unsere Auswahl zeigt, fanden 1970 viele Gründungen statt.

Evelyne Fischer Aktualisiert
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Räbedibäms Hochdorf

Mann oh Mann! Ein Schelm wer denkt, diese Guugger laufen Gefahr, an der Fasnacht bald selber auf die Schippe genommen zu werden ... Darf man vorstellen? Räbedibäms Hochdorf, 33 Männer, eine verschworene Truppe. Und dies seit 50 Jahren. Aktuelles Sujet: teuflische Böcke.

In Zeiten von Frauenstreik und Frauenwahlen müssen sich diese Guugger wohl einige Sprüche gefallen lassen. Von einer politisch-moralischen Ungeheuerlichkeit will der Räbedibäms-Präsident allerdings rein gar nichts wissen: «Eine reine Männertruppe zu sein, hat bei den Räbis Tradition», sagt Ruedi von Moos, 29, und lacht. «Bei uns im Seetal, auf dem Land, hat das noch nie zu Diskussionen geführt.»

Bild: Boris Bürgisser, 8. Februar 2020

Frau muss an dieser Stelle ja auch zugeben: Ein solch pflegeleichter Haufen findet sich selten. Auf der Suche nach den Protagonisten für unsere fasnächtliche Auslegeordnung reichte ein Telefonat. Kaum war die Idee des Spezialbilds erklärt (siehe Kasten), kam die Rückmeldung: Jep, Räbedibäms hatte rüüdig Bock, mit uns die Guugger-Tetris-Challenge zu lancieren.

Die Guuggenmusig Rätschbäsä aus Sarnen hat die Challenge angenommen – und als Beweis ein Foto auf Instagram veröffentlicht.

«Was die Kollegen von der Räbig machen, können wir auch»: Tetris-Challenge der Guggenmusig Rossbomele aus Hochdorf.

Räbedibäms lanciert die Guugger-Tetris-Challenge

Auf der Suche nach einem speziellen Bildsujet kam die Tetris-Challenge aufs Tapet. Ursprünglich handelt es sich dabei um eine Idee der Kantonspolizei Zürich – angelehnt an den puzzleartigen Computerspielklassiker: In den sozialen Medien zeigten zwei Ordnungshüter im letzten Herbst, was alles in einem Einsatzfahrzeug Platz findet. Angefangen mit der Leuchtweste über das Triopan bis hin zu den Handschellen. Das Bild ging viral – und fand gar bei der israelischen Luftwaffe Nachahmer. In der Zentralschweiz fabrizierten etwa die Zuger Polizei oder die Ebikoner Schindler-Gruppe ein entsprechendes Foto. Schaffen wir es, in Luzern die Guugger-Challenge zu lancieren? Weitere Guugger-Tetris-Challenge-Bilder sind willkommen – gerne per E-Mail an online@luzernerzeitung.ch.

Ein Markenzeichen der Räbis: Als eine der wenigen Guuggenmusigen vom Land sind sie stets mit Grend unterwegs. «Wir wechseln alle zwei Jahre unser Sujet und lassen dafür einen grossen Batzen springen», sagt Ruedi von Moos. Eine fünfstellige Summe sei es heuer, näher will der angehende Schreinermeister den Betrag nicht beziffern. Bereits zum dritten Mal arbeiteten sie mit Maskengestalter Daniel Wulpillier aus Emmenbrücke zusammen. Unzählige Stunden Handarbeit stecken in einem Grend.

«In den letzten Jahren fielen wir durch eher düstere Mottos auf», sagt von Moos. Sujets wie Waldmänner, Aliens oder Assassine würden sich halt besonders gut für eine kreative Maske eignen. Den Ausschlag für das Jubiläumssujet gab übrigens der alljährliche «Räbibock», das traditionelle Vorfasnachtsfest, das die nötigen Einnahmen in die Guuggerkasse spült. «Damit decken wir auch Carkosten, weil wir regelmässig ausserhalb des Seetals aufspielen», sagt Ruedi von Moos. So geben sie beispielsweise dieses Wochenende deutschen Narren in Schwäbisch Gmünd Anschauungsunterricht in Sachen Lozärner Fasnacht und hauen am internationalen Guuggenmusigtreffen auf den Putz.

Schlag auf Schlag gehts danach in den heimischen Gefilden weiter. Einige Fixtermine in der prallvollen Fasnachtsagenda: Morgenstreich in Hochdorf am Schmudo, Willerzeller Fasnacht am Freitag, Monsterkonzert in Hochdorf am Rüüdigen Samstag, Umzug am «Schrecklech Sonntig» in Hitzkirch, Umzug am Güdisdienstag in Hochdorf. Woher nimmt Räbedibäms die nötigen Energiereserven? Ein Geheimrezept gebe es nicht, sagt von Moos. «Das gemeinsame Musizieren, der enge Zusammenhalt und die vielen tollen Erlebnisse schweissen zusammen. Trotz Terminflut kommt uns das dichte Programm dadurch alles andere als streng vor.»

Sie legen Wert auf anspruchsvolle Stücke

Glaubt man übrigens Präsi Ruedi von Moos, so heben sich die Räbis noch durch ein weiteres Kriterium ab. «Die Räbis legen Wert auf anspruchsvolle Stücke», sagt der Trompeter der Harmonie Hochdorf und schmunzelt. «Bei uns ist gute musikalische Unterhaltung garantiert.»

Ruedi von Moos

Ruedi von Moos

Hört, hört! Wer ein Ohr davon nehmen will: Auf der CD «Räbedibäms Vertont» geben die Seetaler Evergreens wie «Sternenhimmel» von Hubert Kah oder «Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann» von Nena zum Besten. Für den gebürtigen Hochdorfer von Moos, der seit drei Jahren das Präsidium innehat, war 2008 jedenfalls schnell klar: Eine andere Guuggenmusig als die Räbedibäms kommt gar nicht in Frage.

Dem zusammengewürfelten Haufen – in dem sich laut Vereinswebseite vom Büezer über den Schriftgelehrten bis hin zum Neunmalklugen alles findet – sei es bislang auch immer gelungen, den Nachwuchs zu sichern. «Wir sind gefordert, haben dank steter Bemühungen in unseren Reihen aber 18-jährige bis über 40-jährige Mitglieder», sagt Räbedibäms-Präsident Ruedi von Moos.

Eine Frau half den Männern bei der Namenssuche auf die Sprünge

Mann oh Mann, diese Räbis. Eines sei zum Schluss noch verraten: Ganz ohne Frau ging die Gründung dieser Männer-Guuggenmusig dann doch nicht über die Bühne. Schulbuben, im Alter zwischen zehn und zwölf, fanden anno 1970, es sei an der Zeit, sich unter die Kakofoniker zu mischen.

Endlos diskutierten die Halbstarken in Bieri Emmis Stube, wie die Truppe denn heissen soll. Emmi, die Mutter eines dieser Schulbuben, war es denn auch, die den entscheidenden Hinweis für den künftigen Namen geliefert hat. Sie soll gesagt haben: «So, ihr wollt also an die Fasnacht und wie die Basler ‹Rämbedibämbedi› die Leute erschrecken?» Die Schulbuben wollten. Aus Rämbedibämbedi wurde Räbedibäms. Et voilà, die erste und bisher einzige Hochdorfer Männer-Guuggenmusig war geboren!


Rottalschränzer Rusmu

Bestialisch: Unter diesem Sujet zeigten sich die Rottalschränzer 2019.

Bestialisch: Unter diesem Sujet zeigten sich die Rottalschränzer 2019.

PD
  • Gründungsjahr: 1970
  • Mitglieder: 55
  • Durchschnittsalter: 23 Jahre.
  • Sujet: Gate 50 – Absturz garantiert.
  • Spezielles: Zweitälteste von drei Guuggenmusigen im Dorf. Ihr Jubiläum feiern die Rottalschränzer am Fasnachtssonntag vom 23. Februar: Um 14 Uhr startet der grosse Umzug durch Ruswil, anschliessend folgt das Jubiläumsfest.
  • Geschichtliches: Die Rosswöschwyber waren seinerzeit quasi die Geburtshelferinnen der Rottalschränzer: Dank der 1966 gegründeten Ruswiler Guuggenmusig wurde die Fasnacht an der Schule fortan grossgeschrieben. Viert-, Fünft- und Sechstklässler waren es denn auch, die 1970 die Rottalschränzer ins Leben riefen, 14 Mitglieder sorgten im Gründungsjahr für zusätzliche kakofonische Klänge im Dorf. Was den Nachwuchs anbelangt hat die Guuggenmusig bewegte Zeiten hinter sich: In Spitzenzeiten zählten die Rottalschränzer über 65 Mitglieder, am Tiefpunkt waren es gerade mal noch 27 Guugger. In den letzten zwei Jahren konnten die Ruswiler wieder kräftig zulegen – auch dank mitreissenden Mundarthits wie «Häbs guet» von Plüsch oder Ohrwürmern wie «Paid My Dues» von Anastasia oder «Under» von Alex Hepburn.

Chräjemusig Entlebuch

Im gefiederten Gewand begehen die Chräje heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum.

Im gefiederten Gewand begehen die Chräje heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum.

PD
  • Gründungsjahr: 1970
  • Mitglieder: 37
  • Durchschnittsalter: 25 Jahre.
  • Sujet: Kult seit 50 Jahren.
  • Spezielles: Echte Entlebucher Chräjen feiern die Feste, wie sie fallen – und dies mit rüüdig viel Herzblut: Jubiläumsparty am 22. Februar, ab 17 Uhr; Umzugsafterparty nach dem grossen Umzug in Entlebuch am 23. Februar, 14.30 Uhr. Beide Male mit Monsterkonzert. Im Jubiläumsjahr zeigen sich die schrägen Vögel im gefiederten Gewand – im pechschwarzen Kostüm blicken sie auf 50 goldige Jahre zurück. 
  • Geschichtliches: Die Chräjemusig darf als Kind der 1968 gegründeten Chräjezunft bezeichnet werden. Deren Mitglieder gaben die nötigen Impulse und sie waren es auch, die 1970 erstmals als guuggende Chräje in Erscheinung traten. Der Name geht auf das traditionelle Entlebucher Kafi zurück: Heute ist dieses als «Schwarzes» bekannt, früher wurde von einem «Chräj» gesprochen. Die Chräjemusig hat sich statutengemäss der «Pflege von Geselligkeit und Kameradschaft» verschrieben und gehört zu den Mitbegründern des Ruuggertreffens, das am Sonntag, 16. Februar, 13.30 Uhr, in Romoos stattfindet.

Sooregosler Oberchöuch

«Venezia» hiess das Sujet im Jahr 1990.

«Venezia» hiess das Sujet im Jahr 1990.

PD
  • Gründungsjahr: 1970 
  • Mitglieder: 39
  • Durchschnittsalter: 27 Jahre.
  • Sujet: 50 tüüflisch goldigi Johr.
  • Spezielles: Jubiläumsabend mit Kleinformationen am Schmudo, Kinderfasnacht und «Guggair» mit Guuggenmusigen am 23. Februar, ab 14 Uhr. 
  • Geschichtliches: Am Maskenball in Oberkirch anno 1970 beschlossen 13 Frauen und 2 Männer, eine Guuggenmusig zu gründen. Im Nu hatten sie 30 Mitglieder beisammen, die in einem Pyjamakostüm «D Obercheler Musig im Johr 2000» verkörperten. Heutiges Markenzeichen: ihre Grende von Maskengestalter Roger Stalder aus Sursee.

Joggumusig Nüderef

2007 waren die Joggeler als Zwerge unterwegs

2007 waren die Joggeler als Zwerge unterwegs

PD
  • Gründungsjahr: 1970 
  • Mitglieder: 37 Aktive, im Jubiläumsjahr verstärkt durch 65 ehemalige Guugger.
  • Durchschnittsalter: Zwischen 19 und 34.
  • Sujet: Zirkus.
  • Spezielles: Zusammen mit der Böögenzunft Nüderef verwandeln die Joggeler das Dorf Beromünster am Umzug vom 23. Februar, 14 Uhr, in eine Manege. 
  • Geschichtliches: Der Name der Joggumusig leitet sich von der 1905 gegründeten Blasmusikkapelle Joggumusik ab. Im «Joggu» (heute Weiher) wohnte der damalige Hauptinitiant der Formation.

Wybärgschrecke Muusig Hitzkirchertal

Sujet 2019: «Mars Attacks»

Sujet 2019: «Mars Attacks»

PD
  • Gründungsjahr: 1970 
  • Mitglieder: 41
  • Durchschnittsalter: 25 Jahre. Der Jüngste ist 18, der Älteste 38 Jahre alt.
  • Sujet: 50 Johr grockt!
  • Spezielles: Spektakuläre Tambigrende, schrecklich schöne Traditionen und ein 1990 aufgestellter Weltrekord im 24-Stunden-Nonstop-Spiel zeichnen die Wybärgschrecke aus. Ihr 50-jähriges Bestehen feiern sie am 23. Februar: Um 15 Uhr startet der Jubiläumsumzug durch Hitzkirch, danach Monsterkonzert und Fest «De schrecklech Sonntig».
  • Geschichtliches: Dem Rebensaft nicht abgeneigt, suchte die Trümpeli Muusig als Vorläufer der heutigen Guuggenmusig nach einem Namen. Da sich bereits andere Narren «Räblüüs» nannten, wichen die Seetaler auf den «Wybärgschreck» aus – in Erinnerung an die historische Vernichtung der Rebberge in der Region zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Reblaus.
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