RAIN: Dreiste Attacke auf E-Mail-Konto

Er habe in London sein Geld verloren und brauche 2700 Franken für den Rückflug. Unbekannte haben vom Mail-Konto eines Lehrers solche Mails verschickt. Kein Einzelfall.

Roger Rüegger
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Offenbar kein Einzelfall: Betrüger schicken Emails aus fremden Konten. (Bild: Archiv Neue LZ)

Offenbar kein Einzelfall: Betrüger schicken Emails aus fremden Konten. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Telefondrähte von Patrik Bachmanns Anschluss laufen am gestrigen Montag heiss. Ununterbrochen nimmt der dreifache Familienvater aus Rain Anrufe von Freunden und Bekannten entgegen. Sie alle haben in den vorangegangenen Stunden Mails erhalten, die offenbar von Bachmanns Hotmail-Konto verschickt wurden. «Die Empfänger wurden gebeten, mir in einer schwierigen Situation zu helfen und deshalb einen Kredit zu gewähren», sagte der Musikpädagoge gestern morgen auf Anfrage. Er selber hat diese Mails aber nicht verfasst und erst durch die Reaktionen seiner Bekannten – beziehungsweise der Personen, die er in seinen Kontakten verwaltet – davon erfahren. «Jemand hat offensichtlich mein Mail-Konto gehackt und an sämtliche meiner Kontakt-Adressen dasselbe Mail verschickt.» Er habe sofort die Zugangsdaten im Mail-Konto geändert. Dass nicht Bachmann selber der Verfasser war, haben die meisten Empfänger selber bemerkt. Aber auch wenn ihm kein direkter Schaden entstanden sei: Dass sich einfach jemand in sein Mail-Konto einhacken könne, sei doch beängstigend.

Auffällig, weil unpersönlich

Das Mail in Bachmanns Namen beginnt wie folgt: «Ich schreibe Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, dass ich in London bin und hier festsitze, weil ich meinen Geldbeutel auf dem Weg zum Hotel verloren habe ...» Es endet mit den Sätzen: « ... ich bitte Sie hiermit, mir einen gestützten Kredit von 2700 Franken bereitzustellen, damit ich die Kosten für das Hotel zahlen kann und einen Flug nach Hause buchen kann. Ich bin in der momentanen Lage sehr besorgt und brauche dringend Ihre Hilfe ...» Das Mail sei in der Höflichkeitsform geschrieben, und ausserdem seien auffällige Schreibweisen und unpersönliche Formulierungen darin enthalten, die er so eher nicht verwenden würde, sagt Bachmann. Und auch, dass er nicht alleine nach London reise, wüssten seine näheren Bekannten.

Hacker in Nigeria

Bachmann hat immerhin herausgefunden, dass sich am Sonntagnachmittag um 16 Uhr und noch einmal gegen Mitternacht jemand in Nigeria in sein Konto einhackte. Abgesehen von den Umständen und dem Aufwand, den ihm die Hacker bescherten, ist nichts passiert. Stutzig macht ihn die Vorgehensweise trotzdem. «Ich verstehe den Sinn dieses Mails nicht. Es waren weder Bankverbindungen für eine Geldüberweisung noch eine Telefonnummer oder eine fremde Adresse aufgelistet. Man könnte, auch wenn man wollte, kein Geld fliessen lassen», sagt er.

Die Masche ist der Polizei bekannt

Der Polizei sind solche Versuche bekannt, weil sie relativ häufig vorkommen, wie Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, auf Anfrage mitteilt. «Es gibt verschiedene Arten von Hacker-Attacken. Die hier dargestellte Version ist schon länger bekannt.» Je nach Täterschaft sei die «Masche», zu Geld zu kommen, unterschiedlich. Im vorliegenden Fall könne es eine bewusste Handlung sein. Daher sei die Nachricht unbeantwortet zu löschen. Denn antworte man auf eine dubiose Mitteilung, entstehe ein Austausch von Informationen. Es sei durchaus möglich, dass der Absender weitere Forderungen stelle und später auch eine Kontonummer oder Adresse hinterlege.

Auch Politiker war Zielscheibe

Prominente Zielscheibe von Hackern war im Februar 2012 der Krienser SVP-Kantonsrat Räto Camenisch. Damals wurden ähnliche Mails von seinem Yahoo-Konto an sämtliche seiner Kontakte versendet. Mit dem Unterschied, dass er angeblich in Aberdeen in Schwierigkeiten gewesen sein soll und dass das Mail etliche Schreibfehler aufwies. Zudem war eine Telefonnummer eines Hotels angegeben.

Werden der Polizei solche Vorfälle gemeldet, wird geprüft, ob ein Straftatbestand vorliegt, um allfällige Ermittlungen einzuleiten. «Dies gestaltet sich oft schwierig, es kann auch sein, dass Hacker nicht ausfindig gemacht werden können», erklärt Graf.