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RAIN: Er singt seit 60 Jahren im Kirchenchor Rain

Der 84-jährige Hans Rebsamen singt für sein Leben gern. Seine grosse Treue zum Kirchenchor Rain honorierte selbst Rom. Der Papst meldete sich mit einer «Benemerenti».
Ernesto Piazza
Hans Rebsamen zeigt stolz seine Auszeichnung des Kirchenchors Rain. (Bild Manuela Jans)

Hans Rebsamen zeigt stolz seine Auszeichnung des Kirchenchors Rain. (Bild Manuela Jans)

Ein Blick genügt, und sofort wird klar: Das Singen im Rainer Kirchenchor bedeutete für Hans Rebsamen (84) viel. Sehr viel sogar. Auf dem Stubentisch in seiner Wohnung in Rain liegen Urkunden, Fotoalben und diverse weitere Schriftstücke. All diese Erinnerungen dokumentieren: Hier hat einer etwas erlebt, was nicht alltäglich ist. Inmitten dieser Zeitzeugen sitzt ein sichtlich stolzer Jubilar. «Das Singen war immer eine grosse Bereicherung für mein ­Leben», sagt der 84-Jährige. Auch wenn er heute gesanglich kürzer tritt, er möchte keine Stunde des Gesangs ­missen.

Mit dem Traktor zu den Proben

Als er 1949 als 20-Jähriger – nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – in den Rainer Kirchenchor eintrat, machte er sich allerdings noch keine Gedanken über eine lange Bleibe. Auf dem eigenen, etwas abgelegenen Wüestihof in Rothenburg als Landwirt arbeitend, sei dieser Schritt ein grosses Glück gewesen, erinnert er sich. Als ihn der damalige Kirchmeier Hans Wicki fragte, ob er auch Mitglied des Kirchenchors werden wolle, musste Rebsamen nicht lange überlegen. Und es war für ihn immer eine willkommene Abwechslung zum beruflichen Alltag.

Ob mit dem Velo, dem Töffli oder einer Mitfahrgelegenheit, die ihm Nachbarn boten: Die gesanglichen Termine standen bei ihm vorne in seiner Prioritätenliste. Und es kam auch vor, dass er sogar mit dem Traktor bei den jeweiligen Proben vorfuhr.

Selbst als er Ende der 60er-Jahre für drei Jahre pausierte, waren seine Gedanken oft beim Rainer Kirchenchor. «Doch damals war die Belastung einfach zu gross», weiss Hans Rebsamen. Die «Wüesti» in Rothenburg bewirtschaftete er mit seiner Frau Frieda. Mit ihr ist er seit nunmehr 55 Jahren verheiratet. Zwei Söhne und sechs Töchter vervollständigten die Grossfamilie.

Sang der Rainer Kirchenchor früher jeden Sonntag meistens lateinische Messen, hat sich dieses Bild mittlerweile stark gewandelt. «Das Requiem ist ebenfalls in den Hintergrund gerückt», so Rebsamen. Und auch die Begleitung der Sonntags-Maiandachten durch den Kirchenchor gebe es nicht mehr. Vor allem in Erinnerung geblieben ist ihm aber 2007 und damit das 100-Jahr-Jubiläum. Oder die vielen Konzerte mit Theater im Zweijahresrhythmus. «Einmal im ‹Kreuz›, dann wieder im ‹St. Josef›», wie er sagt. Dabei hatte er auch mal eine Rolle im Stück «Früehlig of em Buechehof» inne. Bei den Theaterproben lernte er übrigens auch seine Ehefrau Frieda kennen. Als sie damals noch im Restaurant St. Josef arbeitete.

«Spatzenmesse» als Favorit

Im Jahre 1961 erhielt Rebsamen beim Kirchenchor Rain auch die Ehrenmitgliedschaft. Zudem sang er während 13 Jahren beim Seniorenchor Rothenburg mit. Und er erlebte in seinen 60 Jahren 13 Dirigenten.

Durften früher keine verheirateten Frauen im Kirchenchor mitsingen, sei dies heute natürlich alles kein Thema mehr, so Rebsamen. Zudem habe sich der Chor nicht nur qualitätsmässig weiterentwickelt, und das Liederrepertoire sei vielfältiger geworden. «So war es keine Seltenheit, dass wir Gospels gesungen haben.» Eines seiner bevorzugten Werke ist jedoch die «Spatzenmesse» von Mozart – natürlich mit Orchesterbegleitung. Und der «Letzte Postillion vom Gotthard» gehört mit zu den Lieblingsstücken des Mannes mit der Bassstimme.

Turbulente Jahre für den Chor

Für Hans Rebsamen war das Singen im Rainer Kirchenchor mit seinen 33 Aktivmitgliedern immer mit viel Herzblut verbunden und wurde in all den Jahren zu einem wichtigen Stück Heimat. Nicht zuletzt deshalb legte er Ende der 70er-Jahre speziell Hand an, als der Chor in unruhige Gewässer zu entschwinden drohte. Der gesamte Vorstand war zurückgetreten. «Ich fragte damals Stefan Troxler an, ob er das Präsidentenamt übernehmen würde», blickt Hans Rebsamen zurück. Im Gegenzug offerierte er ihm, das Amt des Aktuars auszuüben. Gemeinsam gelang es ihnen, die damals 17?-jährige Heidi Brunner als neue Chorleiterin zu gewinnen. Und der Rainer Kirchenchor konnte wieder in eine Zukunft blicken.

Auf sein 50-Jahr-Jubiläum hin wurde selbst Rom aufmerksam. Mit einer Urkunde – mit der sogenannten «Benemerenti» – zeigte sich Papst Johannes Paul II. ebenfalls angetan von so viel kirchlicher Treue.

Hans Rebsamen wird mit dem Kirchenchor Rain – künftig zwar eher in der zweiten Reihe – weiterhin verbunden bleiben. Und wer weiss: Vielleicht widmet ihm Organist Fritz Felix auch am kommenden 25. Dezember zum Ausklang der heiligen Messe erneut ein musikalisches Geburtstagsstück.

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