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RAIN: Schule kommt auf den Hund

Seit einem Jahr nimmt Schulhund Balou in Rain am Unterricht teil. Dank ihm sind die Kinder ausgeglichener und motivierter, sagt die Lehrerin.
Roseline Troxler
Schulhund Balou im Einsatz an der Primarschule Rain. (Bild Manuela Jans)

Schulhund Balou im Einsatz an der Primarschule Rain. (Bild Manuela Jans)

Es ist ein ganz normaler Vormittag in einem Rainer Schulzimmer. Doch wer wedelt da eifrig mit seinem Schwanz, beschnuppert die Sechstklässler und lässt sich von ihnen streicheln? Schulhund Balou gehört seit knapp einem Jahr zum Unterricht mit dazu. Die Heilpädagogin Kerstin Cattin ist Besitzerin des Grosspudels. Balou besucht seit dem vergangenen Sommer jede Woche eine dritte Klasse, zwei fünfte Klassen sowie eine sechste Klasse in Rain. Es handelt sich dabei für Cattin um normale Einsätze als Heilpädagogin.

Sarah Fuchs, Lehrerin der sechsten Klasse, war zu Beginn etwas skeptisch gegenüber der Idee eines Schulhunds. Nun sagt sie aber: «Wenn Balou in der Klasse ist, spüre ich, dass die Stimmung der Schüler positiver ist. Sie arbeiten ruhiger und motivierter.» Der Schulhund ist pro Woche während vier Stunden im Unterricht dabei. Laut Fuchs finden es die meisten Kinder super, dass sie im Unterricht von einem Schulhund besucht werden. «Nur wenige hatten zu Beginn etwas Respekt. Die Angst ist aber schnell verflogen.»

Schüler absolvieren Parcours

Die Kinder kommen aufgedreht von der Pause in den Singsaal. Sie absolvieren nun jedes einzeln mit dem Schulhund einen Parcours. Fünfzehn Mal läuft Balou mit jedem Schüler geduldig Slalom, springt über ein Hindernis und macht Sitz, bevor er ein Leckerli erhält. Die Sechstklässler müssen sich bis zuletzt konzentrieren, dass er sitzen bleibt, bevor das nächste Kind an der Reihe ist. «Dafür ist die Kommunikation sehr wichtig», sagt Kerstin Cattin.

Zurück im Klassenzimmer ist es nun erstaunlich ruhig, während die Schüler ein Diktat vorbereiten. Balou streift durch das Zimmer. Die Kinder streicheln ihn, während sie dem Unterricht folgen. «Am Anfang richten die Schüler die Aufmerksamkeit schon stark auf den Hund», sagt Cattin und ergänzt: «Erstaunlich ist aber, dass Schüler, welche sonst unkonzentriert sind, durch den Hund mit der Zeit viel konzentrierter arbeiten.» Dies erlebt auch Schülerin Jorina (12) so: «Wenn Schulhund Balou in unserer Klasse ist, kann ich mir den Schulstoff besser merken.»

Für Cattin bedeutet der Einsatz des Schulhundes zusätzliche Arbeit. «Ich muss mich während des Unterrichts auch auf Balou konzentrieren. Wenn er gestresst ist, schaue ich, dass ich ihn aus der Situation nehmen kann.» Ein Schulhund müsse gut erzogen und menschenfreundlich sein. Höchste Priorität habe die Beziehung zwischen Halter und Hund. Cattin ist überzeugt, dass Balou sie gerne in die Schule begleitet. «In den Ferien ist er jeweils extrem anhänglich und braucht von mir mehr Streicheleinheiten.»

«Hunde wirken ausgleichend»

Cattin, die eine Weiterbildung in tiergestützter Pädagogik absolviert hat, ist überzeugt von den positiven Auswirkungen von Hunden. «Sie wirken ausgleichend: Ruhige Kinder kommen durch Schulhunde mehr aus sich heraus, aktive Schüler nehmen sich eher zurück.» Zudem werde die Motivation für die Schule verstärkt. Ein weiteres Anliegen ist für Cattin die Bissprävention. «Viele Leute glauben, dass ein Hund plötzlich ein Kind angreift. Dies stimmt nicht. Hunde kommunizieren zuerst.» Die Körpersprache des Hundes richtig zu interpretieren, das will Cattin den Schülern beibringen.

Die Reaktionen auf den Schulhund sind laut Cattin von den meisten Kindern, Lehrern wie auch Eltern positiv. «Vor allem zu Beginn gab es bei einigen Eltern aber auch Skepsis.» Diese sei aber, sobald die Kinder vom Hund erzählten, bei den meisten Eltern verflogen.

Für den Einsatz von Balou im Unterricht brauchte Cattin die Bewilligung der Schulleitung und der Schulpflege. Danach informierte sie die Eltern, die Lehrer und den Hauswart. Bei einer Allergie könnte Cattin den Hund nicht in die Klasse mitnehmen. Doch die Heilpädagogin hat mit der Hundewahl bereits vorgesorgt. «Pudel haaren nicht und lösen kaum Allergien aus.»

Einen Gemeindebeitrag für den Unterhalt des Hundes, etwa für das Futter, erhält Cattin übrigens nicht.

In der Stadt gibt es viele Schulhunde

Wie viele Schulhunde es im Kanton Luzern gibt, ist unbekannt. Sie werden nicht registriert. Seit Ende 2012 gibt es den Verein Schulhunde Schweiz. Er hat gut 50 Mitglieder. Im Kanton Luzern gibt es laut der Präsidentin Lorena Bettin zehn Schulhundeteams. «Die meisten werden in der Stadt eingesetzt.» Bettin vermutet jedoch, dass auch auf dem Land viele Hunde in den Schulzimmern anzutreffen seien. Und sie sagt: «Die Bedeutung von Schulhunden wird steigen. Die Entwicklung im Gebiet der hundegestützten Pädagogik befindet sich in der Schweiz noch in den Kinderschuhen.»

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