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Rajah Marbach ist 31, hat Brustkrebs und will kein Mitleid

Die Krebsliga Zentralschweiz hat die Gesprächsgruppen für brustkrebsbetroffene Frauen neu ausgerichtet. Zu den jüngsten Teilnehmerinnen gehört die aus Adligenswil stammende Rajah Marbach.
Alexander von Däniken
Sie hat sich für eine offene Kommunikation über ihre Krankheit entschieden: Rajah Marbach. (Bild: avd)

Sie hat sich für eine offene Kommunikation über ihre Krankheit entschieden: Rajah Marbach. (Bild: avd)

Das Treppensteigen bereitet ihr Mühe, unter der Wollmütze schauen keine Haare hervor. Die Chemo-Therapie hinterlässt bei Rajah Marbach sichtbare Spuren. Den Tag, der ihr den Boden unter den Füssen weggezogen hat, wird sie nicht mehr vergessen: Am 20. August 2018 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. «Das war seither der emotionalste Moment.»

Wenige Wochen vor der Diagnose über den Tumor mit 4 Zentimetern Durchmesser, die sie mit 30 erhielt, hat sie erstmals eine harte Stelle an ihrer Brust ertastet. Als dann auch ihr Freund zu einer Untersuchung riet, ging alles schnell: Frauenärztin, Biopsie im Luzerner Kantonsspital, Termine zur Chemo-Therapie während 20 Wochen. Im Februar folgt eine Operation, bei der ihr Gewebe in der Brust entfernt wird, dann Bestrahlung und eine Antihormontherapie.

Von Anfang an aktiv kommuniziert


Es gibt schönere Termine und Gesprächsthemen. Doch Rajah Marbach hat sich von Anfang an für eine aktive Kommunikation entschieden. Zuerst hat sie die engsten Freundinnen und die Familie informiert, dann den Chef und die Arbeitskollegen. «Am Anfang habe ich befürchtet, dass mir die Leute mit Mitleid begegnen. Zum Glück war es nicht so.»

Rajah Marbach stammt aus Adligenswil, wohnt mittlerweile in Dallenwil, hat im letzten Sommer an der Hochschule Luzern das Studium als Gebäudetechnikerin abgeschlossen und arbeitet bei der Herzog Haustechnik AG in Littau. Ob von den Arbeitskollegen oder Familienmitgliedern – aus den offenen Gesprächen schöpfe sie viel Kraft: «Darüber sprechen gibt unglaublich viel Energie.»

Dem schliesst sich auch die Krebsliga Zentralschweiz an. Diese hat ihr Angebot für Brustkrebsbetroffene kürzlich überarbeitet. Und bietet neu Gesprächsgruppen für Frauen ab 50 und Frauen bis 49 an. Bis Ende letzten Jahres gab es je eine Selbsthilfegruppe am Nachmittag und am Abend. Beide freiwilligen Leiterinnen gaben jedoch zum Jahresende ihr Amt ab. Beide Gruppen wurden zusammengelegt und neu in Altersklassen unterteilt.

Häufig geht es in den Kursen um die Zurückeroberung der Normalität, weiss Carmen Schürer. Die 53-jährige Psychologin und Psychotherapeutin gibt seit 2005 Kurse für die Krebsliga. «Frauen stellen sich die Frage, wie es gelingen kann, die Erkrankung und deren Therapie so in die Biografie zu integrieren, dass ihre Lebensfreude nicht dauerhaft von Ängsten überlagert wird», sagt Schürer, die als Psychoonkologin im Tumorzentrum des Luzerner Kantonsspitals arbeitet. Die Psychoonkologie beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen der Erkrankung und deren Auswirkungen auf das gesamte Leben.

In Kursen werden auch Tabuthemen angesprochen


Ziele der Kurse sind die Hilfe zur Selbsthilfe und der Austausch unter Betroffenen, sagt Carmen Schürer. «Im Kurs ‹Jung und Brustkrebs’ zum Beispiel, welchen ich aufgrund meiner Beratungen vieler junger Frauen mit Brustkrebs entwickelt habe, geht es auch um Tabuthemen: Wie kann man zum Beispiel in der Partnerschaft mit einem veränderten Bedürfnis nach Sexualität umgehen, wie kann ein durch die Krankheit zurückgestellter Kinderwunsch betrauert werden oder wie gestalte ich mein Leben nach einer Brustamputation?»

In der Regel kommen an einem Abend zwischen sechs und zwölf Frauen an einen Kurs. Die psychologische Betreuung der Betroffenen in den Spitälern ist laut Schürer zwar gut. «Manchmal ist jedoch die persönliche Hürde, die psychologische Beratung anzunehmen, hoch. Das Erreichen möglichst vieler betroffener Frauen ist mir ein Herzensanliegen.»

Rajah Marbach hat bisher einmal an einem Gruppengespräch teilgenommen. Und bereut es nicht:

«Die Erfahrung anderer hilft ungemein. Und das bei den verschiedensten Themen. Von alternativen Methoden zur Linderung von Nebenwirkungen bis zu Empfehlungen im Alltag.»

Sie versteht aber auch jene Frauen, die nicht so offen über ihre Krankheit sprechen. Schliesslich sei das sehr individuell. Marbach ist erblich vorbelastet, der Tumor hat zwar das Lymphsystem erfasst, aber nicht gestreut. «Ich konnte es schnell akzeptieren, sehe generell das Positive im Leben und habe ein tolles Umfeld.»

Die Krebserkrankung stellt darum keine Zäsur in ihrem Leben dar, sondern ist Anlass für einen bewussteren Alltag: «Ich nehme mir den ärztlichen Rat, mehr Sport zu treiben, zu Herzen – auch wenn das im Moment nur eingeschränkt möglich ist.» Zudem achte sie bewusster auf die Ernährung und setze Kleinigkeiten wie Treffen mit Kollegen oder Ausflüge mit dem Freund eher, um als sie hinauszuschieben. «Familie und Freunde sind wichtige Stützen.»

Angst um ihr Leben hat sie nicht. Der Krebs hat ihr aber vor Augen geführt, dass das Leben von einer auf die andere Sekunde eine Wendung nehmen kann. Da dieses Risiko bei allen Menschen besteht, versteckt Rajah Marbach ihre Krankheit nicht.

Krebsrisiko bei Frauen mit 30
zwölf Mal geringer als mit 80

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt für Frauen wie für Männer mit dem Alter an. So erkranken nur 123 von 100'000 Frauen zwischen 30 und 34 Jahren an Krebs, bei den 80- bis 84-Jährigen sind es 1556 von 100'000 Frauen. In den vier Zentralschweizer Kantonen Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden sind gemäss Lustat Statistik Luzern im Durchschnitt der Jahre 2011 bis und mit 2015 jährlich 2355 Personen oder rund 0,5 Prozent der Bevölkerung neu an Krebs erkrankt.

Bei den Zentralschweizer Frauen ist Brustkrebs mit 31 Prozent aller Fälle die häufigste Krebsart, gefolgt von Tumoren im Dickdarm (10 Prozent), an der Haut (8) und der Lunge (7). Bei Männern kommt Lungenkrebs am häufigsten vor (20 Prozent), gefolgt von Prostata- (16) und Dickdarmkrebs (9). Krebsneuerkrankungen sind hier etwas seltener als in der Gesamtschweiz. (avd)

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