RANGLISTE: Der Sieger relativiert

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Der Standort Wolhusen des Luzerner Kantonsspitals (Luks) wurde vom Vergleichsdienst welches-spital.ch zum besten Deutschschweizer Spital gewählt. Kriterien waren Behandlungserfolg, das Ausbleiben von Komplikationen und die Patientenzufriedenheit. Die ausgewerteten Daten stammen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Nationalen Verein für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ). Eine solide Datenbasis aus zuverlässiger Quelle also.

Marco Stücheli, Sprecher des Luks, freut sich grundsätzlich denn auch über das positive Ergebnis: «Das ist eine verdiente Auszeichnung für den Luks-Standort Wolhusen.» Trotzdem begegnet er dieser wie ähnlichen Ranglisten mit Skepsis – weil sie oft nicht Gleiches mit Gleichem vergleichen würden.

Eine ähnliche Meinung vertritt Dorit Djelid vom Branchenverband der Schweizer Spitäler: «Qualitätsdaten aus nationalen Messungen erlauben keine Rückschlüsse für Ranglisten. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen», sagt die Verbandssprecherin. Spitäler hätten unterschiedliche Leistungsangebote und seien deshalb auch mit ganz unterschiedlichen Fällen konfrontiert. So wirke sich etwa der Anteil Schwerstkranker und komplexer Operationen auf die Sterberate aus. Manche Kriterien, die für Ranglisten berücksichtigt werden, seien für Kliniken gar nicht beeinflussbar, etwa gewisse Ereignisse, die zu einer Rehospitalisierung führen.

«Sobald man misst, entsteht eine Rangfolge»

Manuela Gschwend, Präsidentin des Vereins Spitalvergleich Schweiz, der welches-spital.ch betreibt, kann diese Kritik teilweise nachvollziehen. Sie wäre froh, wenn sie mit aktuelleren Daten arbeiten könnten. Dem Verein sei aber bewusst, dass deren Erhebung und Validierung äusserst zeitaufwendig sei. Von der Verlässlichkeit der verwendeten Daten ist sie jedoch überzeugt. Ausserdem glaubt Gschwend, «dass Bestenlisten einem legitimen Patientenbedürfnis entsprechen und dass deren Erstellung ein logischer Schritt ist: Sobald man misst, entsteht von selbst eine Rangfolge – ausser man schaut absichtlich weg.» Die grundsätzliche Idee der Plattform sei es jedoch, dass Besucher anhand ihrer Kriterien eine personalisierte Rangliste zusammenstellen und so das beste Spital für ihre Bedürfnisse finden.


Manuel Burkhard

redaktion@luzernerzeitung.ch