Rat pfeift Kafi-Schnaps Kontrolleure zurück

Das Parlament der Stadt Luzern hat den geplanten Kafi-Schnaps-Kontrollen an der Fasnacht einen Riegel geschoben - vorerst.

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Fasnächtler genehmigen sich ein Bierchen.

Fasnächtler genehmigen sich ein Bierchen.

«Offenbar ist die Narrenfreiheit beim Stadtrat grenzenlos.» Anders konnte sich SVP-Fraktionschef Werner Schmid nicht erklären, was Stadträtin Ursula Stämmer für die Fasnacht geplant hatte: Zusätzliche Kontrollen, die dem illegalen Ausschank von Getränken durch Fasnachtsgruppen oder Guuggenmusigen einen Riegel schieben sollten. Daher forderte Schmid in einer Dringlichen Interpellation Aufklärung über diese Pläne.

Und der Grosse Stadtrat hatte sich an seiner gestrigen Debatte noch mit einem weiteren Vorstoss zur Fasnacht zu beschäftigen. Denn auch die FDP konnte dem Vorhaben des Stadtrats nichts abgewinnen. Sie forderte in einem Dringlichen Postulat, dass die verstärkten Kontrollen für die Fasnacht 2011 sistiert werden. Grossstadtrat Daniel Wettstein, der das Postulat namens der FDP-Fraktion eingereicht hatte, störte sich besonders daran, dass nicht klar definiert wurde, was genau geahndet werden soll: «Viele wissen schlicht nicht, was jetzt erlaubt ist.» Seine Forderung: Genaue Definitionen müssen her, die rechtzeitig vor der nächsten Fasnacht kommuniziert werden.

Der Stadtrat lehnte das Postulat ab. Sicherheitsdirektorin Ursula Stämmer: «Ich finde, wir haben ein Konzept, und das reicht.» Genauer ging sie während der Debatte nicht auf die beiden Vorstösse zu den geplanten Kontrollen ein. In den schriftlichen Antworten auf die Vorstösse heisst es einerseits, dass keine «Jagd auf Guuggenmusigen» geplant sei, «die hier und da einen Kafi Schnaps oder andere Getränke offerieren». Man habe immer nur die illegalen Stände im Visier gehabt. Allerdings steht in der Antwort auch: «Bezüglich der Ahndung lassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen keinen Spielraum zu.»

Ein Widerspruch, fand Daniel Wettstein und hielt an seinem Postulat fest. Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von der SVP. Denn die Fragen der Interpellation seien nicht beantwortet worden, sagte SVP-Grossstadtrat Marcel Lingg. Und: «Wir wollen, dass an dieser Fasnacht Ruhe ist.» Für die Formulierung erntete Lingg zwar allgemeines Gelächter, doch seine Intention war klar und fand Zustimmung: «Macht die Fasnacht nicht kaputt.»

Korintha Bärtsch (Grüne) war «froh um die Vorstösse» von SVP und FDP. «Es ist nicht richtig, kreative Fasnachtsgruppen zu bestrafen, wenn sie Kafi-Schnaps verkaufen, um sich Kostüme zu finanzieren oder vielleicht noch etwas dazuzuverdienen», sagte sie. Nun müsse man sich Zeit nehmen, um ausführlich und intensiv darüber zu diskutieren, was erlaubt werden soll und was nicht.

Fritschivater hinter Gittern

Regeln an der Fasnacht? Der Idee konnte SP-Grossstadtrat David Roth generell nichts abgewinnen. Der Fritschivater hinter Gittern, weil er mit Orangen geworfen hat – das war nur eine seiner düsteren Visionen. «Freuen Sie sich schon mal auf den Kinderhort, den die Polizei einrichten kann, wenn sie alle einsperrt, die mit Konfetti werfen.» Dem Postulat der FDP wollte er aber nicht zustimmen: «Wenn ihr das überweist, gebt ihr dem Stadtrat den Auftrag, ein Reglement für die Fasnacht zu erstellen.» Lieber solle man die ganze Diskussion vergessen. Die Kafi-Schnaps-Kontrollen seien ohnehin nicht umsetzbar. An die Guugger gewandt, sagte er deshalb: «Machen Sies einfach. Ich bin sicher, es wird Sie niemand hindern.»

Das Parlament wollte es aber nicht darauf ankommen lassen: Mit 23 zu 18 Stimmen überwies der Grosse Stadtrat das Postulat.

Silvia Weigel