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Ratten und Abfallberge: In diesem Haus herrscht dicke Luft wegen eines Restaurants

Mit indischen Touristen macht ein Restaurant in Ebikon das grosse Geschäft und sorgt für viel Abfall. Nachbarn haben deswegen schon mehrfach bei der Hausverwaltung reklamiert - der Wirt ortet derweil eine Verschwörung.
Roman Hodel
Das betroffene Gebäude an der Luzernerstrasse in Ebikon. (Bild: hor)

Das betroffene Gebäude an der Luzernerstrasse in Ebikon. (Bild: hor)

Berge von Abfallsäcken, viele davon voller Essensreste, ein wirres Durcheinander von Schachteln - und dazwischen immer wieder mal Ratten. Das sieht Marco Britschgi laut eigenen Angaben oft, wenn er aus einem der beiden Fenster seiner Wohnung an der Luzernerstrasse 6 in Ebikon nach unten sieht. Wobei der Anblick noch das harmloseste sei: «So bald die Temperaturen ansteigen, wird der Gestank unerträglich», sagt der 43-Jährige. «Lüften zum Beispiel kannst du vergessen.» Das bestätigt die Mieterin ein Stockwerk unter ihm, Lilijana Colovic: «Ich kann die Fenster auf dieser Seite der Wohnung oft tagelang nicht öffnen - es ist grauenhaft», sagt die 43-Jährige.

Der Entsorgungsplatz gehört zum Restaurant Tandoori im Erdgeschoss. Gleich carweise werden hier seit 2009 indische Touristen verköstigt. «Ich gönne dem Wirt ja, dass es gut läuft - aber etwas Rücksicht gegenüber uns Wohnungsmietern wäre angezeigt», sagt Jörg Siedler. Er lebt - wie die meisten Mieter - seit Jahrzehnten in dem Haus; war selber früher Pächter dieses Restaurants, als es noch Silvester hiess. Er sagt: «Dass eine Beiz manchmal laut sein kann oder Gerüche verursacht, ist nicht zu verhindern - doch was hier abgeht, ist des Guten zu viel.»

Blick auf den Entsorgungsplatz des Restaurants diesen Frühling. (Bild: pd)

Blick auf den Entsorgungsplatz des Restaurants diesen Frühling. (Bild: pd)

Laut mehreren Mietern würden die Angestellten des Restaurants oft weit nach Mitternacht noch Abfälle um- oder ausladen. Sie vermuten, dass der Pächter Güsel von seinen anderen Lokalen hier entsorgt. «Anders kann ich mir diese riesigen Abfallberge nicht erklären», sagt Marco Britschgi. «Wir haben uns schon mehrfach bei der Liegenschaftsverwaltung über die Zustände beschwert, meist besserte sich die Situation aber nur kurzzeitig.»

Schon zwei Mal vor der Schlichtungsbehörde

Tatsächlich zeigen Briefe und Mails, die unserer Zeitung vorliegen, dass der Knatsch schon mehrere Jahre andauert. Bereits 2011 gelobte der Hauseigentümer, eine Privatperson, Besserung. Zwei Mal kam es überdies zu einer Schlichtungsverhandlung zwischen Marco Britschgi und der Verwaltung, beziehungsweise dem Hauseigentümer - wobei der Mieter eine vorübergehende Mietzinsreduktion zugesprochen erhielt. Wegziehen kommt für ihn nicht in Frage: «Die Lage ist zentral, der Mietzins stimmt.» Das sehen andere Bewohner gleich: «Zudem bin ich in diesem Haus aufgewachsen - uns gefällt es, eigentlich», sagt Gordana Djordjevic (33). «Wir hoffen, dass die Verwaltung endlich reagiert.»

Bei der Liegenschaftsverwalterin Livit hat man «Kenntnis von der Situation», wie Mediensprecherin Marietta Hersche auf Anfrage schreibt. Die Abfallentsorgung habe bereits in der Vergangenheit zu Reklamationen geführt seitens Wohnungsmieter. «In der Folge wurden verschiedene Massnahmen getroffen und der Restaurant-Betreiber aufgefordert, Ordnung zu halten.» Nun führe man mit ihm erneut Gespräche, prüfe lösungsorientierte Massnahmen und werde diese in Absprache mit der Eigentümerschaft umsetzen. In einem ersten Schritt habe man eine Firma zur Schädlingsbekämpfung aufgeboten. Es ist der Livit gemäss Marietta Hersche ein «grosses Anliegen, dass die Interessen von allen Mieterinnen und Mietern gewahrt werden.»

Abfallberge am Kehrichtabfuhrtag vor dem Haus. (Bild: pd)

Abfallberge am Kehrichtabfuhrtag vor dem Haus. (Bild: pd)

Zumindest bei den Behörden ist das Restaurant bislang nicht negativ aufgefallen, wie Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei sagt. Das betreffe sowohl die Lebensmittelkontrolle wie auch die Verkehrssituation, mit manchmal mehreren Cars vor dem Lokal. «Diese halten inzwischen nur noch kurzzeitig zum Ein- und Aussteigen.» Zu Vorwürfen seitens Wohnungsmieter wie beispielsweise den hygienischen Zuständen auf dem Entsorgungsplatz sagt Graf: «Wir werden bei entsprechenden Hinweisen aktiv - können aber nur rapportieren, wenn wir tatsächlich auch Verfehlungen antreffen.»

«Bei uns geht alles mit rechten Dingen zu»

Und Verfehlungen gibt es laut dem Pächter des Restaurants Tandoori, Khawar Saeed, keine: «Bei uns geht alles mit rechten Dingen zu.» Es sei richtig, dass er in Ebikon die Entsorgung seiner Betriebe zentralisiert habe. Dazu zählen in Luzern ein Restaurant und Take-away am Löwengraben, ein Take-away am Hallwilerweg sowie das Catering in Hotels und auf Vierwaldstättersee-Schiffen. Die zwölf Bioabfall-Container mit Essensresten und die sieben regulären Container würden wöchentlich geleert. Auch fahre man täglich in den Ökihof. Zustände wie auf den Fotos seien die Ausnahme. «Das war nach einem Feiertag», so Saeed. «Die Fotos wurden extra dann gemacht, um mir zu schaden.»

Khawar Saeed sagt, er habe sogar nochmals zusätzliche Container gekauft. «Livit kontrolliert mich zurzeit jeden Tag und ich versichere Ihnen, es herrscht immer Ordnung.» Das bestätigen mehrere Augenscheinnahmen vor Ort. Doch was ist mit den Ratten? «Die kommen halt aus dem nahen Bach.» Er habe die Schädlingsbekämpfung deswegen auch schon selber gerufen. Saeed findet, die Anwohner würden übertreiben: «Die Hochsaison in Ebikon dauert nur von April bis August - in den restlichen Monaten ist es ruhig.» Er ortet hinter dem Ganzen eine Verschwörung: «Gewisse Leute im Haus wollen mich draussen haben.» Kürzlich seien mehrere seiner Plastikstühle und eine Glastüre demoliert worden. Khawar Saeed: «Ich frage mich schon, wer das wohl gewesen ist?»

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