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RAUBTIER: Wolf-Alarm kommt zehn Tage zu spät

Wird ein Wolf gesichtet, alarmieren die Zentralschweizer Kantone die Bauern innert Minuten per SMS. In Schwyz dauerte es Tage – zum Ärger der Landwirte, aber auch des Kantons.
Alexander von Däniken
Gerade im Sommer sind Schafe und Geissen auf der Alp einer erhöhten Gefahr von Wolfangriffen ausgesetzt. (Bild: Romano Cuonz)

Gerade im Sommer sind Schafe und Geissen auf der Alp einer erhöhten Gefahr von Wolfangriffen ausgesetzt. (Bild: Romano Cuonz)

Alexander von Däniken

Sommerzeit ist Sömmerungszeit: Gerade jetzt sind Schafe und Geissen auf der Alp einer erhöhten Gefahr von Wolf­angriffen ausgesetzt. Gut gibt es in den meisten Kantonen einen SMS-Alarm. Bei Wolfsichtungen oder verdächtigen Schafrissen informieren die Kantone die Landwirte mittels Kurznachricht. Kurz sollte auch die Interventionszeit der Behörden sein, damit die Bauern ihre Tiere rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Genau das war im Kanton Schwyz aber nicht der Fall, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen.

Das Schwyzer Amt für Landwirtschaft schrieb den Bauern eine SMS, wonach bei Willerzell am 31. Juli/1. August eine Wolfsichtung gemeldet worden ist. Nur: Die Nachricht haben die Bauern erst am 11. August erhalten – zehn Tage später.

Landwirt: Vorteil nicht ausgespielt

Der Oberiberger Landwirt und SVP-Nationalrat Marcel Dettling ärgert sich: «Das ist eindeutig zu langsam. Zumal der Wolf alleine in einer Nacht etwa 50 Kilometer zurücklegen kann.» Der grosse Vorteil des SMS-Alarms – die schnelle Auslösung – werde so ad absurdum geführt. Die Bauern entscheiden zwar freiwillig, ob sie ihre Tiere in Sicherheit bringen wollen, «wenn sie handeln wollen, müssen sie aber sofort informiert werden», sagt Dettling.

Der Kanton Schwyz habe schon einmal bewiesen, dass er zu zögerlich informiere. «Als im Mai in Uri und in Schwyz ein Bär gesichtet worden ist, haben die Urner Behörden schnell informiert. Die Schwyzer hingegen wollen den Bär bis jetzt noch nicht identifiziert haben», sagt Dettling. «Dabei wäre der SMS-Alarm eine gute Sache.»

Schwyz: Bauern melden zu spät

Warum wurden die Schwyzer Bauern so spät informiert? Erich von Ah, Herdenschutzkoordinator beim kantonalen Amt für Landwirtschaft: «Die Wildhut entscheidet über den Versand und den Inhalt der SMS. Im konkreten Falle waren dies drei voneinander unabhängige Sichtungen, die nach und nach bei der Wildhut eintrafen. So ergab sich für uns erst am 10. August abends die nötige Sicherheit, die einen SMS-Versand rechtfertigte.»

Die Wildhut und von Ah haben sich dann trotzdem noch für das Verschicken der SMS entschieden. «Auch, um den Bauern zu signalisieren, dass wir auf möglichst zeitnahe Meldungen angewiesen sind – dann aber schnell reagieren», so von Ah. Heisst: Normalerweise dauere das Erstellen und Versenden einer Nachricht maximal zehn Minuten. Weiter sprach für den SMS-Versand, dass sich der Wolf noch immer im Gebiet aufhalten könne – auch wenn bis dato noch keine Risse bekannt sind. Darauf deute auch der erste der zwei SMS-Alarme in diesem Jahr hin, welcher ebenfalls aus dem Gebiet Einsiedeln/Etzel stamme.

Dass von Ah jetzt Rückmeldungen von Bauern zum verspäteten Versand erhält, nimmt er darum in Kauf. Er hätte eine kurze Erklärung gleich in der SMS mitgeliefert, «aber bei maximal 160 Zeichen ist das kaum möglich». In Schwyz besteht der SMS-Alarm seit diesem Frühling.

Luzern: Glaubwürdig muss es sein

In anderen Zentralschweizer Kantonen wird nicht lange gezögert. Philipp Amrein von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern sagt zum Beispiel: «Sobald ein gut gesicherter Hinweis besteht, schicken wir eine SMS innerhalb von wenigen Minuten raus.» Glaubwürdig könne auch die Sichtmeldung einer Person sein, wenn sich diese auf ein Gebiet bezieht, das ins Bewegungsmuster eines Wolfs passe. Dass zum Beispiel ohne vorherige Meldungen ein Wolf mitten in Sursee auftauche, ohne Spuren auf seiner Route zu hinterlassen, sei unwahrscheinlich und keinen Alarm wert.

Auch in Nidwalden wird umgehend nach einer Wolfsichtung alarmiert, wie Bruno Lussi vom Amt für Landwirtschaft erklärt: «Ist eine eingegangene Meldung zwar glaubwürdig, aber nicht vom Wildhüter bestätigt, teilen wir mit, dass es sich um eine vermutete Wolfsichtung handelt.» Bei Schadenfall durch einen Wolf werde immer alarmiert. Das dauere maximal zehn Minuten, wenn sich das Amt für Landwirtschaft und die Fachstelle für Jagd und Fischerei abgesprochen hätten. Neunmal haben die Nidwaldner Behörden dieses Jahr bis jetzt alarmiert. In Obwalden gibt es bei einer Sichtungsmeldung zwei Kriterien, ob Alarm ausgelöst wird: die Vertrauenswürdigkeit der Auskunftsperson und die bisherigen Meldungen, sagt Andreas Bacher, Leiter der Abteilung Wald und Natur.

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