Raubüberfall
Frau wollte beim Luzerner Strassenstrich abkassieren – jetzt steht sie vor Gericht

Mit Pistole und Pfefferspray sind Prostituierte bedroht worden. Eine Mittäterin ist nun wegen Raubes angeklagt.

Sandra Monika Ziegler
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Eine Prostituierte wartet im Ibach auf Kundschaft.

Eine Prostituierte wartet im Ibach auf Kundschaft.

Symbolbild LZ

Eine der Täterinnen steht am Montag vor dem Luzerner Kriminalgericht. Sie ist geständig. Was war geschehen? Im Ibach, auf dem Luzerner Strassenstrich, spielte sich im August 2017 folgende Szene ab: Ein rotes Auto fuhr vor, zwei Männer stiegen aus und postierten sich vor dem Auto. Wenig später stiegen zwei Frauen aus. Die Männer blieben stehen und die Frauen gingen mit Pistole und Pfefferspray auf zwei Prostituierte zu. Eine schrie: «Geld her oder ich schiesse!»

Die Prostituierten waren verängstigt und warfen den Frauen 470 Franken vor die Füsse. Diese rafften das Geld zusammen, stiegen ins rote Auto und fuhren davon. So wird der Tathergang in der Anklageschrift beschrieben. Das Geld teilten die vier unter sich auf, die Tat hatten sie zuvor gemeinsam geplant.

Zweiter Raub ohne Beute

Die Täterschaft ging zwei weitere Male so vor: nochmals im August und dann im September 2017. Doch beim zweiten Versuch wehrte sich eine der Prostituierten, denn sie erkannte das rote Auto. Sie rief die Polizei. Als die beiden Frauen nach dem gleichen Muster mit Pistole und Pfefferspray Geld forderten, fing sie an zu schreien und sagte, sie habe bereits die Polizei verständigt. Die beiden Frauen eilten ohne Beute zurück zum roten Auto und machten sich aus dem Staub. Beim dritten Mal klappte es wieder. Die bedrohten Prostituierten händigten 320 Franken aus.

Laut Anklageschrift war nicht zu erkennen, ob es sich bei der verwendeten Pistole jeweils um die gleiche und ob es sich dabei um eine Schreckschusspistole handelte. Deshalb wurde zugunsten der Beklagten von einer Schreckschusspistole ausgegangen. Für die Prostituierten war jedoch nicht erkennbar, ob eine echte Pistole auf sie gerichtet wurde. Die Angst sass ihnen in den Knochen.

Kooperativ bei der Aufklärung

Laut Anklageschrift hat die nun angeklagte 22-jährige Brasilianerin eine schwerwiegende Straftat begangen und ist zu verurteilen: Zwei Jahre bedingt bei einer Probezeit von drei Jahren seien für Schuld und Tat angemessen. Ihr zugute gehalten wird, dass sie bereits bei der ersten Einvernahme ein vollständiges Geständnis abgab und sich reuig zeigte. Seit den Raubüberfällen lebt die heute 22-jährige Frau straffrei und hat seit März 2020 einen 100-Prozent-Job.

Zu ihrer Vorgeschichte wird vermerkt: Nachdem ihre Grossmutter gestorben war, kam die Frau mit 13 Jahren in die Schweiz. Hier lebte bereits ihre Mutter. Das vormalige mutterlose Aufwachsen sei sehr schwierig gewesen. Und in der Schweiz hätte sie dann zu Beginn dauernd Streit mit der Mutter und dem Stiefvater gehabt. Sie musste in psychiatrische Behandlung.