REAKTIONEN: Unisex-WC im Hotel Anker in Luzern spaltet Stadt und Land

Das Luzerner Restaurant Anker verzichtet auf getrennte Toiletten. Beim kantonalen Gastroverband sorgt dies für Kopfschütteln. Ganz anders sieht es beim städtischen Teilverband aus.

Stefan Dähler
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Der Eingang zum Unisex-WC im Restaurant Anker. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016)

Der Eingang zum Unisex-WC im Restaurant Anker. Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016)

Heute, Mittwoch, eröffnet das Hotel-Restaurant Anker an der Pilatusstrasse – und damit geht auch die erste Unisex-Toilettenanlage in einem Luzerner Restaurant auf. Nur: Die rechtliche Grundlage für solch ein WC fehlt. Gemäss der kantonalen Verordnung zum Gesetz über das Gastgewerbe müssen Restaurants nach Geschlechtern getrennte Toiletten anbieten (Ausgabe vom Dienstag).

Bei Gastro Luzern, dem kantonalen Verband für Restaurateure, Hoteliers und Cafetiers, will man diese Verordnung beibehalten. «Ich halte gar nichts von Unisex-WCs und hoffe, dass die Gesetzgebung solche nie zulassen wird», sagt Verbandspräsident Ruedi Stöckli, der zudem auch SVP-Kantonsrat ist. «Sollen denn die Mütter ihre Babys auch noch auf diesen WCs wickeln?» Ausser dem «Anker» sei Stöckli kein weiterer Betrieb bekannt, der solch eine Toilettenanlage betreiben will. «Bei Restaurants auf dem Land ist dies kein Thema – im Gegenteil. Ich könnte mir vorstellen, dass dies für ältere Leute eher abschreckend wirkt.»

«Jeder Betrieb soll selbst entscheiden»

Ganz anders tönt es beim Regionalverband Gastro Stadt Luzern, einer Teilorganisation von Gastro Luzern. Das Thema stehe zwar nicht zuoberst auf der Traktandenliste. «Wir würden eine Änderung der gesetzlichen Grundlage aber befürworten. Das System ist derzeit zu stur», sagt Patrick Grinschgl, Präsident Gastro Stadt Luzern. «Jeder Betrieb sollte selbst entscheiden können, ob er getrennte WCs anbieten will oder nicht.» Dass sich Gäste an Unisex-Toiletten stören könnten, glaubt Grinschgl nicht. «Am allerwichtigsten ist, dass ein WC sauber ist. Aber letztendlich kann der Gast ja selbst entscheiden, in welches Restaurant er gehen will, das ist der freie Markt.» Interessiert an Unisex-WCs dürften wohl vor allem kleinere Betriebe und jene Gastronomen sein, die Bauarbeiten planen.

Auf Interesse stösst die Unisex-WC-Debatte beim Transgender Network Switzerland. Dieses vertritt Transmenschen, also Personen, die sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlen, dem sie bei Geburt zugeordnet worden sind. «Die Eröffnung solcher Toiletten ist sehr positiv für Transmenschen», sagt Henry Hohmann vom Netzwerk. «Besonders für Leute, die sich gerade in der Phase der Anpassung des Körpers befinden, ist es schwierig, sich für das Männer- oder das Frauen-WC zu entscheiden. Es kann auch vorkommen, dass jemand unerwünscht ist, weil man äusserlich das Geschlecht nicht genau zuordnen kann.» Es gebe gar Leute, die stundenlang nichts trinken würden, um solchen Situationen aus dem Weg zu gehen.

Getrennte WCs müsse man deswegen nicht abschaffen, so Hohmann. Vor allem Frauen hätten das Bedürfnis nach eigenen WCs – teils aus Sicherheitsgründen, aber auch, weil sie sich unter sich unterhalten wollen. Dies trifft übrigens auch auf viele Transmenschen nach der Anpassung des Körpers zu», sagt Hohmann. «Wenn es mehr Unisex-WCs gäbe, etwa in grösseren Anlagen wie Universitäten, tut das aber niemandem weh.»

Weiteres Vorgehen noch offen

Wie geht es nun weiter mit dem «Anker»? Am Dienstag fand die Abnahme durch die Gewerbepolizei statt. Ob es zu einer Anzeige kommen wird, ist noch offen. «Wir werden die entsprechenden Abklärungen machen und dann die Betreiberschaft informieren», sagt Urs Renggli, Chef Gewerbepolizei. Gar nicht einzugreifen wie die Behörden bei einem ähnlichen Fall in Zürich (siehe Box), sei keine Option, da dies derzeit nicht dem kantonalen Gesetz entspreche. Theoretisch könnte die Polizei das Restaurant im schlimmsten Fall auch schliessen lassen. «Wir werden vorher aber sicher andere Lösungen suchen», sagt Renggli.

Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der «Anker»-Betreiberfirma Remimag, will das Restaurant auf jeden Fall eröffnen. Für ihn gehört dem Unisex-WC die Zukunft. Ein Vorteil sei, dass eine gemeinsame Toilettenanlage weniger Platz benötige und das Restaurant dadurch grosszügiger gestaltet werden könne. Und weiter: «Die Männer waschen sich alle die Hände – wegen der sozialen Kontrolle», sagt Eltschinger. Dies hätten Test­essen im Restaurant gezeigt. Falls es zu einer Anzeige komme, werde er diese anfechten. «Und zwar so weit, bis die Verordnung gestrichen wird.»

Stefan Dähler

Blick ins Unisex-WC des Hotel Anker. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))

Blick ins Unisex-WC des Hotel Anker. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))

WC der Frauen und Männer im Hotel Anker in Luzern nebeneinander. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))

WC der Frauen und Männer im Hotel Anker in Luzern nebeneinander. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))