Recycling am Reider Kirchturm

Die Sprüche der Schnitzelbänkler in den Reider Gaststuben erheiterten viele. Nebst Schenkelklopfern gabs auch bissige Kommentare.

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Die «Giftsprötze» reimten im Restaurant Sonne in Reiden. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Die «Giftsprötze» reimten im Restaurant Sonne in Reiden. (Bild: Boris Bürgisser/Neue LZ)

Als Aussenstehender verstand man viele der Verse, die am Donnerstagabend in den Reider Beizen zum Besten gegeben wurden, nur dank der Aufklärung durch die einheimischen Tischnachbarn. Offensichtlich bewegte letztes Jahr besonders die neue Aufmache des Kirchturms, echtes Silber, die Gemüter der Reider. Darüber spotteten etwa die vier Männer von Glismets: De Reider Chileturm, dä lüchtet grau, trotz scharfem Dänkmalschutz de G’meinrot täubelet, wo isch Bewilligung? Jä gopfredstutz mir meine do, das brucht kei settig Tänz, das isch e schöne Dom das «Graue» passt doch hoorgenau, zum Grind vom Paparazzi z’Rom.

Ihre speziell weibliche Sicht auf einige Geschehnisse des vergangenen Jahres präsentierten die Giftsprötze: Wöu so vel Lüt sini Praxis bsueche, muess de Dokter Abt e Lösig sueche Gfonde het är die ganz zackig, en Assischtänt, jong, schön ond knackig Kei Wonder, dass d’Froue i Praxis ströme, ond öber höche Bluetdrock chlöne Ds Wartzimmer esch vou Froue, wo dä Adonis wend go schoue D’Moral vo dere Gschicht – us wiiblicher Sicht – Schöni Manne wemmer gseh, de zahle mer för d Prämie ou es Fränkli meh. In sechs Gasthöfen drehten die sechs Gruppen ihre Runden. Nebst Lokalgeschichten zu reduziertem Winterdienst, besoffenen Musikanten, Bauvorhaben und vielem mehr wurde auch auf internationale Akteure verbal draufgehauen. Einen klassischen Rundumschlag vollführte Glismets: D’Ägypter sind verruckt, de Mubarak muess d’Finke chlopfe D’Libyer, die wärdid jetz de gli de Ghadhafi usstopfe Für die Dütsche ei Plamage, de Guetebärg, dä Dokter Ex Nur d’Italiener sind no happy, mit em Silvio-Bunga-Sex.

Zünftig auf den Deckel gaben die beiden dann dem «Heiligen Vater»: I begröndete Einzufäu, darfsch es met Gommi triibe S’Kondomverbot setzt jetzt locker, Körper chönd sech riibe Im Minimum e Gommi drom, de Papscht het’s gnau gstodiert Im Vatikan het mer das bi Minischtrante usprobiert.

Da blieb dem einen oder anderen doch das Lachen im Halse stecken. Die beiden hatten aber auch zum Lokalen etwas mitzuteilen: Hend Sie ou scho welle, bim Hess uf Deponie, Bi dene Öffnigszyte, esch secher scho zue gsy. Gmeind het das tschegget, tuet nachere Lösig sträbe, Drom darfsch nöi s’Aluminium a Cheletorm ue chläbe.

Womit wir wieder beim Kirchturm wären. Zur Auflockerung veranstalteten die Guuggenmusigveteranen von Blächschade einige Schwinggänge, unter Einbezug des Publikums, und spielten das eine oder andere Schunkellied.

Florian Weingartner / Neue LZ