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Studie zeigt: Recyclingbeton ist besser als angenommen

Eine Studie der Hochschule Luzern belegt, dass sich der Baustoff vielseitig verwenden lässt.
Manuel Burkhard
Beton lässt sich auch aus zerkleinertem Abbruchmaterial, sogenanntem Mischgranulat, herstellen. Bild: PD

Beton lässt sich auch aus zerkleinertem Abbruchmaterial, sogenanntem Mischgranulat, herstellen. Bild: PD

Papier, Karton, Glas, PET – rezyklieren ist in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. Doch ein Stoff wird trotz des Schweizers Lust an der Wiederverwertung verschmäht. In unserem Land wird viel gebaut – und darum auch viel abgerissen. Das Abbruchmaterial landet in Deponien. Ein Unding, findet Albin Kenel, Professor für Bauingenieurwesen an der Hochschule Luzern. «Sortiertes Abbruchmaterial ist ein hochwertiger Baustoff, den man weiterverwenden kann», erklärt er.

Tatsächlich liesse sich Beton anstatt aus frischem, dem Boden abgewonnenem Kies und Sand auch aus zerkleinertem Abbruchmaterial, sogenanntem Mischgranulat, herstellen. Von den 40 Millionen Tonnen Beton, die in der Schweiz jährlich verbaut werden, macht solcher Recyclingbeton aber nur 15 Prozent aus. Ein Grund dafür ist rein technischer Natur: Recyclingbeton hat eine tiefere Festigkeit und ist deshalb nicht uneingeschränkt einsetzbar. Wie viel rezykliertes Material verwendet werden darf, regelt der Schweizer Ingenieur- und Architektenverein SIA in einem Merkblatt. Doch Albin Kenel ist überzeugt: «Die Normen sind sehr vorsichtig. Man kann es technisch mehr ausreizen.»

Um seine These zu prüfen, fertigte er mit seinem Team bauteilgrosse Versuchskörper aus Recyclingbeton an und unterzog sie einem Belastungstest. Das Ergebnis: Recyclingbeton ist widerstandsfähiger als bisher angenommen, die Anwendungsmöglichkeiten wären also vielfältiger als heute üblich. Aber Kenel relativiert: «Man wird keinen reinen Recyclingbeton herstellen können. Frischer Kies und Sand sind weiterhin nötig. Aber wir können problemlos bis zu 50 Prozent Mischgranulat verwenden.» Als nächstes müssen die Erkenntnisse in die Praxis überführt werden. Mit einer Arbeitsgruppe des SIA revidierte er das Merkblatt zum Einsatz von Recyclingbeton. Die neuen Richtlinien sollen per 1. Januar 2020 veröffentlicht werden. Ab dann kann mehr Abbruchmaterial wiederverwertet werden.

Recyclingbeton ist 
ein politisches Projekt

Die Kosten der Studie von 160000 Franken wurden zu einem Viertel durch die Hochschule gedeckt, den Rest übernahmen diverse Wirtschaftspartner. Eine wichtige Rolle spielte die Stadt Zürich, die bereits früher ähnliche Tests an der HSLU in Auftrag gegeben und auch die neue Testreihe initiiert hatte.

Diese Unterstützung sei wichtig, findet Kenel. Denn wirtschaftlich biete Recyclingbeton keine konkreten Vorteile. Das Aufbereiten des Abbruchmaterials kostet gleich viel wie der Abbau von frischen Rohstoffen. «Aber Recyclingbeton ist ökologisch sinnvoll» erklärt er. «Was es also braucht, ist der politische Wille, ihn zu fördern.» Zwar herrscht in der Schweiz kein Mangel an Rohstoffen für die Betonproduktion, aber Kiesgruben und Deponien stehen in Konkurrenz zum Landschaftsschutz. Die logische Konsequenz gefällt Kenel gar nicht: «Wenn wir nicht genügend Rohstoffe abbauen, werden sie auf Lastwagen importiert.» Jetzt aber seien die möglichen Anwendungen von Recyclingbeton solide abgestützt. So manches alte Haus dürfte also in Zukunft ein zweites Leben erhalten – denn nur auf diese Weise lässt sich der Landschaftsschutz mit der regen Bautätigkeit vereinen.

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