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Kommentar

Redet den Tourismus nicht schlecht!

Die Analyse zur Car- und Tourismusdebatte in der Stadt Luzern von Robert Knobel, Ressortleiter Stadt/Region Luzern.
Robert Knobel
Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region Luzern

Es waren trockene Begriffe, die am Donnerstag im Luzerner Stadtparlament fielen: Da war von «Zieldefinition» und «Problemanalyse» die Rede, von «Konzepten», die es auszuarbeiten gelte. Thema war wieder einmal die Car-Parkierung. Weil sich das Parlament in dieser Frage nicht einig ist, will man mit der Diskussion nochmals von vorne beginnen. Als ob man dies in den vergangenen Jahren nicht schon genug getan hätte.

Wie konstruktiv diese Diskussion sein wird, muss sich erst noch zeigen. Dabei geht es längst nicht nur um die Frage, wo die Cars parkieren sollen. Das Parlament will eine Grundsatzdebatte zum Tourismus lancieren. Die Weichen dazu hat es bereits früher gestellt. Schon 2014 fragte die CVP per Vorstoss: «Wie viele Touristen erträgt Luzern?» Eine zurzeit hängige Motion der Grünen fordert zudem eine «Vision Tourismus 2030», in der es um Wachstumsbegrenzung und Maximalwerte für Cars und Hotelbetten geht. Ein SP-Postulat fordert Massnahmen für den Fall, dass Angebote von Airbnb und Business Apartements überhandnehmen. Und der Stadtrat sucht bekanntlich seit Jahren nach Wegen, um die Cars ganz oder teilweise aus der Innenstadt zu verbannen.

Die Belastung der europäischen Städte durch den Tourismus ist in jüngster Zeit in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Bürger gehen auf die Strasse, um gegen «Tourismusexzesse» zu demonstrieren. Barcelona, Venedig und Amsterdam haben Massnahmen zur Eindämmung der Touristenströme getroffen. In Luzern ist man von solchen Verhältnissen noch weit entfernt. Doch auch hier ist eine zunehmende Gehässigkeit feststellbar angesichts von Staus auf der Kapellbrücke und asiatischen Touristen, die unvermittelt auf die Strasse rennen und einheimische Autofahrer zu Vollbremsungen zwingen. Kommt hinzu, dass die Besucherzahlen in den letzten zehn Jahren massiv angestiegen sind – bei den Übernachtungsgästen von 1 auf 1,5 Millionen pro Jahr, bei den Tagesgästen von 6,5 auf weit über 8 Millionen. Den Unmut der Bevölkerung gilt es ernst zu nehmen. Doch es ist zu befürchten, dass der Tourismusdiskurs, den das Parlament forcieren will, zum Brandbeschleuniger für latente Ressentiments gegen Touristen wird. Das ist gefährlich. Die Aussage, wonach Luzern vom Tourismus lebt, ist keine abgedroschene Floskel, sondern Realität. In der Region Luzern hängen fast 8000 Vollzeitstellen vom Tourismus ab, ein einziger Tagesgast aus Asien lässt hier im Schnitt 350 Franken liegen.

Weder Banken noch Industrie als Alternative

Wer den Tourismus in Luzern eindämmen will, muss wirtschaftliche Alternativen präsentieren. Doch Luzern hat keine Industrie, keine Banken, die in die Bresche springen könnten. Es ist zwar erfreulich, dass sich die Stadtpolitik verstärkt um die Wohn- und Aufenthaltsqualität der Bewohner kümmert. Doch Lebensqualität braucht eine wirtschaftliche Grundlage. Man sollte nicht am Ast sägen, auf dem man sitzt. Das muss man sich stets vor Augen behalten, wenn es darum geht, Lösungen zu finden, etwa für die Car-Parkierung.

Die Tourismusdebatte kann aber auch eine Chance sein. Schliesslich ist es wichtig, dass sich die Luzerner im Klaren darüber sind, wohin ihre Stadt in Zukunft steuern soll. Die Luzern Tourismus AG sollte dabei unbedingt mit einbezogen werden. Schliesslich ist sie es, welche die Touristen nach Luzern holt. Luzern Tourismus hat sich bisher als Marketingorganisation für den Standort Luzern verstanden und sich aus der Politik weitgehend herausgehalten. Doch angesichts zunehmender Vorbehalte in der Bevölkerung reicht es nicht mehr aus, an Messen in China für Luzern zu werben.

Interessen liegen gar nicht so weit auseinander

Das Marketing muss auch vor der eigenen Haustür geschehen. Dabei liegen die Interessen der Einheimischen und der Tourismusorganisation gar nicht so weit auseinander. Die mittelfristigen Ziele von Luzern Tourismus könnte wohl jeder spontan unterschreiben – die Rede ist etwa von Förderung des Kongress- und Individualtourismus sowie der Stärkung der Wintermonate. Doch die Abhängigkeit vom Massentourismus zu reduzieren ist ein stetiger und langfristiger Prozess. Er sollte mit sanften Mitteln und keinesfalls mit harten regulatorischen Massnahmen begleitet werden. Denn auch wenn die Gästekurve seit Jahren nach oben zeigt – der Tourismus bleibt ein volatiles Geschäft.

Wie schnell sich eine Situation ändern kann, zeigt das Beispiel der Altstadt. Noch vor wenigen Monaten wurden die exzessiven Mietpreise und die Monokultur der Modeläden beklagt. Inzwischen hat der Onlinehandel die Mieten ins Purzeln gebracht, und die Luzerner wären wohl bald schon froh, wenigstens noch den «Vögele» in der Altstadt zu haben. Die Politiker haben es jetzt in der Hand, ob sie mit der Tourismuskritik bloss Wahlkampf betreiben oder sich verantwortungsvoll um die Zukunft des Tourismus kümmern wollen.

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