Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

REFORMIERTE: Abschaffung der Pfarrer-Volkswahl: Motionär ist zu Kompromiss bereit

Die Debatte um die Abschaffung der Volkswahl der Pfarrer ist mit einer Motion des Synodalen Norbert Schmassmann losgetreten worden. Er ist zu Zugeständnissen bereit.
Christian Glaus
Reformierte Pfarrer sagen, die Volkswahl gehöre zu ihrem Berufsverständnis. (Bild: Getty)

Reformierte Pfarrer sagen, die Volkswahl gehöre zu ihrem Berufsverständnis. (Bild: Getty)

Christian Glaus
christian.glaus@luzernerzeitung.ch

In der reformierten Kirche Luzern ist Feuer im Dach: Der Synodalrat will mit dem neuen Personalgesetz die Volkswahl der Pfarrer abschaffen. Künftig sollen sie vom Kirchenvorstand eingestellt und – falls nötig – entlassen werden können. Dagegen wehren sich die Pfarrer vehement. Grund: Die Volkswahl sei eine reformierte Tradition und gehöre zu ihrem Berufsverständnis (Artikel vom 3. März).

Die geplante Abschaffung der Volkswahl hat eine lange Vorgeschichte. Synodale und VBL-Direktor Norbert Schmassmann reichte 2008 mit sechs Mitunterzeichnern eine Motion ein, welche die Abschaffung des Beamtenstatus für Pfarrer forderte. Hintergrund seien Auseinandersetzungen um Pfarrpersonen gewesen, von denen man sich trennen wollte, sagt Schmassmann auf Anfrage. An einen konkreten Fall könne er sich nicht mehr erinnern. Laut Synodalratspräsidentin Ursula Stämmer-Horst fand die einzige Nichtwiederwahl der letzten Jahrzehnte Ende der 1990er-Jahre in Ebikon statt. Der Pfarrer wurde damals von der Kirchenpflege nicht mehr zur Wiederwahl nominiert. Es handelte sich also nicht um eine Abwahl.

Die Motionäre um Schmassmann begründeten ihren Vorstoss damit, dass es in Konfliktsituationen künftig einfacher sein soll, sich gegen deren Willen von Pfarrern trennen zu können. An der Volkswahl wollte Schmassmann damals allerdings festhalten. Diese kam erst nach und nach ins Wanken bei der Erarbeitung der neuen Kirchenverfassung, die letztes Jahr in Kraft getreten ist. Nun soll sie mit dem neuen Personalgesetz definitiv fallen.

Die rechtlichen Überlegungen des Synodalrats, die Volkswahl abzuschaffen, könne er nachvollziehen, sagt Norbert Schmassmann. «Über die Anstellung und Entlassung einer Person sollte nach ‹reiner Lehre› die gleiche Behörde entscheiden.» Sprich: Nimmt man dem Kirchenvolk die Möglichkeit, einen Pfarrer abzuwählen, muss man ihm konsequenterweise auch die Möglichkeit nehmen, einen Pfarrer zu wählen.

Für Norbert Schmassmann geht es damals wie heute hauptsächlich um die Entlassung eines Pfarrers. Die Art der Anstellung – ob Wahl oder Einstellung durch den Kirchenvorstand – ist für ihn zweitrangig. Die Beibehaltung der Volkswahl könne in Betracht gezogen werden, «aber nur, wenn bei einer Kündigung oder Entlassung nicht auch das Volk zum Zuge kommt. Eine Volksabwahl ist unwürdig und funktioniert in der Praxis nicht.» Es bestehe die Gefahr, dass eine solche Entlassung medial aufgebauscht werden könne.

Pfarrern, die weiterhin von Gläubigen gewählt werden wollen, bringt Norbert Schmassmann nur bedingt Verständnis entgegen. Er gesteht aber ein, dass die Volkswahl einer Tradition entspricht und im reformierten Verständnis stark verankert sei. Hart ins Gericht geht er mit dem Krienser Pfarrer Karl Däppen. Dieser hatte gesagt: «Für mich als Pfarrer ist die Vorstellung unerträglich, dass mir ein Kirchenvorstand von fünf bis neun Personen kündigen kann ohne die Möglichkeit, dies dem Stimmvolk vorzulegen.» Schmassmann sagt dazu: «Es wird seitens gewisser Pfarrer übertrieben und polemisiert.» In der Praxis werde eine Entlassung «hoffentlich selten vorkommen». Wenn dieser Fall doch eintrete, sei es besser, wenn man schnell einen Schlussstrich ziehen könne.

Dass sich Pfarrer gegen die Abschaffung der Volkswahl wehren, kann Adrian Loretan gut verstehen. Er ist Professor für Kirchenrecht an der Universität Luzern und Autor des Buches «Wahrheitsansprüche im Kontext der Freiheitsrechte (2017)». Loretan betont, dass die direkte Demokratie ihren Ursprung in der Westkirche hat: «Die Christen bemühten sich um eine gerechtere Ordnung, einen neuen Umgang mit der Macht und Autorität.» Wie nun die Reformierten in Luzern hätten auch die Katholiken die Volkswahl abschaffen wollen. Der Vorteil der direkten Demokratie sei, dass die gewählte Pfarrperson eine höhere Legitimität habe. Oder man könne bewusst der Wahl fernbleiben und damit zum Ausdruck bringen, dass man mit den Kandidaten nicht zufrieden ist.

Für die Einstellung eines Pfarrers durch den Kirchenvorstand spreche, dass das Verfahren schneller und geordneter ablaufe. «Die direkte Demokratie ist aufwendig und manchmal etwas überraschend. Da hat die Wahlbehörde nicht alles im Griff.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.