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REFORMIERTE: Er prägte die Kirche fast drei Jahrzehnte

Nach 22 Jahren als Präsident und insgesamt 28 Jahren im Synodalrat tritt David A. Weiss zurück. Die Zelte in Luzern bricht er komplett ab.
Roseline Troxler
David A. Weiss, hier in der Matthäuskirche in der Stadt Luzern, stand während 22 Jahren an der Spitze der reformierten Kantonalkirche. (Bild Pius Amrein)

David A. Weiss, hier in der Matthäuskirche in der Stadt Luzern, stand während 22 Jahren an der Spitze der reformierten Kantonalkirche. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

David A. Weiss (60) ist keiner, der halbe Sachen macht. Während 22 Jahren hat er die Landeskirche der Reformierten im Kanton Luzern präsidiert. Seine Zeit als Synodalrat mit einberechnet, sass er gar 28 Jahre lang in der Exekutive der Reformierten. «Die Totalrevision der Verfassung ist auf Kurs. Es ist ein guter Zeitpunkt zu gehen», sagt der Luzerner.

Keine halben Sachen macht er auch bei seinem Rücktritt. Der Nochsynodalrat bricht seine Zelte in Luzern ganz ab und verabschiedet sich damit auch von der Kantonalkirche. Eine Zäsur sei ihm wichtig. Verbringen wird Weiss seine Zeit künftig mit der Pflege historischer Liegenschaften in Graubünden und im Aargau. «Ich freue mich, dass ich nun Verantwortung abgeben kann. Ich lasse etwas los, das ich mit grosser Hingabe, Liebe und Visionen für das Ganze gemacht habe.» Er habe weder konkrete Ziele noch Pläne, aber viele Interessen. «Vielleicht wird mir eine Tätigkeit für die Gesellschaft fehlen.» Dann werde er weiterschauen. Nicht vorstellen könne er sich, wieder eine Pfarrtätigkeit auszuüben, wie er dies bis 2008 mit Freude tat.

Ausbildung zum Lehrer gemacht

Der gelernte Primarlehrer hat in Zürich, Basel, Bern und München Theologie studiert und später in Luzern als Pfarrer gearbeitet. 1987 wurde er in den Synodalrat gewählt. Seit 1993 ist er als Präsident der höchste von gut 42 000 Reformierten im Kanton (Stand 2013). Das Amt entspricht offiziell einem Pensum von 60 Prozent.

Zur Arbeit als Synodalratspräsident gehört es laut Weiss, den Kurs der Reformierten wesentlich mitzubestimmen, die Mitarbeiter der Kirchgemeinden zu unterstützen, die Aufsicht über diese wahrzunehmen und die Lehre der Reformierten mitzuprägen. «Die Kantonalkirche war bei meinem Amtsantritt erst 17-jährig, die Autonomie der einzelnen Kirchgemeinden sehr gross», erzählt Weiss, der meist die Augen schliesst, während er in Erinnerungen schwelgt. Nach und nach wurden seither Aufgaben der Kantonalkirche übertragen. So wurde etwa die Spitalseelsorge kantonal geregelt, Fachstellen zur Unterstützung der Gemeinden geschaffen, die Mitgliederzeitung «Kirchenbote» ausgebaut oder in Asylfragen Verantwortung übernommen.

Freude bereitet Weiss bei seiner Aufgabe der Austausch mit den kirchlichen Mitarbeitern und den Reformierten anderer Kantone oder die politische Arbeit.

«Die Verfassung hat weniger Biss»

Viel politische Arbeit bedeutete auch die Totalrevision der Verfassung. Dazu gehörten sechs Jahre intensive Arbeit und heftige Debatten über die Grössenverhältnisse der einzelnen Kirchgemeinden sowie der Sitze in der Synode, dem Parlament der Reformierten. Ein Ziel war, die Dominanz der Grosskirchgemeinde Luzern, die in der Synode die Mehrheit hat, anders zu gewichten, so Weiss. Gerade deswegen sei der Weg, bis die Verfassung gestanden sei, emotional belastend gewesen, sagt Weiss. Es habe ihn geärgert, dass die Kirchgemeinde Luzern «kaum Bereitschaft gezeigt hat, zukunftsweisende Anliegen zu prüfen». Hinzu kamen bei der Revision gewisse Anschuldigungen, die auch auf Personen gezielt hätten.

Nun aber zeigt sich Weiss glücklich, dass ein Konsens gefunden scheint. Heute findet die Schlussabstimmung zur zweiten Lesung statt. «Ich bin froh, haben sich die Synodalen gefunden. Wenn auch die neue Verfassung heute weniger Biss hat als die alte von 1970.» Doch sei nun die Entwicklung der letzten 45 Jahre gut abgebildet.

Wichtiger nationaler Austausch

Ein besonderes Anliegen war für den Luzerner Synodalratspräsidenten stets auch der nationale Austausch. «Die reformierte Landeskirche im Kanton Luzern konnte sich als ursprünglicher ‹No-Name› einen Platz sichern, um auch Inhalte mitzugestalten. Unsere Stimme wird gehört.» Weiss war während sechs Jahren auch in der Exekutive auf nationaler Ebene, im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, tätig. Ganz knapp hat er 2010 den Sprung ins Präsidium verpasst.

Eine grosse Bedeutung misst Weiss der Zusammenarbeit mit den anderen Landeskirchen im Kanton Luzern bei – der römisch-katholischen und der christkatholischen. «Die Beziehung untereinander ist herzlich, auch wenn wir kulturell nicht immer gleich ticken.» Bei gemeinsamen Projekten ist es Weiss wichtig, dass die Reformierten nicht nur Trittbrettfahrer sind.

Der abtretende Synodalratspräsident wünscht sich, dass «die Kirche in gesellschaftlichen Fragen ihren Platz aktiv einnimmt». Die Reformierten müssten aufgrund ihrer Vielfalt aufpassen, dass sie ihre Identität nicht verlieren. Ein weiterer Wunsch von Weiss ist, dass sich die reformierte Kirche nach strukturellen Fragen vermehrt Inhalten zuwenden kann. Und er ergänzt: «Ich hoffe, dass künftig Diskussionen über Aufgabenteilung innerhalb unserer Kirche weniger Platz haben und die Offenheit zur Zusammenarbeit weiter wächst.»

Die Wahl einer Nachfolge für David A. Weiss ist für die Synode von heute Nachmittag traktandiert. Einzige Kandidatin ist Synodalrätin Tanja Steger Hodel aus Ebikon.

HINWEIS

David A. Weiss wird heute offiziell verabschiedet. Der Festakt beginnt um 18 Uhr in der Lukaskirche. Am Anlass nehmen auch Regierungspräsident Reto Wyss sowie Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, teil.

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