REFORMIERTE: Ihre Wahl wirft Fragen auf

Marlene Odermatt präsidiert neu die gemeindeübergreifende Reformierte Kirche Luzern. Delikat: Ausgerechnet ihre Wohn- gemeinde will den Alleingang.

Dave Schläpfer
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Marlene Odermatt (52) in der reformierten Thomaskirche in Adligenswil.

Marlene Odermatt (52) in der reformierten Thomaskirche in Adligenswil.

Stabsübergabe bei den Reformierten in der Region Luzern: Ab August übernimmt Marlene Odermatt das Präsidium des Kirchenvorstands der Reformierten Kirche Luzern (siehe Box zur Person). Die SP-Kantonsrätin folgt auf Hans Oertli, der das Amt während 16 Jahren innehatte. Historisch bedingt, umfasst die Reformierte Kirchgemeinde Luzern zehn Teilkirchgemeinden – neben Luzern etwa Kriens und Emmen-Rothenburg.

Langwierigen Prozess vorausgesagt

Nicht alle Teilkirchgemeinden sind mit den alten Strukturen zufrieden. So haben sich Horw und Meggen-Adligenswil-Udligenswil Ende 2011 an der Urne überdeutlich für den Alleingang ausgesprochen. Somit wären sie autonomer, gerade punkto Verwendung der eigenen Steuererträge, und direkt der Kantonskirche unterstellt. Eine Loslösung könnte im Verlauf des Jahres 2015 erfolgen. Dies, sofern die Stimmbürger der gesamten Kirchgemeinde Luzern grünes Licht geben. Zunächst geht es aber um die Aushandlung eines Austrittsvertrags inklusive Vermögens- und Gütertrennung. Ein «langwieriger Prozess», so die Einschätzung des jetzigen Präsidenten Hans Oertli in einem früheren Artikel.

Überrascht von der Bewerbung

Um zu einem für alle Parteien vertretbaren Kompromiss zu kommen, ist also in den kommenden Monaten viel Fingerspitzengefühl gefragt. Dafür scheint Marlene Odermatt durchaus die richtige Wahl zu sein, ist sie im Kantonsrat doch als konstruktive und konsensorientierte Politikerin bekannt. Einen augenfälligen Bremspunkt gibt es dennoch: Odermatt lebt in Adligenswil – also just in einer der beiden Teilkirchgemeinden, die sich loslösen wollen. Entsprechend wirft die Wahl dort Fragen auf. «Wir waren überrascht von dieser Kunde», sagt Christine Willimann, ­Präsidentin der Kirchenpflege Meggen-Adligenswil-Udligenswil. Dies auch, weil man keine Kenntnis von der Bewerbung gehabt habe. Man sei überaus gespannt, welche Haltung Odermatt hinsichtlich der Frage des Austritts vertrete. Generell hält Willimann fest: «Ich nehme an, sie ist sich als Einwohnerin von Adligenswil im Klaren darüber, dass sie ihr Amt nicht behalten kann, wenn wir selbstständig werden. Und an diesem eingeschlagenen Kurs – es handelt sich um einen klaren Auftrag unserer Stimmbürger – halten wir fest.» Man wolle mit Odermatt nun das Gespräch suchen: «Wir haben sie Ende Juni zu unserer Kirchenpflegesitzung eingeladen.»

Marlene Odermatt betont auf Anfrage: «Eine gute und respektvolle Zusammenarbeit mit den betreffenden Teilkirchgemeinden liegt mir sehr am Herzen – jetzt Grabenkämpfe auszutragen, führt zu nichts.» Sie werde sich dafür einsetzen, dass eine faire Lösung gefunden werden könne – «das stelle ich über alles». Doch wie hat Odermatt Ende 2011 bezüglich der Loslösung abgestimmt? Das möchte sie lieber nicht offenlegen: «Damit wird nur unnötig Öl ins Feuer gegossen.» Gleichzeitig bekennt sie: «Ich stehe zur Kirchgemeinde Luzern und dem damit verbundenen Solidaritätsgedanken.» So oder so gehe es ihr auf keinen Fall darum, ihren nun neu erworbenen Sitz halten zu wollen: «Das wäre eine falsche Unterstellung.»

Auf Gegenkandidatur verzichtet

Interessant: Neben Marlene Odermatt hat es für das Präsidialamt einen weiteren Bewerber gegeben. Da dieser jedoch seine Kandidatur zurückzog, gab es nur einen einzigen Wahlvorschlag – darum erfolgte eine stille Wahl. Das bedeutet, dass niemand aus der Teilkirchgemeinde Meggen-Adligenswil-Udligenswil gegen die Wahl von Odermatt opponiert hat und im Vorfeld auch kein eigener Gegenkandidat aufgestellt worden ist. In einem solchen Fall wäre es zu einer Urnenabstimmung gekommen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Hans Oertli, der bisherige Präsident der Reformierten Kirche Luzern, sowie auch weitere Mitglieder des siebenköpfigen Vorstands dezidiert gegen die Verselbstständigung und für die Beibehaltung der bisherigen Strukturen sind. Wie das Klima im erneuerten Gremium ist – es gab aktuell zwei weitere Wechsel im Vorstand –, wird sich zeigen. Fest steht: Die Kantonalkirche stützt die Austrittswilligen. Momentan ist eine Verfassungsrevision in Erarbeitung, in der die entsprechenden gesetzlichen Fragen geregelt sein sollen. Das Ja an der Urne im Kanton vorausgesetzt, könnte die Revision 2016 in Kraft treten.