REFORMIERTE: Luzern verbannt «Protestanten»

Die Luzerner Reformierten geben sich eine neue Kirchenverfassung – und schneiden alte Zöpfe ab.

Robert Knobel
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Die Lukaskirche in Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Lukaskirche in Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

40'000 Reformierte leben im Kanton Luzern. Ihr religiöses Leben wird durch die kantonale Kirchenverfassung geregelt. Diese stammt aus dem Jahr 1968 und soll jetzt total revidiert werden. Der Verfassungsentwurf steht seit Anfang Jahr in der Vernehmlassung. Darin vorgesehen ist unter anderem, die Begriffe «Protestanten» oder «protestantisch» im Verfassungsentwurf nicht mehr zu erwähnen.

Ist der Protestantismus dabei, aus dem Bewusstsein der Schweizer Reformierten zu verschwinden? Streng genommen stammt der Begriff von einer Protestaktion, mit der sich die evangelischen Stände in Deutschland 1529 gegen einen Beschluss des Reichtags zu Speyer wehrten. Doch der Protest wurde für die Schweizer Reformierten zum Identifikationsbegriff. «Der Protestantismus war ein Leitwort der liberalen Theologie», sagt Pfarrer David A. Weiss, Synodalratspräsident der Reformierten Kirche des Kantons Luzern. Gerade in Kantonen wie Luzern, wo die Reformierten eine Minderheit bilden, blieb der Protestantismus länger als anderswo ein identitätsstiftendes Element, um sich gegen die katholische Mehrheit abzugrenzen.

«Heute arbeiten wir mit der katholischen Kirche sehr nah zusammen, und zwar in allen relevanten Gesellschaftsfeldern», sagt David A. Weiss. Generell sei man sich viel näher gekommen – was auch an den Katholiken liege: «Die katholische Kirche ist ein Stück weit reformierter geworden.