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REFORMIERTE: Volkswahl abgelehnt: Herbe Niederlage für die Pfarrer

Das Luzerner Kirchenparlament spricht sich klar gegen die Volkswahl der Pfarrer aus. Nun steht ein Referendum gegen das neue Personalgesetz im Raum.
Christian Glaus
Die Reformierte Kirche des Kantons Luzern hat mehr Anhänger als angenommen. (Symbolbild Manuela Jans/Neue LZ)

Die Reformierte Kirche des Kantons Luzern hat mehr Anhänger als angenommen. (Symbolbild Manuela Jans/Neue LZ)

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Heftig war der Widerstand der reformierten Pfarrer im Kanton Luzern gegen die Abschaffung der Volkswahl. Klein war gestern die Unterstützung, die sie in der Synode – dem Kirchenparlament – erhielten. Umso grösser dafür die Enttäuschung. Künftig werden die Pfarrer nicht mehr vom Kirchenvolk gewählt, sondern vom Kirchenvorstand. So steht es im Personalgesetz, das gestern in erster Lesung verabschiedet wurde – mit 45 Ja-Stimmen. Gegen die Vorlage stimmten drei Pfarrer.

Die Kirchgemeinden müssen die Bevölkerung bei der Auswahl eines Pfarrers weiterhin mit einbeziehen. Dies kann beispielsweise in Form einer Pfarrwahlkommission sein, die aus den Bewerbern die geeignete Person aussucht. Somit wird zwar die Volkswahl abgeschafft, aber die Mitsprache des Kirchenvolks zumindest teilweise noch erhalten.

Vorschläge für Volkswahl und -abwahl

Die Pfarrer brachten in der Synode einen eigenen Vorschlag ein, wie Volkswahl und -abwahl beibehalten werden können. Ihre Anträge: Die Kirchgemeindeversammlung wählt die Pfarrer auf unbestimmte Zeit. Und: Pfarrer können innerhalb von 30 Tagen verlangen, dass die Kündigung der Kirchgemeindeversammlung vorgelegt wird. Doch insbesondere die Trennung von einem Pfarrer solle nicht öffentlich ausgetragen werden, befand eine Mehrheit. Der entsprechende Antrag wurde wuchtig – mit 40 Nein zu 5 Ja – abgelehnt. Für die Volkswahl hegten einige Synodale Sympathien. Doch die Mehrheit sprach sich auch dagegen aus, mit 29 Nein- zu 19 Ja-Stimmen.

Während der Debatte war spürbar: Bei der Volkswahl handelt es sich um ein emotionales Thema. Die Stimmung war angespannt, die Sprecher bemühten sich umso mehr, sachlich zu bleiben. Den einzigen Ausrutscher leistete sich der Krienser Pfarrer Karl Däppen: «Die Synode bricht mit dem reformierten Kirchenverständnis und entfernt das Herzstück», schimpfte er nach verlorener Abstimmung zur Volkswahl und empfahl, das Personalgesetz ganz abzulehnen.

Vor allem die weltlichen Parlamentarier hatten Mühe damit, das Anliegen der Pfarrer zu erfüllen. So sagte Hans Küher (Luzern) für die Stadt-Fraktion, es sei richtig, dass die Bevölkerung bei der Auswahl des Pfarrers vom Kirchenvorstand einbezogen werden muss. «Es ist aber nicht zwingend nötig, dass das Resultat dann von den Stimmberechtigten bestätigt werden muss.» Laut Thomas Flückiger (Fischbach) von der Land-Fraktion sei die Volkswahl durchaus «etwas Schönes». Dennoch sah auch er keine Notwendigkeit, daran festzuhalten.

«Schon heute keine echte Wahl»

Max Kläy (Meggen), Vertreter der religiös-sozialen Fraktion, sagte, man müsse die gesellschaftliche Entwicklung berücksichtigen. «Die heutige Pfarrerwahl ist weit weg von einer wirklichen Wahl. Es sind nur wenige Prozent der Mitglieder einer Kirchgemeinde, die sich wirklich darum kümmern.» Faktisch entscheide schon heute der Kirchenvorstand darüber, wer Pfarrer werde.

Noch ist die Volkswahl nicht definitiv abgeschafft. Am 30. Mai findet die zweite Lesung zum Personalgesetz statt. Es ist möglich, dass dann ein neuer Antrag für die Volkswahl eingeht, aufgrund der gestrigen Debatte wäre ein solcher aber wohl aussichtslos. Wahrscheinlicher wäre hingegen eine Volksabstimmung. Ein Referendum gegen das Personal­gesetz wurde bereits in den Leserbriefspalten unserer Zeitung thematisiert. Gestern warnte auch Lilli Hochuli, Pfarrerin in Hochdorf, es sei «möglich, dass das Referendum ergriffen wird».

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