REGIERUNG: «Die Krawatten sind scheusslich»

Der Luzerner Regierungsrat will sich in seinem Gruppenbild von der Sonnenseite zeigen. Der Psychologe ortet aber auch Schwächen.

Luzia Mattmann
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Die Luzerner Regierung. Von links: Lukas Gresch (Staatsschreiber), Marcel Schwerzmann, Reto Wyss, Robert Küng, Yvonne Schärli und Guido Graf. (Bild Bruno Eberli)

Die Luzerner Regierung. Von links: Lukas Gresch (Staatsschreiber), Marcel Schwerzmann, Reto Wyss, Robert Küng, Yvonne Schärli und Guido Graf. (Bild Bruno Eberli)

Es hat Tradition, das alljährliche Gruppenbild der Luzerner Regierung mit dem Staatsschreiber. Entsprechend dem Motto des Regierungspräsidenten Robert Küng, der das Solarjahr ausgerufen hat, präsentiert sich die Gruppe auf dem Dach der Swissporarena, inmitten der dortigen Solaranlage. Gemacht wurde das Bild vom Fotografen Bruno Eberli aus Horw. Die Magistraten und der Staatsschreiber wollen ihre Sonnenseite zeigen. Doch gelingt es ihnen? Der Zürcher Psychologe Thomas Steiner hat das Gruppenbild für unsere Zeitung analysiert.

Den Kern der Bildkomposition ortet Steiner bei Robert Küng und Marcel Schwerzmann. «Mir fällt auf, dass die beiden die einzigen beiden Personen auf dem Bild sind, die frei dastehen», sagt Steiner. Gleichzeitig zeigten die beiden die lockerste Haltung. «Gerade Küng strahlt mit seiner einen Hand in der Hosentasche eine grosse – wenn auch vielleicht gespielte – Lockerheit aus», sagt Steiner. Gleiches gelte für Schwerzmann, der sich als Finanzdirektor nicht scheue, in die erste Reihe zu stehen und die Hände locker fallen zu lassen – als Zeichen, dass er Konfrontation nicht scheut.

Was heisst Schärlis geballte Faust?

Eine auffällige Figur im Ensemble ortet Steiner auch in YvonneSchärli– nicht nur der auffälligen Farbe ihres Mantels wegen. «Sehr prägnant im Bild ist ihre zur Faust geballte Hand, deren sie sich vielleicht nicht einmal bewusst ist», analysiert Steiner. Eine geballte Faust deute auf Energie oder Aggressivität, die nicht abgelassen werden könne. Ausserdem strahle das Gesicht auch nicht eben Lockerheit aus. Etwas anders, als dies der verspielte Mantelkragen und die lockere Bluse vermitteln. «Das ist eher Coco Chanel als Jackie Kennedy», sinniert Steiner.

Reto Wyss verstecke sich derweil fast ein wenig, findet Steiner. «Aber auf Grund seiner Körpergrösse ist er wohl bei Gruppenbildern in die zweite Reihe verdammt.» Ein offenes Gesicht und das fast schon spitzbübische Lachen würden dies aber wettmachen.

In Guido Graf rechts im Bild ortet Thomas Steiner einen «gesetzten Geniesser». «Er hält die Hände schützend vor sich, will sich nicht ungeschützt zeigen.» Das Gleiche gelte für Staatsschreiber Lukas Gresch. «Diese Geste kann eine kleine Unbeholfenheit signalisieren, weil man weiss, dass man im Bild verewigt werden soll.» Ansonsten erwecke Gresch einen gradlinigen, offenen Eindruck. Wyss und Graf würden sich entweder hinter der Gruppe verstecken oder sie zusammenhalten, je nach Lesart des Bildes.

«Die Dynamik geht ihnen teils ab»

Die Solaranlage als Kulisse bezeichnet Steiner als gelungen, weil die Linien im Bild nicht gerade verlaufen, sondern schräg. Dies wirke dynamisch. «Eine Dynamik, die den Personen auf dem Bild teilweise abgeht», urteilt Steiner. «Besonders scheusslich» findet Steiner die Krawatten sämtlicher Herren. «Das ist für mich typisch Provinz. Die Krawatten stammen wohl von der Stange und wurden weder mit Liebe ausgesucht, noch passen sie zusammen.»

Den Luzern-Pin, welchen alle Männer am Revers tragen, findet Steiner eine schöne Idee – «nur kann man das Luzerner Wappen auf dem Bild leider nicht erkennen».

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Sicht der Fotografin

Lene Horn, die Leiterin des Fototeams unserer Zeitung, beurteilt das Bild nach fotografischen Kriterien: «Das Bild ist gut belichtet, es liegen keine Schatten in den Gesichtern, alle haben die Augen geöffnet. Die Gruppe ist weder mittig noch asymetrisch ins Bild gerückt, das wirkt zufällig oder ungenau. Ich finde, das Sujet ist zu eng geschnitten. Die Weite, eine zusätzliche Ebene, fehlt. Zum Beispiel würde der Horizont das Bild interessanter machen. Da das Thema ‹Solarenergie› ist, fehlt mir die Sonne. Reflektionen der Sonnenstrahlen in den Panels hätten das Bild energievoller, lebendiger gemacht. Die Fotografie ist korrekt, aber etwas wenig mutig.»